Ein guter Tag, mit wenig Druck. Alles ein bisschen langsamer angegangen.
Entschleunigung tut mir gut. Es ist aber nicht die Entschleunigung alleine, sondern das Zusammenspiel zwischen Hochfrequenz und Entschleunigung, zwischen dichten Erlebnissen und ruhigen Alltag. Wie in der Musik, wie ein gutes Album, mit schnellen, kraftvollen Songs und langsamen Balladen.
Ein langes Gespräch mit meinem Mentor geführt, der in einer anderen Abteilung und in einem Land für das gleiche Unternehmen arbeitet, zwei oder drei Ebenen über mir. Er hat mehr für meine berufliche Entwicklung getan als jeder andere, und ist darüber hinaus noch ein wirklich guter Freund. Über gehen oder bleiben und Exit-Strategien gesprochen, dahinter meine große Frage an mich selbst, was ich mit der nächsten Dekade meines Lebens anfange. Bleiben und abwarten, rät er. Es sind gerade viele Dinge in Bewegung, und nicht abzusehen, wie die Würfel fallen werden.
Je mehr ich hinter den Vorhang der Führungsetage schaue, umso klarer wird für mich, dass es dort meistens gar keinen Masterplan gibt, manchmal noch nicht einmal einen Plan, und dass so manche weitreichende Entscheidung von persönlichen Empfindungen oder purem Egoismus getrieben ist, wie man es von einer Schulklasse voller Teenager in der Pubertät kennt. Das hat mein Vertrauen in die Welt ein bisschen erschüttert, denn ähnlich scheint es ja auch in der Politik abzulaufen. Da wünscht man sich fast Illuminati, die im Hintergrund alles regeln und die Welt am Laufen halten. In Dune heißt es: das Spice muss fließen. Im Kapitalismus ist es das Geld, das immer in Bewegung sein muss. Vielleicht ist irgendjemand so schlau zu erkennen, dass dieser Kreislauf ein Ende haben wird, wenn die Ressourcen final aufgebraucht sind.
Aber was weiß ich schon.