SGMaus hat gefragt, was auf meiner Bucket List steht. Ehrlich gesagt gar nicht mehr so viel. Karrieretechnisch bin ich zufrieden und eher skeptisch, ob ich den mit einem weiteren Aufstieg verbundenen Stress möchte. Materiell bin ich eigentlich gesättigt. The Cure möchte ich natürlich immer wieder spielen sehen, aber ich habe mir vor allen mit den Konzerten in den USA einen ziemlich großen Wunsch erfüllt. Mehr oder weniger ist – wie hier beschrieben – die final form erreicht.
Ich habe lustigerweise vor fast zwanzig Jahren schon einmal über meine Bucket List geschrieben, mit dem Zielhorizont 2037. Was ist daraus geworden?
- Bouillabaisse essen, vorzugsweise am Gare du Nord: ja. Letztes Jahr in Marseille erledigt, hat mir nicht besonders geschmeckt. Insgesamt in den letzten Jahren oft und gut in Frankreich gegessen.
- eine Kreuzfahrt: Ja, zwei Expeditions-Kreuzfahren und zweimal die Postschiffroute.
- business class fliegen: ja, mehr als mir lieb ist.
- first class fliegen: nein, wäre nice to have und wird auch irgendwann mal passieren, aber längst kein dringender Wunsch mehr. Die goldenen Zeiten des Fliegens sind vorbei.
- einen Hund haben – nein, und DAS ist weiterhin eine sehr große Sehnsucht.
- einen Porsche 944 probefahren: nein. Damit kann ich mich gar nicht mehr identifizieren.
- eine bestimmte Sextechnik: ja, das war sehr schön.
- beim Karaoke die Bar rocken: nicht vor ganz großem Publikum, aber dafür ganz schön oft, also: ja.
- eine Reise durch Amerika: ja, zumindest die Westküste, Chicago, bisschen mittlerer Westen.
- mit Rome von Rounders einen Whiskey trinken: ja, es war allerdings ein Gin Tonic.
- tauchen lernen: möchte ich nicht mehr, zu gefährlich
- einen Diamantring mit Marquiseschliff besitzen: möchte ich nicht mehr, siehe Porsche.
- meine Eltern einladen, Weihnachten bei mir zu verbringen: ja, ich habe, was das Tochter sein angeht, wirklich alles erledigt.
- fließend französisch sprechen: es reicht, um sich nach dem Plat du Jour zu erkundigen und die Antwort einigermaßen zu verstehen.
- in Schwaben leben, aber wieder wegziehen können: muss nicht sein.
- rausfinden, was mein Großvater in der Nazizeit so gemacht hat: ja, ich habe lustigerweise erst vor ein paar Tagen seine Akte runtergeladen.
- das Dorf in Ungarn besuchen, in dem mein Vater geboren wurde: ja, das war sehr eindrücklich. Er war da leider schon verstorben.
- mich gut mit meiner Schwester verstehen: ja. Wir sind nicht eng, aber stehen sehr wohlwollend zueinander.
- Schlittschuhlaufen lernen: nein, das ist noch offen!
- ein paar Lieder von The Cure auf dem Klavier spielen können: kommt vielleicht noch.
- weniger besserwisserisch sein: naja. Final form usw.
Was würde ich heute auf meine Bucket List schreiben? Das mit dem Hund. Ein Leben leben, in dem ich einem Hund gerecht werden könnte. Tomaten züchten. Mich mehr um meine Gesundheit kümmern, ich bin wirklich nicht fit. Frau Novemberregen hat mir neulich erzählt, dass sie gelegentlich die Treppe hoch zu ihrem Arbeitsplatz nimmt. Ich bin nach zwei Stockwerken schon völlig außer Atem.
Mich vielleicht noch einmal öffnen für die Liebe. An einem Samstagmorgen so wie heute aufwachen neben einem Mann, mich zu ihm umdrehen und unaufgeregten, unsportlichen, vertrauten Sex haben. Den Tag beginnen, mit dem Hund gehen, ein paar Tomaten ernten. Sanft miteinander umgehen und mit den Stellen in mir, die zerbrechlich sind.
Muss nicht so kommen. Aber schön wär’s.



