The Cure in Köln

Als sie auf die Bühne kamen, dachte ich, die sind eigentlich auch nur eine Garagenband. Damit meine ich nicht garage als Stilrichtung, sondern eben wirklich eine Band, die in einer Garage übt und gelegentlich Auftritte in einem Jugendzentrum in der Provinz hat.
Nein, jetzt bin ich zu hart. Es war nur mein erster, harter Gedanke, denn der Sound von The Cure reihte sich nahtlos an den der Vorgruppe an.
Ich hörte mir das an, eher emotionslos. Dann, nach den ersten vier, fünf Songs, passierte etwas überraschendes: ich fing an, mich zu entspannen. Mitzusingen. Mich im Takt zu bewegen. Und da war eine Leichtigkeit, wie man sie bei einer so düsteren Band sicher nicht erwarten würde. Vielleicht kommt diese Leichtigkeit daher, weil The Cure nicht mehr gefallen müssen. Sie müssen keine Platten mehr verkaufen, sich keinen Ruf mehr aufbauen. Robert Smith steht einfach da, er sieht aus, wie er eben aussieht, er singt von Gefühlen und Assoziationen. Es sind keine Geschichten, die in einen Kontext eingebettet sind, sondern es ist einfach das, was ihm wichtig ist.
Gegen Ende, bei „the promise“ singt Robert Smith: „time will heal all wounds, you promised me…“. Ein gebrochenes Versprechen. Er findet Worte für mich, für uns, für Dinge, die die meisten von uns auf die eine oder andere Art und Weise erlebt haben.
Im Nacken gibt es einen Muskel, der den Kopf hält; dieser Muskel ist ununterbrochen, auch im Schlaf, angespannt und an der Arbeit. Vor vielen Jahren hat jemand mit mir eine Übung gemacht, durch die dieser Muskel kurzzeitig entlastet wird. Es war ein unglaubliches, unbeschreibliches Gefühl der Entspannung.
The Cure bewirken ähnliches: ihre Leichtigkeit macht auch mich leicht, die Wahrheit in ihren Songs berührt mich an Stellen, die sonst unzugänglich gewesen wären. Da ist ein Moment der Schwerelosigkeit, der es möglich macht, die Bauklötzchen des Selbst gegeneinander zu verschieben, die Bewegung, die Dynamik der Songs helfen dabei. Sie rocken. Und ich verstehe, daß es gut und richtig war für mich, zu kommen, quer durch Deutschland zu fahren, in fremden Betten zu schlafen. Denn das Reisen, diese äußerliche Bewegung, bringt auch Bewegung in meinen Geist.
Wie sie das nur immer machen, denke ich. Die Erwartungen übertreffen. 15 oder 20 Mal habe ich sie jetzt live gesehen, man vergißt, wie gut sie sind, bis man sie wieder erlebt.

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