Regengedanken

Hinaus gegangen in den Regen, in den Wolkenbruch. Die Regentropfen bestaunt, die nach dem Auftreffen auf den Asphalt 20 oder 30 cm in die Höhe springen. Die Straßen sind leergefegt, ein Liebespaar hin und wieder, immun gegen den Regen.
Das Wasser drückt die Gullideckel hoch, ein Polizeiwagen mit Blaulicht sperrt die Straße ab. Meine Hosenbeine werden naß.

Die Menschen sind gefangen im Ringcenter Frankfurter Allee, sammeln sich an den Ausgängen und starren in den Regen, es muß doch irgendwann besser werden.
An der Schönhauser Allee gibt es auch so ein Center, in Schöneweide ebenfalls, überall in Deutschland; sie sehen alle gleich aus, beherbergen die gleichen Geschäfte.
Meine Besorgung habe ich erledigt, ich kremple mir die Hosenbeine hoch, spanne den Schirm auf und lasse diese künstliche Welt hinter mir.

Ich denke an Chidher, Friedrich Rückert. Chidher, der ewig junge, bereist alle fünhundert Jahre die gleiche Stelle. Einmal findet er dort eine Stadt, dann eine Schafweide, dann ein Meer, und auf die Frage, wie lange dies hier schon stände, bekommt er jedes Mal die gleiche Antwort: immer.

Und es freut mich zu sehen, zu spüren, daß nichts für immer ist, an diesen Regentagen, die die Stadt aus dem Gleichgewicht bringen und einen Hauch von Apokalypse verspüren lassen.Hier, an dieser Stelle, wird zu einer anderen Zeit ein Wald sein, oder eine Wüste, oder ein Meer.

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