anders

Ich bin anders geworden. Es ist, als wären meine Beine steinern mit dem Boden verbunden gewesen, jahrelang, dann rissig geworden, aufgebrochen, wieder Fleisch geworden und ohne daß ichs recht gewollt hätte, habe ich mich bewegt. Ich selbst, ich merke es kaum, daß ich jetzt woanders stehe. Nur wenn mich die altbekannten ruft, dann wundere ich mich und habe Mühe, mich ihnen zuzuwenden. Der Austausch, der früher harmonisch und unkompliziert lief, ist auf einmal holprig und angespannt. Ich werde schnell gereizt, wütend gar, und dann schäme ich mich meiner Wut. Ich möchte gerne berichten, daß ich jetzt woanders stehe, aber ich weiß: ich kann es nicht in Worte fassen, ich wüßte nicht, wo ich anfangen soll. Ein mißgestimmtes Telefonat mit meinen Eltern. Kein Kontakt zu Ruth.
Ich muß diese neue Facette meines Selbst schleifen, einpassen in seinen Rahmen, dann kann ich mich wieder mit meinem gewohnten Gesicht zeigen.

Schade drum. Ich hätte ihnen gerne davon erzählt, wie ich jetzt anders bin.

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