im Dunklen.

Manchmal macht es meine Arbeit erforderlich, daß ich einen Film entwickle. Selbst, von Hand, in einem kleinen dunklen Raum. Und immer gibt es eine Zeitspanne (drei Minuten, fünf Minuten, zehn Minuten), in der ich warten muß, in der es nichts für mich zu tun gibt außer im Dunklen zu stehen. Dann lausche ich meinen Atemzügen, lasse meine Gedanken fliegen, genieße die Stille. Gestern habe ich die Rotlichtlampe ausgeschaltet und die absolute Schwärze auf mich wirken lassen. Mit meinen Fingerspitzen tastete ich die Maße des Raumes ab, der mir so gut bekannt ist.
Wie in diesem kleinen Raum, so ist auch das Leben. Das Licht meines Verstandes ist wie jene Rotlichtlampe und reicht bis zur Tischkante. Man tastet mit dem Herzen. Und all die Verletzungen, die Schrammen, die man sich zuzieht, wenn man gegen Möbelstücke stößt, gegen die Wand, eine Stufe verfehlt, ins Leere fällt – all diese Verletzungen sind gut. Weil man weiß, wo man steht. Weil sich so der Raum erschließt.
Rückblickend werde ich wahrscheinlich dankbar sein für die harte Zeit, durch die ich gerade gehe. Ich bin angeeckt, bin gegen Hindernisse gestoßen, und jetzt, hoffentlich, aufgewacht.

Blöd finde ich es trotzdem. Aber ich habe es mir ja nicht ausgedacht. Ausgesucht auch nicht. Wer hat schon die Wahl?
Es gibt ja nur dieses eine Leben.

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