Blogmich ’06

Glamourdick ist ein wundervoller Gastgeber und wohnt in der schönsten Wohnung Berlins. Ich sitze auf seiner Dachterrasse, in der Hollywoodschaukel, für die Brittbee die Bezüge genäht hat, und lasse mir die Nachmittagssonne ins Gesicht scheinen.
Keiner von uns beiden hat eine Uhr, also gehen wir los, als die Sonne gerade untergegangen ist. Eisenbahnstraße, das gefällt mir.
An der Bar steht Moni mit Isabo. Ich habe Moni noch nie getroffen, erkenne sie aber aufgrund des Photos in ihrem Blog. Ich stottere ein wenig, als ich mich vorstelle. „Ich bin Frau Fragmente!“ mag ich im realen Leben nicht sagen. Also sage ich „Hi! Ich blogge unter fragmente Punkt twoday Punkt net“ und komme mir blöd vor, doch Moni und Isabo sind sehr nett zu mir.
Hinten auf der Couch sitzt DocDee, die ich zwar kenne, aber erstmal nicht erkennen – ich hatte sie mit grünen Haaren in Erinnerung. Ich setzte mich zu ihr und freue mich. DocDee ist mein Liebling. Nur verkuppeln kann ich sie nicht mehr (mit dem Nachhilfeschüler), denn, so stelle ich fest: sie ist nicht mehr zu haben.
Zu ihrer Rechten sitzt Termo, introvertiert, ihm gegenüber, extrovertiert, Uke, in einem türkisfarbenen paillettenbesticktem Oberteil.
Auftritt Parka Lewis, den ich ja heimlich halboffiziell verehre. Später werde ich mir wünschen, ihm besser zugehört zu haben, aber es war nicht still genug. Vielleicht war ich es, die nicht still genug war. Partylaune und Gin Tonic.
Dafür unterhalte ich mich gut mit undundund (und Pit, der Melone), der als (Mit)Organisator des Blogmichs großes Lob verdient und auch sonst ein cooler Typ ist. Der, dessen Weblog ich regelmäßig und gerne lese, ist, um das Klischee zu bemühen, am andersten als ich ihn mir vorgestellt hätte (anders als unser Weblog sind wir ja alle). Neu lerne ich Vierterstock (tolle Locken) und Madame Sauvage (toller Job, man sieht sich in Frankfurt) kennen. Apropos, Bandini ist auch da, äußerlich verlotterter als in Neuss, innerlich jedoch viel sympathischer.
Überrascht bin ich durch die Begegnung mit Bastian (Weblog?), der die berliner Bewegung „alles außer Sport“ gegründet hat, bei der ich stilles Mitglied war, als ich noch in der Hauptstadt weilte. Zum aktiven Mitglied habe ich es nie gebracht, weil: die machen tatsächlich Sport!!!
Begeistert hat mich auch die wunderschöne Frau des Ronsens, mit der ich zu später Stunde eine wissenschaftliche Unterhaltung hatte (ansonsten habe ich mich bemüht, das Skalpell in der Tasche zu lassen.)
Mehr Zeit hätte ich mir mit der Schwadroneuse und Frau Engl gewünscht, Mequito verpasse ich ganz.

Mein liebster Gesprächsfetzen: Parka sagt, er stelle sich mein Leben im Ruhrpott so vor, daß ich in einem grauen Gebäude aus Waschbeton arbeite, in einer grauen Grubenarbeitersiedlung schlafe und daß es die ganze Zeit regnet.
Und ich habe keinen Sex!, sage ich und muß sehr lachen, weil seine Beschreibung gleichzeitig wahr und comic-haft ist. Dann fühle ich mich ein bisschen vulgärer, als mir lieb ist.
Schließlich erzähle ich die Geschichte vom White Russian, und sie wird schöner, größer, wahrer als ich gedacht hätte. Dennoch kommt sie mir nicht wahrhaftig vor. Obwohl nichts daran gelogen oder erfunden ist, der Kuss nicht, der Schnee nicht, die Pointe nicht, erfasst sie doch den wahren Kern dieser Zeit in meinem Leben nicht. Und so stehe ich danach ein wenig erschöft draußen vor der Tür; mein rechtes Auge tränt, da ist mir wohl was reingeraten, und leise fängt es an zu regnen.

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