Tanzbärin

Natürlich stelle ich ihn mir vor: wie er sich auszieht, während ich in meinem weißen Sessel sitze. Wie er sein Schlüsselbein entblößt. Wie meine Hände sein Gesicht erforschen, bis mir nichts mehr fremd ist. Wie sich sein Haar abfühlen, und seine Hände in meinen Haar. Wie wir nebeneinander in meinem Bett liegen, und dann ineinander –

Mir ist das peinlich. Ich bin mir peinlich, weil ich mich nicht im Griff habe, mich verrenne, schon wieder, mich zur Närrin mache, mir einen Ring durch die Nase ziehen lasse, und wenn die Melodie erklingt, dann kann ich nicht anders und muß tanzen, plump.
Ich bin ein Druckkochtopf, so wie meine Mutter einen hatte, Sicomat, ich hatte immer Angst, daß er irgendwann explodiert. Oben entweicht pfeifend Dampf, innendrinn weiche Matsche. Ich glaube, ich explodiere auch bald.
Mir ist das so peinlich, daß ich mich nicht beherrschen kann, sondern beherrscht werde von dieser Mixtur aus Begierde, Sehnsucht, Einsamkeit, Trieb und biologischem Programm. Mein Gehirn wird zur weichen Matsche, und das macht mich wütend, macht mich zur Idiotin, rasend von Wut, Speichel spuckend.

Es ist ein Elend, und ich hasse die Männer, weil sie mich schwach machen, und ich liebe sie, und die Gedanken, die sie in mir wecken. Ich hasse diesen Zustand, und ich liebe ihn, weil er die Welt in kräftigen, leuchtenden Farben zeichnet.

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