Ein Alptraum

Ein Alptraum. Ich stehe im Labor. Alles ist sehr eng. Der Raum winzig, die Arbeitsflächen vollgestellt.
Neben mir: mein Chef. Er hat es schon lange nicht mehr nötig, an der Bench zu stehen, tut es aber trotzdem. Um was zu demonstrieren? Man weiß es nicht.
Ich stelle fünf oder sechs lange, schmale Glasröhrchen in die Zentrifuge. Sie sind mit tiefroter Flüssigkeit gefüllt; wie Blut, aber nicht trüb, sondern klar.
Als ich die Röhrchen wieder aus der Zentrifuge nehme, zerbrechen mir zwei.

Ich bin entsetzt. Fühle mich, als ob ich ins bodenlose falle. Versuche, mich selbst zu beschwichtigen, und meinen Chef, dessen schweigsamen, missbilligenden Blick ich in meinem Rücken spüre. „Ich arbeite das nach“, sage ich entschuldigend, und überschlage im Kopf, wie lange das dauern wird, wieviel Arbeit da gerade zerbrochen ist. „Ich komme am Wochenende.“

Ich wache auf, oder steige im Traum eine Bewußtseinsebene höher. Ich weiß, daß ich längst nicht mehr in dieses Labor gehöre, längst keine Wochenenden mehr durcharbeiten muss. Ich bin sauer, dass mir dieser Alptraum die Nacht versaut, und will nicht, dass er wiederkehrt. Ich schlafe wieder ein, und mit der Chuzpe eines Kindes, das Dinge tut, von denen es nicht weiß, dass sie nicht möglich sind, spule ich den Traum zurück, als wäre er eine Musikkassette, ein Youtube-Video.

Ich nehme die Röhrchen aus der Zentrifuge.
Sie zerbrechen nicht.
„Siehst du“, sage ich zum Chef, „ist doch alles gut.“

Mein schlafender Körper seufzt, entspannt sich. Der Rest der Nacht ist traumlos, und ich wache am nächsten Morgen in einem anderen Leben auf.

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