bunt gemischt

Letzter Tag der Challenge, und auch mein letzter Urlaubstag. Ich hätte noch mindestens eine weitere Woche Urlaub gut gebrauchen können. Mein großes Thema ist die Zeit. Es ist immer zu wenig. Die Forschung sagt, die Zeit kommt uns auch deswegen immer so kurz vor, weil wir sie zu sehr mit Erwartungen überfrachten. Ich habe von meiner freien Zeit zu viel erwartet, wollte zu viel machen, und hatte teilweise auch entgegengesetzte Ziele (Nichtstun vs. Dinge erledigt bekommen). Ich werde nicht mehr täglich bloggen, aber alleine schon deshalb weiterschreiben, weil ich noch mehr über unser Verhältnis zur Zeit erzählen will  (ich hatte ich glaube ich auch Giardino versprochen).

Für den heutigen Tag hatte ich um Themenvorschläge gebeten, und folgende Anregungen bekommen:  

Nach meiner Dissertation war ich fast ein Jahr arbeitslos. Wie es mir dabei erging, habe ich hier aufgeschrieben; diesen Text habe ich etwas später auch vor Publikum gelesen, das kann man sich hier anhören. Weil sich jemand persönlich für mich eingesetzt hat, habe ich eine Stelle in einem fachfremden Bereich, der so rein gar nichts mit meinem Studium zu tun hat, bekommen. Vor etwa einem Jahr habe ich zu einem Konkurrenzunternehmen aus derselben Branche gewechselt. Die Arbeit macht mir größtenteils Freude, und es zeichnet sich eine zarte Möglichkeit ab, dass ich mich in eine Spezialistenrolle hinein entwickeln könnte. Wie ich das realisieren könnte, ist gerade die große Frage. Der Bruch in meinem beruflichen Lebenslauf schmerzt mich mal mehr, mal weniger. Ich habe an dem Thema viel gearbeitet und hole mir auch immer wieder professionelle Unterstützung, wenn es darum geht, meine Zukunft zu gestalten. Es ist nur wenig Trost, dass es allen, die mit mir zusammen studiert oder promoviert haben, ähnlich geht wie mir. Meine berufliche Herausforderung ist es, Rahmenbedingungen zu finden, unter denen ich mein Potential entfalten kann. Es wäre schön, wenn dies bei meinem jetzigen Arbeitgeber gelingen würde.

Manchmal denke ich, ich müsste mich viel mehr schämen. Wenn ich andere Frauen über ihren Beziehungsstatus oder ihr Verhältnis zu ihrem Körper sprechen höre. Und ich weiß, dass das alles für mich auch einmal sehr wichtig war, aber dann ist etwas passiert, das Leben vielleicht, und jetzt ist es mir ziemlich egal, in dem Sinne, dass es mein Selbstwertgefühl nicht signifikant beeinflusst. Alleinsein finde ich oft sehr klasse. Partnersuche, zum Beispiel über Onlinebörsen, mache ich vielleicht nach dem Ende des Trauerjahrs wieder einmal, keineswegs früher. Ich trage ganz schön Narben, auch, weil ich eine Fake-Geschichte erlebt habe wie Victoria Hamburg, deren Seite real fakes ich sehr empfehlen möchte. Aber ich finde Männer auch sehr schön, Sex ist mir wichtig und fehlt mir. Mir fehlt es, meinen Kopf an die Schulter eines Mannes zu legen, den T-Shirt-Stoff zu spüren und darunter Haut, Körper, Atemzüge. Es fehlt mir, wenn sich Männerbeine zwischen Oberschenkelinnenseiten schieben, sich ein Gesicht in meinen Brüsten vergräbt, und dann in mir. Aber das drumherum ist so kompliziert, und es scheitert oft.

Ja, da fällt mir Sufjan Stevens ein. Hat ein neues Album herausgebracht, Carrie & Lowell, über den Tod seiner Mutter. Muss ich immer sehr weinen. Schöne Titel sind: Should habe known better und Fourth of July. Schön sind auch, aus früheren Alben, Chicago und The dress looks nice on you. Von Chilly Gonzales gefallen mir eher die älteren Sachen, Manifesto zum Beispiel oder White Keys. Gerade höre ich sehr viel Knight Moves, gerne auch das Cover von The Magic Keys. Henning May, der bei Hurra die Welt geht unter den Hook singt, möchte ich mit Barfuß am Klavier erwähnen.    

Gar nicht wahr. Was in einer Partnerschaft auch schön wäre, neben dem Sex, das wäre, gepflegt am Esstisch Mahlzeiten gemeinsam einnehmen. Wie so zivilisierte Menschen. Ich bilde mir ja eh ein, dass man in einer Partnerschaft nicht so sehr verlottert, weil man ein gewisses Niveau aufrecht erhalten möchte, dass man mehr unternimmt und generell eine ein wenig bessere Version des Selbst ist. Aber mir fehlt hier der Vergleich. Jedenfalls: ich esse vor dem Fernseher. Und im Fernsehen läuft meistens nichts. TBBT hat eine ideale Mahlzeitenlänge, ist unterhaltsam und tut nicht weh. Theoretisch finde ich ja auch Breaking Bad oder Game of Thrones super, aber praktisch ertrage ich Drama, Gewalt und Leid gerade nicht. Das ist mir alles zu aufregend. Ich bin eine zartbesaitete Memme geworden, so sieht es aus. TBBT gucke ich eigentlich auch nicht mehr, weil es einen Todesfall in der Serie gab, aber vielleicht gebe ich mir einen Ruck, sonst bleibt mir nur noch Deutschlands schönste Bahnstrecken.

Vor ein paar Jahren, mein Vater war schon leicht erkrankt, habe ich mich beim Abspülen in der Küche meiner Eltern an einem kaputten Glas geschnitten. Einer dieser kleinen Schnitte, die nicht schlimm sind, aber ziemlich bluteten. Ich hab das dann meinen Vater gezeigt, nach einem Pflaster gefragt, und er sagte zu mir: „Nichts leichter als das, komm mit.“ Wir gingen zum Schrank mit der Hausapotheke, und er hat mir ein Pflaster aufgeklebt. Der Satz stammt aus der Serie „Piggeldy und Frederick„, die wir früher zusammen geguckt haben. Mein Vater hat mir auch immer viel erklärt, so wie Frederick, wir haben über vieles gesprochen, das kleine und das große in dieser Welt. So ein Vater war er, und so bin ich die geworden, die ich bin.  

Ich habe hier schon einmal über meine Schulzeit geschrieben. Da ich ein ziemlicher Klugscheisser war (und teilweise noch bin), hatte ich keine so einfache Zeit. Ich habe dann aber mit 16 die Schule gewechselt, Freunde gefunden und alles wurde besser. Rückblickend waren für mich die schlimmen Jahre auch eine gute Lektion: ich habe gelernt, mich mit mir selbst zu beschäftigen, bin unabhängiger und in sozialen Gefügen nicht erpressbar. Es ist darüber hinaus ja auch nicht Aufgabe der Jugend, leicht zu sein.

Gegen einen klebenden Küchenboden nach einer Wassermelonenexplosion hilft wischen, wischen, wischen. SGMaus ist hier die große Expertin, sie hatte seinerzeit einen großartigen Text über ihre Wassermelonenerfahrung geschrieben, der leider nicht mehr online ist. Sie empfiehlt sehr heißes Wasser, das kann ich bestätigen. Viel Wasser, das Wasser auch aufnehmen, das Wischwasser im Eimer häufig wechseln. Spüli und Essigreiniger schaden nicht, ist aber nicht kriegsentscheidend. Mein Problem ist, dass der Wassermelonensaft auch hinter den Küchenschrank gelaufen ist, wo ich nicht wischen kann. Mal sehen, ob ich demnächst ein Insektenthema haben werde. Im Moment ist jedenfalls alles gut.  

Großartiges Thema! Da schreibe ich demnächst mal drüber.

3 Gedanken zu „bunt gemischt

  1. Nunja – es ist wohl so, dass ich eine Wette verloren habe.

    Gewissermaßen geschah das sehenden Auges, weil ich weiß, dass Du absolut zuverlässig bist und Dinge durchziehst, die Du Dir vorgenommen hast. Genau aus dem Grund habe ich aber auch die Vermutung, dass für Dich das tägliche Posten eine größere Anstrengung ist als z.B. für mich, denn es reicht Dir eben nicht, dass da einfach irgendwas Beliebiges steht, sondern es sollten 16 gute und runde Texte sein. Das ist Dir bei jedem einzelnen gelungen. Vielen Dank dafür.

    Mich würde noch interessieren, ob das (tägliche) Schreiben etwas verändert hat. Ob es in Deinen Augen eine Entwicklung gab, ob es irgendwas bewegt hat. Vielleicht hast Du Lust, in den nächsten Tagen etwas dazu zu schreiben.

    • Nachdem mein Themenwunsch/-angebot gestern so schön untergegangen ist, ich allerdings wie bei allen vorangegangenen Texten auch von dem gestrigen wieder schlicht angetan und von vielen Facetten sehr berührt, wenn auch nicht persönlich betroffen war, habe ich inzwischen mehr als 1 Std. Victoria Schwartz, Tin Fischer und anderes gelesen und dafür meine eigenen neuen Job-Artikel geparkt. Ich baue inständig auf die Verführungskünste von Frau N., sie mögen Sie zu weiterer Schreibe bewegen. Wenn sich bei Ihnen nichts bewegt hat (allein mir fehlt der Glaube), so doch bei einigen Ihrer Leser. Selbst wenn ich nur für mich sprechen wollte: Ich lese die Ihnen gewidmeten Kommentare. Die sprechen für sich und für Sie.

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