Bilder

Wenn es in meiner beruflichen Tätigkeit nicht um das Besondere geht, keine einmaligen Projekte oder irgendwelche Krisen, kein Brände löschen und kein planerisches Weichenstellen, sondern nur das ganz normale Tagesgeschäft, und wenn ich dann in diesem Tagesgeschäft gerade richtig gut bin, dann habe ich oft so ein Bild vor Augen, als würde ich einen Acker umpflügen. Der Acker ist schwarzkrümelig und ein bisschen feucht, das Gras am Wegesrand ganz grün, in der Ferne ein paar Bäume. Vor meinem Pflug habe ich zwei Pferde gespannt, sie sind ruhig und konzentriert. Wir arbeiten uns Furche für Furche voran, mal ein kurzer Blick nach vorne, oder zurück, ein Durchatmen, ein Schluck aus der Flasche. Wie und wo mache ich weiter? Wo müssen die Furchen verlaufen? Wo liegen Steine, wo geht es bergab, wo muss ich bremsen, wo brauchen wir Schwung?

Dann sind wir fertig, und ein bisschen verschwitzt. Ich blicke auf den Acker. Umgepflügt. Mein Feld ist bestellt.

Seltsam, dass ausgerechnet das meine Assoziiation, mein inneres Bild ist. Wo meine eigentliche Tätigkeit, vor einem Bildschirm zu sitzen, zu lesen und zu tippen, damit ja so wenig zu tun hat.

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Geträumt. Ich bin in Berlin, in meiner dritten Wohnung, eine WG in einem Altbau in Wilmersdorf. Hinter dem Spiegel entdecke ich eine Tür, die in einen anderen Teil des Hauses führt. Die Räume sind riesig, ausgedehnte Flure und ein Atrium mit Galerie, überall Stuck und Art Deco. Alles auch ein bisschen in die Jahre gekommen, schräg eingerichtet.

Ich laufe herum, staune, orientiere mich, denke nach, wie ich mich einrichten möchte. Mir wird klar, dass all dies mir gehört. Ich habe es gekauft, jetzt fange ich an, es zu bewohnen. Ein Makler führt Interessenten durch die Räume, aber ich schicke sie weg. Ich wohne hier, es ist meines.

Das seltsame ist, dass ich diesen Traum seit ein paar Jahren regelmäßig habe. Es ist immer dasselbe oder zumindest ein ähnliches Gebäude. Einmal gab es im Erdgeschoss sogar ein Kino. Kein Heimkino, sondern so ein richtig rotplüschiges Arthouse Kino.

Was das wohl bedeutet? Ich bin jedenfalls jedes Mal ein bisschen traurig, wenn ich aufwache, denn ich wäre gerne noch mehr in diesen Räumen herumgelaufen.

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Ein paar Blogs, die ich lese (ohne Anspruch auf Vollständigkeit):

Novemberregen natürlich, die Vorspeisenplatte und auch fortlaufend, alle täglich.

Mit GarNixOderGuru stimme ich nicht immer überein, aber er hat gute Geschichten, der Schreibstil kommt dem einen oder der anderen vielleicht vertraut vor.

Sehr gefesselt gerade von Hystricidae, besonders von diesem Beitrag.

Gerne mag ich auch das Alterswerk, und natürlich die Guthausgeschichten bei Kittykoma.

Ein Gedanke zu „Bilder

  1. Darf ich mich im Traumdeuten versuchen? Ich finde, die Auflösung benennen Sie selbst schon: *Ich wohne hier, es ist meines.*
    … mit freundlichen Grüßen

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