Gurkfeld

Ich bin heute befördert worden. Also wahrscheinlich. Ich warte noch ein bisschen damit, neue Visitenkarten drucken zu lassen.

Das mit der Beförderung kam so: Anfang des Jahres habe ich meinem Chef vorgeschlagen, dass wir aus dem, was ich mache, und dem, was andere Leute anderswo machen… nein, ich fange nochmal an. Die Karten wurden neu gemischt, und ich habe gesagt: lass uns doch daraus eine neue Abteilung machen. Und ich mache Head of. Wahrscheinlich habe ich noch ein paar andere Sachen gesagt, Außenwirkung, Arbeitsenlastung für ihn, sowas, jedenfalls fand er das ganz gut. Vielleicht fiel auch so etwas wie ich sorge dann dafür, dass die Dinge reibungslos im Hintergrund ablaufen. Bereue ich mittlerweile leicht. Dann habe ich gesagt, dass ich dafür eine Gehaltserhöhung möchte, und habe einen unverschämt hohen Betrag genannt. Dann haben wir 45 Minuten gestritten, am Ende habe ich 60% davon bekommen. Ich war dann eine Weile unzufrieden, dann kam die Bonuszahlung und mir ist wieder eingefallen, dass ich insgesamt schon gut vergütet werde.

Als nächstes war ich in eine Sache verwickelt, an deren Ende eine Entscheidung gefällt wurde, die ich für notwendig hielt, die aber meinem Ansehen geschadet hat. Gerade als ich dachte, wir könnten das Thema Head of wieder aufnehmen, trat das ein, was Frau Novemberregen gerne aufgrundderaktuellenSituation nennt. Tausend Gedanken, aber keine an den Titel, sondern nur machen, machen, machen. Schwimmen, und nicht untergehen.

Jetzt schwimmen wir ganz gut, müssen wieder einiges an organisatorischen Kram machen. Und um diesen Kram zu machen, brauchte ich eine Entscheidung. Und habe meinem Chef gemailt: „sollen wir das machen, mit dem Head of für mich, oder möchtest du mit diesem Schritt noch etwas warten?“

Innerhalb weniger Minuten die Antwort: „wir sollten diesen Schritt unbedingt gehen.“

So eine Email ist eigentlich schöner als ein Titel.

Head of bei meinem Arbeitgeber ist ja so ein bisschen wie Ministerpräsidentin von Island. Wobei Island wahrscheinlich noch zu cool ist. Wenn mein Arbeitgeber ein Land wäre, dann vielleicht sowas wie Slowenien. Niemand weiß genau, wo Slowenien liegt. Aber sie sind ganz gut aus dem Jugoslawienkrieg herausgekommen. Unternehmertum innerhalb sozialistischer Strukturen, das würde meinen Arbeitgeber ganz gut beschreiben, aber wie der Postkommunismus in Slowenien so ist, weiß ich nicht genau. Head of zu sein, das ist ein bisschen wie Bürgermeisterin von Krško (Gurkfeld). Hat ein eigenes Atomkraftwerk!

Ein Gedanke zu „Gurkfeld

  1. Herzlichen Glückwunsch Frau Bürgermeisterin!
    Slowenien ist hübsch: ein bisschen Meer, ein bisschen Berge, ein paar Städte (ich kenne nur Maribor).
    Und das Atomkraftwerk ist doch bei Ihnen in besten Händen 🙂

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.