Ich interessiere mich grundsätzlich für die Welt, wie sie funktioniert und was sie zusammenhält, und wie wir Menschen wurden, was wir sind. Dinosaurier interessieren mich nicht so, Ammoniten dagegen sehr. Vor hundert Millionen Jahren war hier ein Meer.
Menschen sind in Europa erst seit kurzem zu Gast, etwa 40.000 Jahre. Wir wissen wenig über sie, auch deshalb, weil viele Materialien, zum Beispiel aus Pflanzenfasern, die Jahrtausende nicht überstanden haben. Wir haben auch erkannt, dass vieles, was wir zu glauben wussten, in Wirklichkeit nur eine Projektion unserer eigenen Kultur ist: dass Männer immer Jäger sind und Frauen stets Sammlerinnen, dass eine Person, die mit einem Schwert oder einer Axt bestattet wurde, nur ein Mann gewesen sein kann, oder: dass in diesen Gesellschaften nur das Überleben und Weitergeben der eigenen Gene wichtig war.
Wir wissen wenig über diese Menschen, aber die Spuren, die sie hinterlassen haben, beeindrucken mich sehr: ihre Umrisse von Händen an den Wänden von Felshöhlen, daneben filigrane Zeichnungen von Auerochsen und Mammuts. In Fels geritzte Füße, und daneben die eines Kindes. Die astronomische Genauigkeit von Stonehenge und Newgrange. Flöten, aus Knochen gearbeitet. Winzige Muscheln, durchbohrt und auf eine Kette aufgezogen, als Grabbeigabe eines Säuglings. Verheilte Wunden als Zeichen dafür, dass eine verletzte Person gesundgepflegt wurde. Tierfiguren aus Bernstein, die zehntausend Jahre später immer noch leuchten, und von jemand in einem Museum angeschaut wird, die sich denkt, dass die Menschen damals schon geliebt haben und getrauert, Dinge nur zum Spaß gemacht haben und verstehen wollten, mit ihren sehr begrenzten Mitteln, wie die Welt funktioniert und was sie zusammenhält.
Vielleicht sehe ich nur mich selbst. Wir wissen es nicht.

wie schön ist das.