Investment

(Impuls aus der 72. Blognacht)

Die Angst, bedeutungslos zu sein. Die Angst, dass nichts bleibt. Die Angst, dass die Würstchenhaftigkeit, die ich gelegentlich an anderen belächle, auch an mir haften könnte, ohne dass ich es merke.

Ich stelle mit meiner Arbeit nichts her. Ich bin ein kleines, unbedeutendes Rädchen in einer Maschine, die auf rätselhafte Weise Geld produziert, umgeben von anderen Maschinen, die das Gleiche tun, jede in ihrem eigenen Turm, in ihrem eigenen Silo. Dazwischen wuseln, wie Ameisen, junge Männer in weißen Hemden herum, und holen sich in ihrer Mittagspause einen Salat. Wenn es ein bisschen kühler wird, tragen sie ärmellose Steppwesten über ihren Hemden.

Was wir tun, ist nicht wichtig. Und doch steckt mein halbes Leben drin.

Warum machen Sie das eigentlich?

Ich war arm, und ich brauchte das Geld, und jetzt bin ich nicht mehr arm, und die Maschine läuft immer weiter und immer weiter.

Ich will ihr gar nicht die Schuld in die Schuhe schieben. Sie frustriert mich oft genug, oder besser: die Menschen darin, die nicht tun, was ich ihnen rate, die intrigieren und sticheln oder einfach gleichgültig sind. Dann wieder lasse ich mich verführen: ich werde hofiert, ich werde eingeladen, die Calls werden wichtiger, am Ende gibt es Applaus. Der CEO schreibt Fragmente needs to join in person, und es werden Flüge gebucht und Hotels und es schmeichelt mir, auch wenn ich weiß, dass ich näher und näher an das rücke, was ich belächle.

Nein, ich gebe nicht der Maschine die Schuld, ich weiß, ich habe es selbst gewählt, selbst entschieden. Es war nicht, wie so manch andere Dinge in meinem Leben, alternativlos.

Ich könnte meine Zeit, meine Kraft, meine Talente anderswo investieren. Vielleicht wäre das besser. Vielleicht wäre es dasselbe in grün. Was mir nicht verhandelbar scheint: einen Sinn werde ich nur in mir selbst finden, nicht im außen.

Die Angst, bedeutungslos zu sein. Ich darf sie ruhig auch mal spüren. Nichts bleibt. Ich werde gehen, leicht, federleicht, und meine Schritte hinterlassen keine Spur im Staub. Vorgestern fand ich das kaum zu ertragen. Heute finde ich es fast tröstlich. So wird es wohl bleiben, ein auf und ab, im Riesenrad.

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