4/30 – durchs Teleskop

Heute mal wieder den großen Fehler gemacht, einerseits ganz viel erledigen zu wollen und mir andererseits einen gemütlichen Tag zu wünschen. Das führt dann zu einem kleinen Kurzschluss in meinem Gehirn. Prokrastination und erhöhte Bildschirmzeit.

Beruflich wollte ich dieses Jahr drei Dinge erreichen: im Aufsichtsrat vortragen, eine Initiative zu einem Fachthema gründen, und einmal durchdenken, wie ich meine Abteilung aufstellen würde, wenn ich gänzlich frei von Zwängen wäre. Die Initiative hatte heute ihr Kick-off Meeting. Und bei allem jammern darüber, dass mich niemand mehr anleitet, mir niemand mehr Themen vorgibt: es ist schon ganz schön cool, die Themen selbst bestimmen zu können. Ich wollte das machen, und ich habs einfach gemacht. Knapp zwanzig Leute waren da heute im Call, einer hatte sich für seinen Vortrag extra ein weißes Hemd angezogen, es kamen gute Fragen und einmal auch eine blöde, die habe ich aber gleich unterbunden. „Deine Einleitung war zu lang“ hat der Kollege zu mir gesagt. Bei mir bleibt aber ein ziemlich beschwingtes Gefühl. Ich glaube, das wird gut.

Wenn die Disziplin ein Tier wäre, was wäre sie dann? Eine Katze, schlafend in der Ecke, weich, aber mit scharfen Krallen, schreckhaft und nie kommt sie, wenn man sie ruft? Oder ist sie wie ein Heizlüfter, der nicht mehr angeht, wenn er sich überhitzt hat? Oder eine dieser handwerklichen Geräte aus Vorkriegszeiten, eine Teigknetmaschine oder ein Weintrauben-Entsafter oder eine Häkelmaschine – absolut brilliant, wenn sie funktioniert, aber es gibt keine Ersatzteile mehr und nur noch zwei Rentner, die sie bedienen können?

Heute ist sie jedenfalls nicht hier.

Morgen trenne ich als allererstes meine Entscheidungsinstanz von der Exekutiven. Ich mache mir selbst einen Stundenplan, und arbeite den dann einfach stumpf runter. Das gefällt der Disziplin, meistens kommt sie dann von selbst, schaut ein bisschen zu und bekommt ein Leckerli.

Zwischen dem zweiten und dem dritten Absatz dieses Textes war ich auf dem Balkon und habe durch mein Teleskop den Vollmond angeschaut. Schön und rund war er, und ich habe die Krater und Mondmeere gesehen. Bin jetzt mit allem wieder milde versöhnt.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert