Müde.
In den ersten dreieinhalb Stunden im Büro heute sehr gerockt. Es galt, eine sensitive und risikoreiche Anfrage in einen gut dokumentierten, technisch soliden Prozess zu verwandeln. Ich hatte dazu gestern Abend, als die ersten Mails dazu wirr durcheinanderflogen, längere Zeit mit einem leicht blöden Gesichtsausdruck vor mich hingestarrt, weil ich so hart nachdenken musste. Ich fühle mich da immer an den ehemaligen Europachef von vor zwei Arbeitgeber zuvor erinnert, der ein wunderschönes Eckbüro in einem Büroturm im 38. Stock besass und den ich häufig aus dem Fenster stierend angetroffen habe. Damals kam mir das komisch vor, jetzt kann ich es verstehen.
Ich hab von ihm – und natürlich von SGM – gelernt, dass überstürzter Aktionismus nichts bringt, daher beschlossen, eine Nacht drüber zu schlafen, let’s discuss in a quick call tomorrow morning geschrieben, die Antwort des CEOs morgens kurz vor neun an der roten Ampel stehend wegignoriert und zu dem Call nur die drei Leute eingeladen, die wirklich produktiv mitwirken, und nicht die sechs anderen. Vor dem Call einen Plan entworfen, im Call den Plan besprochen, den Plan mit einigen Fachexperten weiterentwickelt, eine Entscheidung getroffen und jetzt rollt der Zug. Ich find mich gut in solchen Momenten, weil ich weiß, wer was weiß (und wer nicht), weil alle immer gerne mit mir sprechen, weil ich selbst ein grobes Verständnis von fast allem in diesem Unternehmen habe, und weil ich die Dinge einigermaßen auf den Punkt formulieren kann.
Ob es tatsächlich einen Unterschied macht? Wahrscheinlich würden die Dinge ohne mich auch einigermaßen laufen, vielleicht nicht so schnell und nicht so gut, aber man würde es irgendwie hingewurstelt bekommen. Die Welt ist voller Frühstücksdirektoren, es wäre gut, wenn ich es ein bisschen besser annehmen könnte, auch mal einer zu sein.
Ein Interview in der Süddeutschen mit einem Stuttgarter Arbeitsrechtler gelesen, der hauptsächlich Führungskräfte von Porsche, Mercedes, Bosch und Co. in Sachen Abfindung berät. Er hatte bei Mercedes zeitweilig Hausverbot. Ein eher unsympatischer Typ, mit klarem Blick auf das Marionettentheater eines Konzerns. Er erzählt von den aussortierten Top-Managern, die dann zuhause sitzen und „ihren Kindern auf den Geist gehen, weil die plötzlich an ihn reporten sollen.“. Sehr gelacht.
Zum Lunch Novemberregen getroffen, das ist immer schön, und diesmal auch ein bisschen traurig. Mir werden irgendwie die Augen feucht bei Papa N., auch wenn es Zeit war.
Auch ich bin endlich, und finde das eine Zumutung, eine Beleidigung gar. Meine große Sorge ist ja, dass ich, wenn die finale Klappe fällt, noch nicht fertig bin mit dem, was ich mir vorgenommen habe. The world is ending, as it always must, but the end is getting faster.
Ich wollte ursprünglich einen Blogbeitrag über meine To-do-Liste schreiben, lamentierend natürlich, war mir dann aber doch zu peinlich und wäre wahrscheinlich auch zu langweilig. Ich habe außerdem aus Versehen drei größere Items bereits halb gelöst: für das Auto (neue Bremsen), den Mobilfunkvertrag (soll auf meine Mutter übertragen werden), und meinen Weisheiszahn oben (muss wahrscheinlich auch raus) gibt es zeitnah Termine.
Eigentlich ganz schön, vorwiegend lösbare, eher triviale Probleme zu haben. Fast schon paradiesisch.