Das letzte Mal war ich in den Nullerjahren in Halle, also vor mehr als zwanzig Jahren. In Erinnerung geblieben ist mir vor allem, dass mitten durch Halle eine Autobahn führte, in Armeslänge von zerfallenen Häusern, bröckelnden Fassaden, gesprungenen Fensterscheiben. Unser Ziel war ein Jugendclub im Keller eines Plattenbau-Hochhauses, wo eine Cure-Party stattfand. Als ich die Treppe ins Dunkle hinunterkam, stand dort ein gerahmtes Bild von Robert Smith, umringt von zahllosen Teelichtern. „Alles nur ironisch“, meinte der Gastgeber, aber ich war lange genug katholisch, um zu verstehen.
Ich hörte dann auf, zu Fan-Treffen zu gehen. Ich hatte gehofft – und das ist mit Anfang zwanzig ein legitimer Wunsch – über The Cure meinen Tribe zu finden, my people. Aber so einfach war es leider nicht.
Heute habe ich mir die Himmelsscheibe von Nebra angeschaut, sehr beeindruckend. So gut wie alles in der Innenstadt scheint saniert zu sein, viele Gebäude sind sehr liebevoll restauriert. Am Samstagabend vibriert die Stadt, sie wirkt jung und lebendig und ein bisschen wie Leipzig, bevor Leipzig hip wurde.
Junge Menschen gehen heute Abend durch diese Stadt, und suchen ihren Tribe. Ich wünsche ihnen viel Glück dabei, ganz ohne Ironie.