Heute hat mir Novemberregen einen Tag geschenkt. Unsere Serie von Unternehmungen begann damit, dass sie mich mit dem Auto zuhause abgeholt hat. Es handelte sich dabei um eine Premiere: wir sind unzählige Male zusammen Auto gefahren, aber noch nie mit ihr am Steuer. Das liegt vor allem daran, dass ich sehr gerne Auto fahre, und sie überhaupt nicht. Dafür ist die die perfekte Beifahrerin!
Sie holte mich also ab, das war bereits ein Highlight. Dann gab es orientalischen Brunch in einem Café mit Blick auf einen See. Ich liebe orientalisches Essen, und ich liebe es, mich mit Frau N. zu unterhalten, über dies und das: unser jeweiliges Büro, ihren Urlaub, die Rente, unsere gemeinsamen Freundinnen, Blogger und ihre Hosen, die Endlichkeit des Lebens.
Als nächstes haben wir die Tochter von Frau N. in der Universitätsbibliothek besucht. Ich liebe Bibliotheken, und diese ist architektonisch sehr schön gestaltet (siehe Foto weiter unten). In der Bibliothek war es sehr still, ziemlich voll, und es waren ausschließlich sehr junge Menschen dort. Tochter N. bemängelte, als wir sie dann lokalisiert hatten, vor allem, dass die Bibliothek bereits um ein Uhr nachts schließt und nicht wie früher durchgängig geöffnet ist. Unhaltbare Zustände!
Meine erste Begegnung mit Tochter N. ist mir unvergesslich: sie saß in einem Konferenzraum unter einem sehr großen Konferenztisch und spielte mit My Little Pony. Es ist seitdem einiges an Zeit vergangen. Seit sie in die Schule geht, kommt es mir so vor, als ob sich stets eine Gruppe junger Menschen um Tochter N. herum bildet, genauer: eine Lerngruppe mit dem Ziel, sich den in der jeweiligen Institution gerade vermittelten Stoff anzueignen. Die Vibes sind immer positiv, wertschätzen, ja liebevoll, aber es herrscht auch eine ganz besondere Art von Disziplin. Die jetzige Lerngruppe durfte ich auch kurz kennenlernen. Alles sehr höfliche, gut gelaunte junge Leute. The kids are all right.
Als wir Tochter N. die nächste Etappe unseres Tages mitteilten – ein architektonisch interessantes Stadtviertel, denn ich liebe Architektur – sagte sie zu uns: der Weg führt leicht bergauf, also geht langsam! Wir sind ja schon im etwas fortgeschrittenen Alter. Der Weg war angenehm, aber ein bisschen zu heiß. Oben angekommen, setzen wir uns auf eine Bank und blickten auf die Stadt herab, und redeten, wie immer, so über dies und das.
Als nächstes hielt Frau N. eine kühle Pepsi Max für mich bereit (mein Lieblingsgetränk), anschließend gingen wir zu unser beider Lieblingsort: ins Schwimmbad. Das Außenbecken war mir ein bisschen zu voll und Frau N. zu sonnig. Das von Sonntag auf Montag einsetzende Ende des Sommers versetze Frau N. aber in hervorragende Stimmung und war mehrfach Thema. Wir wechselten dann ins Innenbecken, wo das Wasser wunderbar kühl war, und ich habe diverse Bahnen gezogen (Brustschwimmen, wobei es mir ein Anliegen ist, dass meine Haare nicht nass werden, was meinen Schwimmstil für immer negativ beeinflussen wird). Frau N. schwamm kraul und freute sich daran, wie gut das geht, und ich auch. Frau N. krault wirklich sehr schön und es ist eines meiner Privilegien im Leben, dass ich die Evolution ihres Kraulschwimmens mitverfolgen durfte.
Der letzte Punkt unseres Tages war ein Besuch bei McDonalds – traditionell machen wir das meistens nach dem Schwimmen. Frau N. teilte mir mit, dass ich die einzige Freundin bin, mit der sie zu McDonalds geht, das ist bei mir genauso. Der Tradition folgend aß ich Chicken Nuggets und ein Eis. Frau N. verzehrt gelegentlich einen Fischburger und berichtete, dass dies wohl das bevorzugte Menü-Item von Donald Trump sei. Heute jedoch nicht, es gab wettergemäß ebenfalls ein Eis. Während wir auf dem Parkplatz standen, vielen die ersten Tropfen des angekündigten Gewitters.
Ein perfekter Tag. To be loved is to be known.
