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	<title>Wurzeln &#8211; fragmente</title>
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		<title>(ohne Titel)</title>
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		<dc:creator><![CDATA[fragmente]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 06 Mar 2008 09:20:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Wurzeln]]></category>
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					<description><![CDATA[Alles l&#228;uft nach Plan. Ich fahre &#252;ber D&#252;sseldorf nach Mannheim, dann mit einem Bummelzug durch die Provinz und schlie&#223;lich mit meinem gef&#228;hrlich nerv&#246;sen Vater am Steuer &#252;ber die D&#246;rfer. Der Klinikkomplex liegt auf einer Anh&#246;he im Nirgendwo. Meine Mutter ist &#8230; <a href="https://fragmente.me/2008/03/ohne-titel-34/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Alles l&auml;uft nach Plan. Ich fahre &uuml;ber D&uuml;sseldorf nach Mannheim, dann mit einem Bummelzug durch die Provinz und schlie&szlig;lich mit meinem gef&auml;hrlich nerv&ouml;sen Vater am Steuer &uuml;ber die D&ouml;rfer. Der Klinikkomplex liegt auf einer Anh&ouml;he im Nirgendwo. Meine Mutter ist bla&szlig; und leicht gelbstichig, aber wach, ansprechbar, au&szlig;ergew&ouml;hnlich sanft und im Gro&szlig;en und Ganzen sie selbst. Ich strahle &uuml;bers ganze Gesicht. &#8222;Du siehst so gut aus!&#8220;, sagt sie. Ich habe mich bestm&ouml;glichst angezogen: schwarze Bluse, grau-gl&auml;nzende Hose mit feinen Nadelstreifen, Perlenohrringe, einen Ring, Lippenstift. Ich wollte seri&ouml;s aussehen, damit mich &Auml;rzte und Krankenschwestern ernst nehmen.</p>
<p>Wenn Blogger &uuml;ber ihre Kinder schreiben, dann schreiben sie oft deren Alter in Klammern dahinter: z.B. <i> Paul (9). </i> Wenn Blogger &uuml;ber ihre Eltern schreiben, nennen sie oft das Geburtsdatum.<br />
Zum Beispiel mein Vater (*1935). Mein Vater ist auf liebenswerte Weise exzentrisch. In letzter Zeit war ich ein wenig besorgt, weil seine Zerstreutheit zunahm: manchmal erz&auml;hlte er mir etwas, ohne es in einen Kontext einzuordnen, er begann Geschichten, ohne den Spannungsbogen zu beenden. Das ist besser geworden, und so konnten wir uns &uuml;ber viele Dinge austauschen. <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Quality_time">Quality time</a>.</p>
<p>Und so bin ich gl&uuml;cklich: weil es meinen beiden Eltern gut geht, weil der Abschied, den wir unausweichlich voneinander werden nehmen m&uuml;ssen, noch ein wenig hinausgeschoben wurde. Weil dieser Trip nach Schwaben so unverhofft leicht und unbeschwert war. Im Zug lasse ich die Landschaft an mir vorbeiziehen und schaue der Sonne beim Untergehen zu, Musik im Ohr. Alles ist gut.</p>
<p><img fetchpriority="high" decoding="async" title="" height="186" alt="bahn" width="450" src="https://fragmente.me/wp-content/uploads/bahn.jpg" /></p>
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		<title>cool blonde</title>
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		<dc:creator><![CDATA[fragmente]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 09 Nov 2005 08:15:16 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Wurzeln]]></category>
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					<description><![CDATA[Meine Schwester tr&#228;gt einen Trenchcoat, ganz die Reporterin. Sie bindet sich den G&#252;rtel enger um ihre Taille, die ich mit zwei H&#228;nden umfassen k&#246;nnte. Ingrid Bergmann, Lauren Bacall. Das Land ist trist und flach. Die Braunkohle lohnt nicht mehr und &#8230; <a href="https://fragmente.me/2005/11/cool-blonde/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Meine Schwester tr&auml;gt einen Trenchcoat, ganz die Reporterin. Sie bindet sich den G&uuml;rtel enger um ihre Taille, die ich mit zwei H&auml;nden umfassen k&ouml;nnte. Ingrid Bergmann, Lauren Bacall. Das Land ist trist und flach. Die Braunkohle lohnt nicht mehr und hat die Arbeiter arbeitslos gemacht. Wir fahren lange durch die dunklen D&ouml;rfer auf der Suche nach einer Gastst&auml;tte und finden endlich eine Pizzeria.<br />
Dann passieren seltsame Dinge. Ich erz&auml;hle, und meine Schwester h&ouml;rt mir zu. In meinem Gep&auml;ck der Satz <i>bitte keine Ratschl&auml;ge</i>, aber es kommen gar keine. Nur W&auml;rme, Verst&auml;ndnis, Unterst&uuml;tzung. Ich kotze mir das schwarze, klebrige Zeugs von der Seele; all meine beruflichen Sorgen, &uuml;ber die ich noch nichtmal hier schreiben kann. <br />
Meine Schwester, m&uuml;de, ausgebrannt, nickt wissend mit dem Kopf. She&#8217;s been there, too. So unterschiedlich sind wir gar nicht. Was ich jedoch in ihren Nebens&auml;tzen sp&uuml;re, in ihrem Blick auf die Welt, das ist ihr Temperament, weitaus lodernder als meines, das ihr manchmal, einem wilden Pferde gleich, durchgeht. (Ich bin eher ein Esel.)<br />
Nach unserem Gespr&auml;ch f&uuml;hle ich mich erleichtert wie schon lange nicht mehr. In der Nacht zuvor hatte ich getr&auml;umt, mein Vater sei gestorben und sein Sarg sei hochkant ins Grab hinuntergelassen worden. Ich stand entsetzt &amp; heulend davor und protestierte, da&szlig; das so nicht richtig sei. <br />
Wenn wir uns bem&uuml;hen, meine Schwester und ich, dann werden wir einander haben, auch wenn unsere Eltern nicht mehr da sind.</p>
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		<title>Meine Mutter sagt.</title>
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		<dc:creator><![CDATA[fragmente]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 23 Sep 2005 02:44:54 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Wurzeln]]></category>
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					<description><![CDATA[Meine Mutter sagt, meine Schwester h&#228;tte gerne mehr Kontakt mit mir. Sie, die Schwester, wisse aber, da&#223; das nicht leicht sei, &#8222;wegen den Dingen, die in der Vergangenheit vorgefallen sind&#8220;. &#8222;Sie gibt mir Ratschl&#228;ge&#8220;, erz&#228;hle ich meiner Mutter, und damit &#8230; <a href="https://fragmente.me/2005/09/meine-mutter-sagt/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Meine Mutter sagt, meine Schwester h&auml;tte gerne mehr Kontakt mit mir. Sie, die Schwester, wisse aber, da&szlig; das nicht leicht sei, <i>&#8222;wegen den Dingen, die in der Vergangenheit vorgefallen sind&#8220;. </i><br />
&#8222;Sie gibt mir Ratschl&auml;ge&#8220;, erz&auml;hle ich meiner Mutter, und damit erz&auml;hle ich ihr nichts neues. Ich mu&szlig; auch nicht ausf&uuml;hren, da&szlig; mich zus&auml;tzlich zu meiner Grundabneigung gegen Ratschl&auml;ge im Allgemeinen im Falle  meiner Schwester auch noch besonders st&ouml;rt, da&szlig; sie, die Schwester, fast nichts von mir wei&szlig;, sich aber trotzdem anma&szlig;t, mir Ratschl&auml;ge zu geben. Ganz abgesehen davon, da&szlig; das Leben meiner Schwester nicht gerade musterg&uuml;ltig verlaufen ist. (Ich gebe ihr &uuml;brigens keine Ratschl&auml;ge). Manchmal m&ouml;chte ich meiner Schwester gerne etwas erz&auml;hlen, einfach narrativ etwas wiedergeben, h&ouml;r mir doch einfach mal zu, dann lernst du mich vielleicht <a href="http://fragmente.twoday.net/stories/610005/">kennen</a>. Ungef&auml;hr bei Satz 3 haut sie dann einen Ratschlag raus und ich sch&auml;ume sofort vor Wut. <br />
&#8222;Ich wei&szlig;&#8220;, sagt meine Mutter, die ihrerseits die gro&szlig;e Kunst besitzt, Ratschl&auml;ge in Seide einzupacken, mit Bonbonmasse zu umh&uuml;llen, und die Geduld, zu warten, bis man sie darum bittet. &#8222;Ich wei&szlig;&#8220;, sagt sie, &#8222;ich stand daneben und habe gesehen, wie sie dir Ratschl&auml;ge gibt, wie sie es macht, wie sie dich dadurch klein macht, und ich, also ich w&uuml;rde mich auch aufregen.&#8220; Mir wird warm ums Herz, als ich das h&ouml;re, ich f&uuml;hle mich verstanden. <br />
&#8222;Wei&szlig;t du&#8220;, sagt meine Mutter, &#8222;ich glaube aber, sie meint das gar nicht so. Sie will dir helfen, dich besch&uuml;tzen, und in ihrem &Uuml;bereifer merkt sie nicht, da&szlig; dies der falsche Weg ist. Hast du ihr denn schon mal gesagt, wie sehr es dich st&ouml;rt?&#8220;</p>
<p>Ich denke nach, und kann mich nicht erinnern. Doch so wie ich mich kenne&#8230;  oder doch nicht? Egal. Beim n&auml;chsten Mal sag ich es ihr. Freundlich, ohne Streit. Es r&uuml;hrt mich n&auml;mlich, es ber&uuml;hrt mich, es verwundert mich, da&szlig; sie, meine Schwester, mir nah sein will. Und es freut mich.</p>
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		<title>(ohne Titel)</title>
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		<dc:creator><![CDATA[fragmente]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 21 Sep 2005 06:55:41 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Wurzeln]]></category>
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					<description><![CDATA[Meine Mutter schneidet mir die Haare. Sie findet meine Frisur doof, &#8222;du siehst aus wie siebzehn&#8220;, sagt sie. &#8222;Was ist daran schlimm?&#8220;, frage ich, und erkl&#228;re, da&#223; es sich um eine Nicht-Frisur handelt, ein Statement, die Haare lang und glatt, &#8230; <a href="https://fragmente.me/2005/09/ohne-titel-69/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Meine Mutter schneidet mir die Haare. Sie findet meine Frisur doof, &#8222;du siehst aus wie siebzehn&#8220;, sagt sie. &#8222;Was ist daran schlimm?&#8220;, frage ich, und erkl&auml;re, da&szlig; es sich um eine Nicht-Frisur handelt, ein Statement, die Haare lang und glatt, erw&auml;hne, da&szlig; ich hin und wieder daf&uuml;r Komplimente bekomme. Meine Mutter zieht die Augenbraue hoch.<br />
Wir einigen uns, da&szlig; wenigstens die ausgefransten Spitzen zu einer geraden Kante geschnitten werden k&ouml;nnten. Mit einer Papierschere steht sie hinter meinem R&uuml;cken im Bad; wir besprechen, wieviel sie abschneiden soll. Dann gibt es kein Zur&uuml;ck, und ich habe <a href="http://fragmente.twoday.net/stories/516250/">Angst</a>, Angst, wie beim Zahnarzt oder vor einer Operation und finde mich selbst ein wenig doof. <br />
Zehn Sekunden sp&auml;ter ist meine Mutter fertig. Es ist wundersch&ouml;n geworden, ganz gerade und ordentlich, nicht zu viel, nicht zu wenig. </p>
<p>Das Verh&auml;ltnis zu meinen Eltern ist sehr viel <a href="http://fragmente.twoday.net/stories/422820/">besser</a> geworden. Wir alle haben hart daran gearbeitet. <br />
Als sie wieder fahren, bleibe ich dennoch mit einem komisches Gef&uuml;hl zur&uuml;ck: als w&auml;re ich noch nicht erwachsen genug.<br />
Das also ist meine Aufgabe.</p>
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		<title>Wurzeln (3)</title>
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		<dc:creator><![CDATA[fragmente]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 15 Apr 2005 01:58:07 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Wurzeln]]></category>
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					<description><![CDATA[Er liegt im Krankenhaus, die ganze Woche schon. Eine geplante Operation. Keine schwere, aber auch keine Kleinigkeit; Routine, aber nicht ohne Riskien. Sechshundert Kilometer zwischen uns; mir bleibt nur seine Stimme &#252;bers Telefon, ganz rauh vom Tubus, aber er ist &#8230; <a href="https://fragmente.me/2005/04/wurzeln-3/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Er liegt im Krankenhaus, die ganze Woche schon. Eine geplante Operation. Keine schwere, aber auch keine Kleinigkeit; Routine, aber nicht ohne Riskien. Sechshundert Kilometer zwischen uns; mir bleibt nur seine Stimme &uuml;bers Telefon, ganz rauh vom Tubus, aber er ist guten Mutes, guter Dinge. Ich bin extra nicht zu ihm gefahren, aus einer komplizierten Logik heraus: man f&auml;hrt nur zu seinem Vater, wenn es ein lebensbedrohlicher Eingriff ist, wenn man schwei&szlig;gebadet im Warteraum sitzt und auf Nachricht wartet, wenn man noch einmal Abschied nehmen will. Ich aber bleibe in Berlin und gehe meinen Angelegenheiten nach wie an allen anderen Tagen auch, also wird ihm nichts passieren.<br />
Ich hatte Angst um ihn.</p>
<p>Und bin doch unabh&auml;ngig genug, um nicht zu ihm fahren zu m&uuml;ssen, um nicht eine gute Tochter sein zu m&uuml;ssen, um auf einer gewissen Distanz bleiben zu k&ouml;nnen. In diesem Raum, den diese Unabh&auml;ngigkeit geschaffen hat, bleibt genug Platz, genug Zeit, ein Gef&uuml;hl sp&uuml;ren zu d&uuml;rfen. Das Gef&uuml;hl, da&szlig; ich jetzt nirgendwo lieber w&auml;re, als bei ihm. So suche ich eine Stunde lang auf der Seite der Deutschen Bahn nach einer bezahlbaren Verbindung, drucke mir ein Online-Ticket aus und werde morgen sieben Stunden im Zug sitzen. Ihn besuchen. Am Sonntag wieder zur&uuml;ck. Es gibt nichts, was ich lieber tun w&uuml;rde an diesem Wochenende.</p>
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		<title>Wurzeln (2)</title>
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		<dc:creator><![CDATA[fragmente]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 05 Apr 2005 00:15:39 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Wurzeln]]></category>
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					<description><![CDATA[Meine Schwester fasst mir ins Gesicht, streicht mir &#252;ber die Wange, einfach so, als h&#228;tte es nie Streit gegeben, als h&#228;tte sie nicht die Grundfesten unserer Familie ersch&#252;ttert mit ihrer Tobsucht, Unvernunft, Bockigkeit, als w&#228;ren wir uns nah, als w&#252;&#223;te &#8230; <a href="https://fragmente.me/2005/04/wurzeln-2/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Meine Schwester fasst mir ins Gesicht, streicht mir &uuml;ber die Wange, einfach so, als h&auml;tte es nie Streit gegeben, als h&auml;tte sie nicht die Grundfesten unserer Familie ersch&uuml;ttert mit ihrer Tobsucht, Unvernunft, Bockigkeit, als w&auml;ren wir uns nah, als w&uuml;&szlig;te sie, wer ich bin, als h&auml;tte ich nicht die gute Tocher sein m&uuml;ssen, weil sie die schlechte war, als h&auml;tte ich mich nicht auf die Seite meiner Eltern stellen und dar&uuml;ber vergessen m&uuml;ssen, wo denn eigentlich meine eigene Seite ist. Schwester, Schwester. Du bist mir so fremd, fremder als eine Zufallsbekanntschaft, ich verstehe &uuml;berhaupt nicht, wie du tickst, f&uuml;hlst, funktionierst, denkst. Gerade eben habe ich Dias gefunden, ein kleines Viereck gegen das Licht gehalten, darauf du, vielleicht zehn, und ich, vielleicht drei, auf deinem Scho&szlig; sitzend, und du lachst und umarmst mich und h&auml;ltst mich ganz fest. Du liebst mich. Du kennst mich nicht. Ich verstehe nicht, wie das zusammengeht, ich verstehe ja so viel an dir nicht, aber ich lerne gerade, es zu akzeptieren, wie es ist.</p>
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		<title>Wurzeln (1)</title>
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		<dc:creator><![CDATA[fragmente]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 30 Mar 2005 00:40:17 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Wurzeln]]></category>
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					<description><![CDATA[Wir nennen es &#8220;das Hungerloch&#8221;. Der Hang, den der Bach geschaffen hat, ist an dieser Stelle besonders steil und vermutlich nach Norden ausgerichtet, jedenfalls f&#228;llt kaum Sonne auf die Streuobstwiesen. Als ich 6 war oder 8 oder 12, hat mir &#8230; <a href="https://fragmente.me/2005/03/wurzeln-1/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Wir nennen es &#8220;das Hungerloch&#8221;.  Der Hang, den der Bach geschaffen hat, ist an dieser Stelle besonders steil und vermutlich nach Norden ausgerichtet, jedenfalls f&auml;llt kaum Sonne auf die Streuobstwiesen. <br />
Als ich 6 war oder 8 oder 12, hat mir mein Vater auf meine Frage erkl&auml;rt, der Name k&auml;me daher, weil fr&uuml;her die Leute von diesen Wiesen kaum haben leben k&ouml;nnen, immer Hunger hatten. Heute erz&auml;hlt mir Google, das &#8222;Hunger&#8220; in Ortsnamen f&uuml;r &#8222;unwirtlich, unfruchtbar&#8220; steht. Beide Erkl&auml;rungen f&uuml;hren zur gleichen Erkenntnis: es ist ein  schlechter Ort, und ein ganz besonders schlechter Ort f&uuml;r ein Wochenendh&auml;uschen, aber ausgerechnet hier steht eines.  Dann hat dort auch noch vor Jahren jemand Tannen gepflanzt, die jetzt meterhoch wuchern und dunklen Schatten werfen. Mein Vater schiebt munter das rotwei&szlig;e Absperrband zur Seite, ich erwarte, da&szlig; &#8222;Polizei&#8220; aufgedruckt ist, aber es tr&auml;gt nur den Namen einer Baufirma. In Schwaben ist man eben sparsam, wahrscheinlich braucht man auch nur selten so ein Absperrband. Am Gartent&ouml;rchen ist ein Zettel in DinA4 in einer Klasichth&uuml;lle mit einer Paketschnur befestigt: &#8222;Betreten der Brandstelle verboten &#8211; Gemeinde xxxdorf&#8220;. Vom Gartenh&auml;uschen stehen nur noch verkohlte Reste. Auf den mit Gr&uuml;nspan &uuml;berzogenen Steinplatten liegt eine vertrocknete Rose neben zwei verbrauchten Grablichtern. Als wir Grufites waren, fanden wir diese Grablichter sehr cool, in keiner der einschl&auml;gigen Kneipen und Clubs durften sie als Tischbeleuchtung fehlen. Neben der vertrockneten Rose steht ein vom Feuer deformierter Bierkasten, die Flaschen zerborsten. Ich stelle mir die Flammen vor, die enorme Hitze, die das Bier zum Kochen bringt, bis das Glas bricht.<br />
In meiner Erinnerung stand das H&auml;uschen so gut wie immer leer. Man sieht es der Wiese an, da&szlig; hier lange nicht gem&auml;ht wurde, den B&auml;umen, da&szlig; sie lange nicht ausgeschnitten wurden. Aber ein kleines Beet hat er k&uuml;rzlich freigemacht. Der Mann hat das Grundst&uuml;ck vor ein paar Wochen gekauft, erz&auml;hlt mein Vater. Am Wochenende war ein Fest in der Sporthalle, ich denke an Biertische und eine jener uns&auml;glichen Coverbands.  Endlich k&ouml;nnen sowohl der Mann als auch seine Freundin so viel trinken, wie sie m&ouml;gen, sie haben ja jetzt das Wochenendh&auml;uschen, m&uuml;ssen nicht mehr mit dem Auto &uuml;ber die Landstra&szlig;e kurven. Sie bleiben bis zum Ende des Festes, &uuml;bernachten im Wochenendh&auml;uschen, es ist kalt, es ist erst M&auml;rz. Der Mann z&uuml;ndet einen Gasofen an, es kommt zur Explosion. Die Freundin kann sich retten, der  Mann verbrennt. Die freiwillige Feuerwehr xxxdorf bleibt im Feldweg stecken. Als ich drei war, brannte der Bauernhof neben unserem Haus nieder. Gewitter, Blitzschlag, Hochsommer. Der Bach, der das Tal gemacht hat, f&uuml;hrte kaum Wasser; die Freiwillige Feuerwehr xxxdorf mu&szlig;te erst ins Nachbardorf fahren, um L&ouml;schwasser tanken zu k&ouml;nnen. <br />
Mein Vater und ich verlassen das Grundst&uuml;ck, kehren wieder auf den Weg zur&uuml;ck, gehen weiter. F&uuml;r einen Moment werden all die Male, die ich diesen Feldweg gegangen bin, sichtbar, &uuml;berlagern sich &#8211; als Kind, als Jugendliche, als Erwachsene, mein Vater in seinen Vierzigern, F&uuml;nfzigern, Sechzigern. Siebzig, jetzt, heute. Da ist keine R&uuml;hrseligkeit von wegen &#8222;und irgendwann ist er dann nicht mehr da&#8220;. Wir gehen einfach den Weg.</p>
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		<title>Besuch bei den Eltern: 2. Gedanke</title>
		<link>https://fragmente.me/2004/04/besuch-bei-den-eltern-2-gedanke/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[fragmente]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 19 Apr 2004 03:11:04 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Wurzeln]]></category>
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					<description><![CDATA[wieso ist meine Schwester Gast im Hause meiner Eltern ich aber Tochter des Hauses? Und wer soll jetzt wen beneiden?]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>wieso ist meine Schwester<br />
Gast im Hause meiner Eltern</p>
<p>ich aber<br />
Tochter des Hauses?</p>
<p>Und wer soll jetzt wen beneiden?</p>
]]></content:encoded>
					
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		<title>Besuch bei den Eltern: 1. Gedanke</title>
		<link>https://fragmente.me/2004/04/besuch-bei-den-eltern-1-gedanke/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[fragmente]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 16 Apr 2004 07:36:30 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Wurzeln]]></category>
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					<description><![CDATA[ich f&#252;rchtete mich vor ihren kritischen Stimmen doch die einzigen kritischen Stimmen waren die in meinem Inneren.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>ich f&uuml;rchtete mich vor ihren kritischen Stimmen</p>
<p>doch die einzigen kritischen Stimmen<br />
waren die in meinem Inneren.</p>
]]></content:encoded>
					
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