Ich schnitt mir die Haare ab

Ich schnitt mir die Haare ab, direkt unter dem Zopfgummi des Pferdeschwanzes, mit einem Messer. Ein halber Meter hennarotes, seidiges Haar in meiner linken Hand, wie ein totes Tier, kein Teil mehr von mir. Ich stehe im Badezimmer meiner Eltern und sehe mich mit kurzen, schwarz gefärbten Haaren im Spiegel, die Frisur, die ich mit vierzehn oder fünfzehn hatte, auch mein Körper ist wieder so.
Mir wird klar, was ich getan habe. Ich bin entsetzt, bekomme Angst, der Traum wandelt sich zu einem Alptraum, ich spüre, wie ich mich im Bett verkrampfe, zittere. Wie könnte ich nur, und jetzt läßt es sich nicht mehr rückgängig machen.

Ein leichtes Aufwachen, ein Bewußtwerden, dies hier ist nur ein Traum, dann geht es weiter. Ich bin zu einem Fest einer Freundin meines Chefs eingeladen. Die Freundin hat zwei Söhne, der ältere ist sehr cool, es gibt kein anderes Wort dafür. Wie der Kerl aus der Jeans-Werbung. Er fragt mich, wie es mir geht, und ich sage, ach, schon viel besser als damals, als ich mein Diplom gemacht habe. (Anscheinend haben wir uns bereits vorher getroffen, im Traum in dieser oder einer anderen Nacht.) Jetzt habe ich endlich mal Zeit für mich, erzähle ich ihm, nach der Arbeit, dem Haushaltskram, der Zeit mit Freunden bleiben mir tatsächlich zwei oder drei Stunden nur für mich. Und er sagt: „vielleicht solltest du dir eine Auszeit nehmen, sechs Wochen oder so. Damit du dich um dein gebrochenes Herz kümmern kannst.“ Und ich denke, ich habe also ein gebrochenes Herz? Es klang übrigens gar nicht kitschig, als er es sagte, nicht so, wie jetzt in Buchstaben.
Mein Chef zieht die Augebrauen hoch und guckt skeptisch. Sechs Wochen frei? In einem anderen Leben vielleicht.

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