weiß

In konzentrischen Kreisen breitet sich das Weiß aus; in seiner Mitte meine Hand zwischen meinen Schenkeln. Das Weiß, die Stille, die Ruhe fließt über den Dielenboden, durch die Wand, über Pflastersteine hinweg bis zur Warschauer Straße, bis zum Ostkreuz, bis zur Frankfurter Allee und darüber hinaus. Am Anfang ist es Arbeit, diesen Zustand aufrecht zu erhalten. Die Gedanken, die kleinen Ärgernisse lecken am Rand der weißen Fläche und müssen zurückgedrängt werden: falsch gebuchte Bahntickets, falsch gebuchte Konzertkarten, Schuhe mit Löchern in den Sohlen und immer wieder Geld, Geld. Kleine Ungerechtigkeiten im Arbeitsalltag, mißmutig genehmigte Urlaubsanträge, falsche Ratschläge, bevorzugte Kollegen.

Dann bin ich nur noch Körper, Gefühl, gereizte Nervenenden. Frei von Gedanken. Schwerelos.

Noch bevor mein Atem wieder ruhiger geht, sehe ich, wie meine kleinen Probleme zu mir zurückschwappen. Ich sehe auch, wie klein sie sind, nichtig eigentlich. Viel lieber möchte ich das kleine Glück genießen: ein Mensch, der sich mir wieder zuwendet, eine berufliche Aufgabe, deren Lösung sich abzeichnet. Das ist es doch, was Beachtung verdient.

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