fünf

Fünf Jahre Weblog. Weblog kommt von Logbuch, so wie bei einem Schiff oder meinetwegen der Enterprise, wo der Kapitän die Erlebnisse und Ereignisse der Reise dokumentiert. So ähnlich hatte ich mir das auch vorgestellt – als Dokumentation meines Veränderungsprozesses. Vielleicht betrachte ich das in weiteren fünf oder zehn Jahren wieder anders, aber hier und heute kommt es mir nicht so vor, als wäre mir Veränderung gelungen. Worin ich aber besser bin, das ist das Annehmen meiner Fehler und Unvollkommenheiten und vor allem die Erkenntnis, wie schwierig Veränderung überhaupt ist. Manchmal denke ich, das könnte ein Generationending sein. Menschen meines Alters kriegen oft gesagt, sie könnten alles erreichen, alles werden, ihnen stünden alle Möglichkeiten offen – im Gegensatz zur Elterngeneration, die begrenzt war durch Geschlecht und Anstand, Moral, Armut, Herkunft. Wir müssen erst lernen, so meine These, daß auch uns Grenzen gesetzt sind, unsichtbare, unbenennbare. Trägheit? Ich jedenfalls stehe mir gelegentlich selbst im Weg.

Eine Reise nach Nirgendwo ist es, von der ich mir da Notizen mache. Am meisten betrübt mich die Redundanz: alles, alles habe ich schon einmal erzählt, wahrscheinlich auch das, und wenn ich etwas neues erlebe, empfinde, dann zeigt mir ein Blick ins Archiv oft: es gibt nichts neues unter der Sonne. Ich glaube, die Geschichten hier werden nach und nach ausdünnen, immer weniger werden, sich asymptotisch Null annähern, während ich auf die Pointe warte.
Weil es so wenige sind, will ich aus jeder ein Juwel machen, und ringe nächtelang um Halbsätze. Dabei ist alles ein Entwurf, sogar dieses Leben, und ich kann es editieren, ich kann es löschen. Was wohl bleibt, am Ende?

Die kleinen Dinge vielleicht, jetzt, wo klar ist, der große Wurf wirds nicht mehr. Gute Musik, gutes Essen, kluge Bücher, noch klügere Freunde. Die Haptik von Dingen, die Freude an Materiellem und hin und wieder einen schönen Mann anschmachten. Angenehme Jahreszeiten und ein Körper, der funktioniert, solange es noch geht.
Das soll reichen.

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