2/30 – Girlbossed too close to the sun

Irgendwann hatte ich das letzte Mal Sommerferien, sechs Wochen am Stück, und habe es gar nicht so richtig gemerkt, als es vorbei war – also, dass es nicht mehr wiederkommt. Nach der Schule habe ich studiert und hatte Semesterferien, 3 Monate sogar, aber da war dann immer irgendwas: Nachprüfung oder Blockpraktikum oder Geld verdienen bei Schlecker an der Kasse oder kein Geld haben und nichts unternehmen können. Dann kam die Doktorarbeit, auf einmal habe ich sechs Tage die Woche gearbeitet und dann immer und dann hatte ich ein Burnout, einen Doktortitel und war arbeitslos, und die Welt war so klein und eng wie niemals zuvor und niemals danach. Zum Glück.

Vor fünfzehn Jahren habe ich angefangen zu arbeiten, also außerhalb der akademischen Welt, in einem Angestelltenverhältnis, und ich habe seither nicht mehr aufgehört. Erst hatte ich 26, dann 28 und mittlerweile 30 Tagen Jahresurlaub. Aber mehr als drei Wochen am Stück hatte ich nie frei.

Es fehlt mir. Diese langen, staubigen, heißen Tage. Pläne immer nur bis übermorgen. Ein Badeanzug, irgendwas drüber, Sandalen und seit Wochen keine Socken. Schwimmbadpommes und Cornetto-Eis und Gummitiere. Mit dem Fahrrad unterwegs. Grillenzirpen und Rasensprenger.

E war so nie, außer in meiner Erinnerung. Trotzdem.

Und jetzt? Girlbossed too close to the sun. Mehr als drei Wochen am Stück sind nicht drin, dann muss zwingend der Rechner hochgefahren werden. Aufs Handy kann ich immerhin ein paar Tage nicht schauen. Wahrscheinlich ist es auch eine Willensfrage: loslassen wollen und können. In meinen Träumen werde ich am 31. März betriebsbedingt mit dicker Abfindung gekündigt, drei Monate freigestellt bis zum 30. Juni, finde im April einen neuen Job zum 1. Oktober und bin von Mai bis September auf Sardinien in einem schönen Ferienhaus mit Pool und Blick aufs Meer. Tomaten züchten, auf den Markt gehen, lesen, schwimmen, spazieren gehen. Dem Rasensprenger zuhören und den Grillen. In die Sterne schauen, Venus, Mond und Milchstraße.

Es wird nicht passieren, aus guten und aus weniger guten Gründen. Ich bleibe eingeschnürt. An Tagen wie heute, wo mir vieles Freude gemacht hat und ich zumindest einiges auch bewegen konnte, ist das auch sehr okay so. Aber irgendwie schon absurd, dass wir es kollektiv so hinnehmen. Dass dies unser Leben ist. Dass es so weitergeht, bis ich in Rente gehe, in zwanzig oder vielleicht auch nur fünfzehn oder bestenfalls zehn Jahren. In der Hoffnung, dass sie bis dahin nicht abgebrannt ist, diese Welt.

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