15/30 – ohne Titel

In den letzten Tagen immer mal wieder meinen Vater vermisst, obwohl er jetzt seit mehr als zehn Jahren tot ist. An diese Geschichte (zweihundert Kilometer) gedacht und wie er mich da angeblinzelt hast. „Da bist du ja schon!“.

Es ist eine Illusion zu denken, man wäre jemals fertig mit der Trauer. Sie kommt in Wellen und verliert zum Glück irgendwann die scharfen Kanten.

Ich fand die Odyssee immer ein wenig langweilig, so als Mythos, Epos und Erzählung. Nur die Geschichte von Penelope, die tagsüber webt und abends das gewebte auftrennt, die fasziniert mir. Ich dachte früher, die Trauer wäre wie ein Stück Strickware, und wenn es lang genug geworden ist, dann kettelt man es ab, und ist fertig damit. Dabei ist sie ein Faden in dem Stoff, aus dem wir selbst gewebt sind.

Ich meine das gar nicht positiv oder negativ, auch nicht belehrend oder melodramatisch. Wenn man jemanden liebt, und geliebt wurde, dann schneidet man den Faden niemals ab.

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