My möchte gerne wissen, welche Reisepläne ich noch habe. Ich fürchte, das könnte ein langweiliger Text werden, zumindest überkommt mich bei diesem Thema ein gewisser Widerwille. Das liegt nicht am Reisen – ich fahre natürlich sehr gerne in den Urlaub – sondern daran, dass Urlaub so ein Standard-Gesprächsthema bei Business-Dinnern mit Menschen ist, mit denen man sich sonst nichts zu sagen hat. Wo war man schon, wo will man nie wieder hin (Ägypten!), was ist das nächste Ziel. Welche Luxus-Hotelkette wird bevorzugt, welches Weingut in Südafrika ist zu empfehlen, und wann ist das beste Wetter für die Amalfi-Küste.
Ich bin ja mehr so der arktische Typ und war schon in Norwegen, Schweden, auf Spitzbergen, in Kanada und in der Antarktis (Pinguine). Tromsø halte ich für eine der schönsten Städte der ganzen Welt. Skandinavisch geprägt, aber mit einem Hauch von Science Fiction. Out of this world.
Als junge Frau hatte ich einmal den Traum, die Welt zu umrunden, und zwar immer dem nördlichen Polarkreis entlang. Ich würde in Tromsø anfangen, von dort weiter nach Island und Grönland, Kanada und Alaska und dann die unendlichen Weiten von Russland. Oblast Archangelsk. Damals war es einfacher, durch Russland zu reisen, als heute, zumindest nehme ich das an.
Als ich jung war, hatte ich das Geld nicht, und jetzt habe ich die Zeit nicht.
Und sonst? Ich war noch niemals in New York – weiß aber nicht, ob ich da wirklich hin will. Vielleicht wegen der Museen – Met, MoMA, Guggenheim – oder wegen des Pastrami auf Roggenbrot. Ganz sicher möchte ich einmal nach Florida und mit dem Auto über die Brücken zwischen den Florida Keys fahren, Key Lime Pie essen und Alligatoren in den Everglades bestaunen. Vor ein paar Jahren war ich im Oman, da möchte ich auch mal wieder hin: Wüste, Meer, Wahdis, Datteln und und heißer, starker Kaffee. Den Regenwald möchte ich auch einmal so richtig intensiv erleben, zum Beispiel in Java und in Sumatra.
Ich finde es aber auch ganz in der Nähe sehr schön. Südengland tut mir immer gut, und auch Deutschland wird unterschätzt. Ich stelle mir vor, eine Ferienwohnung anzumieten, Berlin oder London, oder eine Stadt in einer B-Lage: Hastings oder Münster. Ich würde dort für ein paar Wochen sein, vielleicht belege ich einen Weiterbildungskurs und lebe ansonsten einen Alltag ohne Erwerbsarbeit: in die Bibliothek gehen, die Parks durchstreifen, in Cafes sitzen. Ein Traum wäre das. Könnte ich auch in Tromsø machen.
Ich muss übrigens dringend meine Bilder sortieren und anständig archivieren. Das Bild von Tromsø musste ich aus einem Archiv von einer externen Festplatte ziehen. Ein paar Minuten musste ich befürchten, es sei alles gelöscht – und nur noch in meinem Herzen.
