Ich begebe mich manchmal in meinem Kopf an einen bestimmten Ort, um meine Stimmung zu verändern. Ich rufe zum Beispiel ein bestimmtes Bild auf, wenn ich mir selbst und anderen vermitteln möchte, dass ich standhaft bleiben werde, unverrückbar.
Weitaus öfter begebe ich mich in die Alpen. Ich mag die Alpen eigentlich gar nicht so sehr, oder sagen wir: sie haben wenig mit mir und meiner Autobiografie zu tun. Wahrscheinlich funktioniert es deshalb so gut: ein Ort, der nicht von anderem überlagert wird. Jedenfalls: am Berg führt ein Weg entlang, dann kommt eine Holzbank. Ich setze mich drauf und lasse den Blick über das Tal schweben. Es ist Frühling oder Frühsommer, alles knallig grün, der Himmel blau mit Schäfchenwolken, wie bei Heidi. In der Ferne höre ich die Kuhglocken leise bimmeln – anstatt dem Geschrei der Leute.
Ein guter Ort, um sich nicht aufzuregen, um sich rauszuhalten, um ruhig zu werden.
Ich habe lange gebraucht, um etwas zu finden, das mich zum Lachen bringt. Die Welt ist voll von schlechten Witzen. Sexistische Witze, rassistische Witze, platte Witze, und Witze, die eigentlich zum Weinen traurig sind.
Es begab sich aber, dass ich mit meiner Freundin Sarah auf den Weihnachtsmarkt ging. Ich arbeitete in einem schlimmen, freudlosen Job und hatte mir einen Tag frei genommen, Sarah war gerade in Elternzeit und hatte ihr bezauberndes Kind im Kinderwagen dabei. Wir trafen uns an einem Wochentag am späten Vormittag, der Weihnachtsmarkt war belebt, aber alles noch sehr unaufgeregt. Neben uns stand eine Frau am Würstchenstand, so eine etwas herbe Hessin mittleren Alters, an der Leine einen drahtigen und leicht struppigen, terrierähnlichen Hund. Der Hund war aufgrund der Wurstsituation bereits leicht in Ekstase, und die Frau sagte streng, aber bereits leicht ermüdet zu ihm: „du musst jetzt nicht den Staubsauger vom Weihnachtsmarkt machen!“.
Ich weiss nicht warum, aber diese Erinnerung funktioniert bei mir wirklich immer, und ich muss lachen.