26/30 – Draco called her. Often.

Manacled war nicht mein erstes Fanfic. Es war aber ein Fanfic, ein Buch, eine Erzählung, ein Erlebnis, das meine literarische Welt im September 2023 in ein Vorher und ein Nachher geteilt hat.

Manacled ist ein Epos, eine griechische Tragödie. Fast alle Figuren wollen nur das beste und handeln aus einer jeweils nachvollziehbaren moralischen Position heraus. Genau dadurch stürzen sich und alle anderen tief ins Unglück. Es ergreift einen, man wünscht sich doch noch einen Funken Hoffnung für die Figuren und kann sich nicht vorstellen, wie die Autorin dort hinkommen könnte. Die Geschichte von Manacled beginnt in der Mitte, erzählt dann den ersten Teil in Rückblende, bevor wir zum dritten Teil springen. Wir wissen immer genau soviel wie Hermione – und das ist nicht besonders viel. Dafür, dass sie ausgesprochen klug ist, versteht sie ein paar Sachen überhaupt nicht oder erst sehr spät. Diese Erzähltechnik voller Wendungen, die unvorhersehbar sind, aber im Nachhinein total schlüssig sind, wirken wie literarisches Crack.

Mir hat die Neuinterpretation der Figuren sehr gut gefallen, wobei die Charaktere eine gewissen Stimmigkeit mit den Originalen behalten haben. Die Geschichte funktioniert aber auch in der HP-fernen „Alchemised“-Version sehr gut.

Mein erstes Fanfic war aber tatsächlich aus dem „Chronicles of Riddick”-Universum, nämlich „The Apprentice“. Ich habe es wohl im Jahr 2001 gelesen, ausgedruckt und acht Umzüge überleben lassen. Die Autorin, Ardath Rekha, veröffentlicht weiterhin. Weitere Riddick-Fanfics haben mich aber nicht abgeholt, und ich bin erst über Manacled so richtig in die Fanfic-Welt eingetaucht.

Ich denke manchmal, dass Fanfiction die Literatur gerettet hat. Zumindest, wenn man nicht nur Geschichten von alternden Männern lesen will, die über alternde, aber erfolgreiche Männer schreiben, die sich in junge Frauen verlieben. Fanfiction ist unmittelbar, jeder kann etwas schreiben, es wird nicht zensiert, und es braucht keinen Verlag. Es ist eine Experimentierplattform, und es haben viele sehr gute Autorinnen über Fanfic das Schreiben gelernt, zum Beispiel Naomi Novik oder Ali Hazelwood. Fanfic hat eine Community hervorgebracht, oder zehntausend Communities, wenn man es so sehen möchte. Lektoriert wird von Freiwilligen. Fanfiction rüttelt an dem, was Publizisten als publikumstauglich definieren. Fanfiction traut sich was, und es vertraut den Lesenden. Es schafft Raum für queere Themen, ich würde fast sagen: queere Geschichten sind der Motor. Fanfiction inspiriert Menschen: sie machen Hörbücher aus ihren Lieblings-Fics, binden sie zu wunderschönen Büchern und zeichnen Illustrationen dazu. Der Kapitalismus hat mittlerweile seine kleinen, klebrigen Tentakel ausgestreckt, aber noch ist es eine sehr schöne Welt, und ich bin froh, dass ich sie wiederentdeckt habe.

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