Poststation im Pazifik

Mitten im Pazifik – eine Poststation. Eine kleine Hütte auf einer schwimmenden Plattform aus zusammengebundenen Holzpaletten.
Hier lagern sie – alle Briefe an mich, die nie angekommen sind:
Liebesbriefe eines Russen, Mahnbriefe einer nordbayrischen Universität, gemalte Briefe meiner Kindergartenfreundin. Verwundert lese ich sie. Mitnehmen kann ich sie nicht, sie würden ja nicht trocken bleiben!
So bleibt mir nur, meine Flossen wieder anzuziehen, die Taucherbrille überzustreifen und hinauszuschwimmen ins Blau.

Stand der Dinge

im November schrieb ich:

a room of one`s own. küche mit aquarium. clownfische wären gut. die wochenenden frei. das geld eigen. die arbeit gebunden. steht im regal. ordnung, ruhe, stille. wie unter wasser.
mein traum. meine hoffnung. mein ziel.

Wie fühlt es sich nun an, das Ziel erreicht zu haben?
Ich hab immer noch kein Aquarium – es hat nur für zwei Bücher über Aquaristik gereicht.
Wenn ich über die Warschauer Brücke nach Hause gehe, passieren merkwürdige Dinge mit mir. Es ist, als ob der Wind durch mich durchbläst und alles Nebensächliche von mir löst. Nirgendwo sonst in der Stadt ist man so den Elementen ausgesetzt. Mein Blick reicht weit, es gibt wieder einen Horizont. Ich liebe meine Arbeit, mein Projekt, ich mag die Seite meines Selbst, die ich im Labor und im Umgang mit meinen Kollegen präsentiere. Es hinter sich zu lassen, jeden Abend, eine andere Seite aufschlagen, ursprünglicher, schlichter, ungekünstelt, unüberlegt sein, das alles macht es schöner, wieder zurückzukehren.

Nicht, daß ich jetzt ganz wäre, aber sagen wir mal: drei viertel.