zu viel

Kleine Maden, wie man sie manchmal in Mehl oder Nüssen findet, wandern über meine Nase und tauchen in meinen Poren ein. Aha, denke ich, deshalb juckt es mich so, deshalb bin ich so müde und geschwächt. Ich gehe zu einer Hautärztin. Die Ärztin verliebt sich in mich, wir gehen aus, unternehmen das eine oder andere miteinander. Als ich sie frage, wann sie die Maden entfernt, wird sie ungehalten und verweist auf zwei Männer mit Warzen im Wartezimmer, die zuerst behandelt werden müssen. Na dann nicht, sage ich, und gehe.

Auch im Wachen ist mir bewußt, daß mein Körper einen Tribut bezahlt. Die Kopfhaut juckt, das Ohr ist entzündet, ich muß niesen und manchmal auch astmatisch husten, eine Hautstelle ist gerötet und mein Gesicht scheint etwas angeschwollen zu sein. „Es wird mir alles zuviel“, sagte ich letzte Woche zu mir, im Auto sitzend, Stillstand – wenigstens eine Minute lang. Vielleicht kann ich einfach nicht weiterfahren, aber dann geht es doch weiter, was bleibt mir auch übrig.

Ich schäme mich ein bisschen; ich wäre gerne stärker; ich würde das alles gerne mit links machen. Aber so ist es eben nicht. Ich spüre meine Belastungsgrenze, ich spüre, wenn ich darüber hinaus agieren muß. Aber ich tu’s, ich bleibe handlungsfähig, ich meistere meine Aufgaben, und mein Körper zahlt den Tribut. Besser, die Belastungsgrenze zu spüren, als gar nichts mehr.

ohne Moleskine

Ich schreibe nicht über berufliches, obwohl es da viel zu erzählen gäbe. Aber es gehört nicht hierhin. Ich schreibe nicht über berufliches. Zur Zeit lebe ich nur für meinen Beruf. Also kann ich nichts schreiben.
Manchmal kann ich auch einfach nichts aufschreiben. Ein Moleskine wäre gut.
Süßer, ich denke an Dich, mehr als Du weißt.

müde. schweigsam.

Sie – schwarz, loud, proud, born and raised in New York – sie gibt mir einen Ratschlag, der mir im Magen liegt wie ein Stein. Don’t be so afraid to speak what’s on your mind, sagt sie.
Sie weiß nicht, wie viele Kämpfe ich heute schon ausgefochten habe.

get the message

Ich bin ja eher ein schlichtes Gemüt. Deshalb kommuniziert mein Unterbewußtsein mit mir im Traum mit ganz einfachen, leicht zu verstehenden Bildern.
Letzte Nacht habe ich geträumt, die Männer von der Umzugsfirma wären da, aber ich hätte erst ein paar Kisten gepackt. Vollkommen hektisch hyperventilierte ich im Zimmer, mal wieder im Schlafanzug und ohne Büstenhalter.

Heute morgen habe ich dann gleich mal den Inhalt des Einbauschrankes eingepackt, bevor ich zur Arbeit gegangen bin.

Tieeeh!

Ich weiß, ich weiß. Geschichten über die Telekom interessieren keinen mehr, jeder hat seine eigene erlebt. Deshalb nur die Kurzfassung:

– gestern abend, 19.50 Uhr: Frau Fragmente ruft die Hotline der Telekom an, die jetzt T-Com heißt und sich Tieh-komm! ausspricht.

– Frau L. ist am Apparat, hört sich leicht depressiv an

– Frau Fragmente und Frau L. besprechen das Problem, einen neuen Telefonanschluß zu bekommen, ohne die saftigen 59,95 Euro Anschlußgebühr bezahlen zu müssen.

– nach 10 Minuten bin ich völlig verwirrt. Gutschrift von 50 Euro, jeden Monat würden 37,95 Euro abgebucht, eigentlich fallen nur 23,95 Euro an, aber dafür gäbe es dann nochmal eine Gutschrift von 90 Euro, 6 Monate kostenlos T-XXL freetime testen (brauche ich eigentlich nicht). Dann soll ich noch 59 Euro für irgendein ISDN-Hardware-Teil bezahlen.

– ich frage: wäre ein analoger Telefonanschluß nicht doch günstiger?

– Frau L. ist beleidigt und wird ein wenig pampig.

– ich äußere, daß ich zusätzlich zur Grundgebühr nur etwa 5 Euro Telefonkosten und 10 Euro fürs Internet verursache. Das war wohl ein Fehler: an mir ist kein Geld zu verdienen.

– Frau L. legt auf.

– Frau Fragmente, wie bekloppt: „hallo? Sind Sie noch da? Hallo?“

FRAU L. HAT TATSÄCHLICH AUFGELEGT.

Es ist 20.02. Frau L. findet mich wahrscheinlich nicht nur doof, ihre Arbeitszeit ist auch vorbei.

Vielleicht sollte ich einfach mal ein paar Monate kein Telefon haben. Klappt auch. Des weiteren denke ich über die Einrichtung einer Kategorie „Frau Fragmente telefoniert“ nach.

Linda im Kopf

Kleine Wünsche, deren Erfüllung mir versagt bleibt: samstags mal ausschlafen, zum Beispiel. Um 7.40 klingelte es an der Tür; die Umzugskartons wurden geliefert. Wären sie, wie angekündigt, zwischen 8 und 10 gekommen, ich schwöre, ich hätte einen Büstenhalter getragen. Untendrunter.
Früh wach zu sein, hat aber auch sein gutes. Milchkaffee, Toast, Spiegelei, Schinken, und im Radio: Linda im Kopf. Hat aber auch was surreales, direkt beim Frühstück eine Geschichte zu hören, die ich in diesem Weblog lange dokumentiert habe. Machen die jetzt Radio nur für mich?

Linda im Kopf
Ein Drama an Berliner Hauswänden
Von Stella Luncke und Josef Maria Schäfers

Am Anfang ein Mädchen mit einem Messer im Kopf, gesprüht an eine Fleischerei. Dann das Liebesdrama in Plakatform, geklebt an Berliner Hauswände: „Linda komm zurück“, „An Linda denken ist wie Igel schlucken“, „Linda macht kaputt“. Zu den Sprüchen Bilder eines schmerzverzerrten Jungen mit zu Krallen verformten Händen, der einen Aschenbecher ausleckt oder Teile des Gesichts verliert.
Das Werk eines verzweifelten Exfreundes oder das eines Psychopathen, der zur Gefahr für Linda werden könnte? Ist Linda tot? Gibt es sie überhaupt? Ist sie eine Metapher?
Verunsicherte, genervte und mitleidige Passanten halten auf ihren Wegen durch Friedrichshain Zwiesprache mit ihr. Gerüchte entstehen, Geschichten werden weitergesponnen, Plakate abgerissen oder kommentiert; ein Kreislauf an Kommunikation entsteht. Doch Linda bleibt ein Mysterium – unheimlich. Sie geht keinem mehr aus dem Kopf. Immer größer wird die Neugier, immer stärker die Frage: Wer ist Linda? Wer ist ihr Exfreund? Was ist überhaupt passiert?

von hier, pdf. Gesendet im rbb Kulturradio, direkter Link schwierig.

warum schreibst du so wenig, wenn du glücklich bist.

Allein schon deshalb, weil es sich so falsch anfühlt, zu schreiben: ich bin glücklich. Bin ich nicht. Ich habe Momente des Glücks, mehr als sonst, Freude ohne Grund.
Ich freue mich, weil es regnet. Ich freue mich, wenn ich die Muster beobachte, die der Regen auf den Asphalt wirft. Wie es riecht. Wie das Grün der Bäume aussieht. Wie die Stadt gewaschen wird. Wie die Leute langsamer werden. Nur ich und ein paar andere Hartgesottene, die den Weg zum Supermarkt schaffen. Keine Schlange an der Kasse & die Verkäuferin ist freundlich.
Ich freue mich an meiner Arbeit. (Mehr, als daß ich mich über sie ärgere).
Ich freue mich, wenn meine Arbeit getan ist. Wenn ich im Auto unterwegs bin, aus den Boxen singt jemand, und es gibt etwas leckeres zum Abendessen. Der Abend gehört ganz mir.
Ich freue mich einfach so. An meinem Leben. Es ist nichts spektakuläres, und es ist mir beinahe peinlich, es zuzugeben.