Stationen

Als man noch Kopfhörer brauchte, damit man nicht hört, was die anderen schlechtes über einen sagen.

Übrigens, Kopfhörer. Scheinen bei der nachwachsenden Generation nicht mehr so angesagt zu sein. Der junge Mann in meinem Rücken hörte Musik aus seinem Handy. Bushido. Unglaublich, wie laut solche kleinen Geräte sein können. Da kommt noch etwas auf uns zu in der Zukunft. Marcus Hammerschmitt hat die Zukunft ja so beschrieben, daß über Nanotechnologie Musik direkt vom Körpernetz auf die Ohren gespielt wird. Das wäre wünschenswert, aber ich fürchte, ich werde stattdessen eine exponential steigende Zahl von Bushidosongs aus Handys zwangsweise mithören müssen.
Die ganze Tram war voll, und niemand hat etwas gesagt. Auch ich nicht. Wer ist schlimmer dran? Ich, mit meinem Rücken, der immer breiter wird? Oder die, die immun gegen soziale Ausgrenzung geworden sind?

eins, zwei, drei, vier

1. Ich habe meinen Computer kaputt gemacht. (Schon wieder.)
Da ich, wie an der einen oder anderen Stelle bereits erwähnt, eher für einen symbolischen (Gottes-)lohn arbeite, siehts mit einem neuen Computer oder gar Laptop zur Zeit mau aus. Zwar habe ich ein paar Münzen im Sparstrumpf, aber die sind fürs Auto bestimmt: im September ist das Auspuffrohr durchgebrochen. Everything just falls apart. Mir bleibt also nichts außer den Computer aufzuschrauben und zu sehen, was ich mit meinen beiden Händen tun kann. Zur Unterstützung habe ich mir gleich mal ein Buch per Tauschticket organisiert und ein anderes mithilfe eines Amazon-Aktionsgutscheines. Wünschen Sie mir Glück.

2. Ich habe fremdgebloggt: mein schlechtes Auge. Fühlt sich seltsam an, die eigenen Worte in einer ungewohnten Schriftart zu sehen. Außerdem ziemlich exihitionistisch, wie ein nackter Mann im Park, dem man nicht ausweichen kann. Mein sonstiger selbstreferenzieller, bauchnabelkreisender Egoscheiß läßt sich ja gut umgehen, indem man einfach meine Url meidet. Naja. Wird schon niemand sterben an dem Text.

3. Was ich einmal wirklich gerne erleben würde: vor dem Wecker aufzuwachen. Liegenzubleiben. Schon wach zu sein, wenn der Wecker klingelt. Das funktioniert, wenn der Wecker auf halb zwölf gestellt ist, allerdings muß ich dann um elf aufstehen wegen des Flüssigkeitshaushaltes.
Ich würde einfach gerne mal um 7.45 aufwachen, wach sein, alle erotischen Träume, aus denen ich sonst gerissen werde, abgeschlossen haben, meinen einen Arm, der meisten entblößt irgendwo rausguckt, wieder gemütlich unter die Decke stecken und langsam den Tag beginnen lassen. Die Geräusche der Straße mehr und mehr wahrnehmen, die Gedanken fließen lassen, und dann gemächlich aufstehen.

4. Erotische Träume häufen sich zur Zeit. Eigentlich nicht überraschend, wenn man einen gesunden Körper, aber keinen Partner hat. Heute morgen habe ich mir einen Pink crisp Apfel aus ökologischen Anbau eingepackt und dabei gedacht: das Leben ist zu kurz für schlechtes Essen, besonders, wenn man keinen Sex hat. Kompensationsmechanismen.
Manchmal habe ich Angst, daß ich nie mehr Sex haben werde. Ich tröste mich dann immer damit, daß ich mal vier Jahre am Stück keinen Sex hatte. Wie Bukowski. Rückblickend waren das allerdings nicht unbedingt die besten Jahre meines Lebens. Ich glaube, für Bukowski auch nicht.

im Pausenraum

„Na wenn du eh nichts mit mir redest, dann geh‘ ich eben,“ sage ich und will dich necken.

Du überrascht mich, wo ich nur mit einem Schulterzucken gerechnet habe. Du drehst dich auf deinem Bürodrehstuhl, schaust mich an, lächelst mich an, strahlst mich an. Dein Charme, sonst nur der Schatten eines Möbelstückes in einer nächtlichen Wohnung, sprüht Funken. Du lachst dein tiefes, männliches Lachen, das mich so mädchenhaft macht.

„Dann frag mich doch was!“, sagst du. Ich lehne mich gegen die Tür, stehe so aufrecht, wie ich nur kann. Eine Lady, eine Königin.

Und so fangen wir an zu reden.

curious

Stöckchen bekommen: von hier und hier.
Dabei fürchte ich, alle Merkwürdigkeiten bereits in mein kleines Internettagebuch geschrieben zu haben…

1. In meiner Jugend war ich eine recht gute Dressurreiterin.

2. Ich hatte ein Pferd. Das Pferd brach sich das Genick. Seitdem weiß ich, wie es ist, mit dem Tod in einem Raum zu sein.

3. Wenn ich mich in jemanden verliebe, werden diese Gefühle in der Regel nicht erwidert.

4. Sehr meoldramatisch, das alles. Merkwürdigkeit Nummer 5: ich erzähle oft traurige Dinge, behalte die erfreulichen Ereignisse aber für mich.

5. Nun gut. Ich mach‘ ne Ausnahme. Ein paar gute Sachen aus meinem Leben: ich habe eine gute Ausbildung. Ich habe Arbeit. Ich verdiene Geld. Ich habe eine eigene Wohnung (mit Internetanschluß). Ich spreche gut Englisch. Ich kann mich an Literatur und Musik erfreuen. Ich habe ein paar wirklich gute Freunde. Meine Eltern sind mir im großen und ganzen gute Eltern gewesen. Ich hatte eine passable Kindheit. Ich habe in meinen frühen Zwanzigern ein paar Dinge getan, die mir zu wunderbaren Erinnerungen verholfen haben, ich bin z.B. The Cure auf Tour hinterhergereist.

6. Manchmal wach‘ ich morgens auf und bin froh. Einfach so.

zwei Uhr

Am Freitag gekotzt. Danach 18 Stunden geschlafen.
Wie sich dann Tag und Nacht wandeln… der Morgen beginnt am Nachmittag, und wenn es Abend wird, kommt keine Müdigkeit. Mit wachem Auge und fidelem Geist beobachte ich die Nacht. Ein Zauber liegt über allem – den Lichtern der Stadt, dem obskuren Fernsehprogramm. Alle schlafen, ich koche mir eine Suppe.
Als ich mich schließlich hinlege, bleiben meine Augen offen. Mir kommt alles so hell vor, als wäre Vollmond. Draußen, die Rastlosen, in ihren BMWs vor dem Internetcafé. Wie Dunst steigt die Musik aus den Autoradios hoch zu mir in den vierten Stock. Manchmal röhrt ein Motor. Die Männer gehen Nachtgeschäften nach. Verborgen im Hinterhof ein Anbau, es brennt rotes Licht. Die Stimme der Nachbarin, ein Husten: Sex, Gewalt? Oder die Magen-Darm-Grippe?
Bis Mittags träume ich in Bildern und in Szenen, herausgerissen aus Filmen, deren Ende ich nie erfahre.

So könnte es weitergehen. So könnte ich leben, mit diesem Zauber über mir.

Dann kommt der Montag.