gewonnen.

Was ich mit dem Preisgeld mache, fragt man mich. Geld aus einem Wettbewerb, den ich für verlogen und von politischen Interessen getrieben halte. Die Jury kommt, schaut sich meine Arbeit an, mäkelt und meckert, um mir dann doch einen Preis zu verleihen. Plötzlich finden alle großartig, was ich mache (sie haben es mir bloß nie gesagt). Ihre Arbeit war schon letztes Jahr in der engeren Wahl, heißt es. Wo ist der Boden unter meinen Füßen? Im Alltag nicht, wo man mich kleinhält, und auf der Bühne auch nicht, wo man mich hochjubelt.
Geld. Ein paar hundert Euro. Ich habs verdient, finde ich, weil ich so hart gearbeitet habe, so hart arbeite, immer noch. Ich hätte lieber das Leben wieder, das mir durch die Finger rinnt, während ich vor meinem Schreibtisch sitze.
Ich hätte gerne Crush, nackt, meine Finger in seinem Haar, sein Kopf an meinen Brüsten, seine Augen halb geschlossen, hilflos und verloren und nirgendwo so sehr geborgen wie in mir. Ich hätte gerne, daß er will, was ich auch will.
Immerhin: Crush war beim Wettbewerb. Ich hatte gesagt komm, und er kam. Sein 2000-Watt-Lächeln blitze ein paar Mal auf, während er versuchte, immer wieder einen Schritt zurück, von mir weg zu gehen, aber es ging nicht, weil kein Platz war. Zwei Tage später gibt es genügend Platz, und wir umkreisen einander wie Raubtier und Beute. Ich versuche, die Konversation aufrechtzuerhalten, aber wir brechen auseinander, die Risse sind unübersehbar, während ich versuche, an meiner Leidenschaft festzuhalten. Ein wenig noch, nur ein wenig.

Ich glaube, ich kaufe mir einen Schreibtischstuhl. Da bin ich sowieso die meiste Zeit.

(ohne Titel)

Nur noch so kleine Häppchen Aufmerksamkeit, wenn ich aufsteige aus dem Text oder den Tabellen, an denen ich gerade arbeite. Genug für Twitter, nicht genug für Mails oder ganze Sätze. Ich sammle die kleinen Häppchen und mache ein Mix-CD daraus, als dankeschön für die Aufmerksamkeiten, die mich via Amazon anläßlich meines Geburtstages erricht haben. Novembermusik 2008.

***

Geträumt, ich würde zwei Bären stillen, so groß wie Katzenbabies, einer schwarz, einer weiß, an prallen Brüsten. Es zieht und kitzelt und fühlt sich gut an.

(ohne Titel)

Weißauchnicht. Irgendwie gehts wieder.
Aufgefangen worden von meinen Kollegen, Ruth, meinen Eltern.
Midori hat mich gewärmt. Die Fledermaus hat ein treffendes Bild gefunden von zwei, die in einem Boot sitzen. Kittykoma meint, ich hätte eine Ausstrahlung, als ob etwas großes in mir schlummern würde. Ich bin ein wenig rot geworden. Wer weiß schon, was die Zukunft bringt? Vielleicht etwas großes. Vielleicht ist es auch schon vorbei. Ich war schön, als niemand hinsah/ ich war brilliant, als es egal war/ Kellner beim Fest, auf dem ich selbst nicht erwünscht war… Womöglich hat Don Alphonso recht und die wichtigsten Kenntnisse in den nächsten Jahrzehnten werden Fruchtfolgte, Schweinehaltung und Stickstoffdüngung auf Winterweizen sein. Auch so könnte ich leben.

Leben. Demnächst werde ich einunddreißig. Letztes Jahr eine Liste von Dingen erstellt, die ich im Leben noch so machen möchte. Null gemacht. Ich stecke fest, klebe fest, komme nicht voran, und das wird wohl auch noch in meinem neuen Lebensjahr eine Weile so bleiben. Es gab üppige Lektionen in Demut, fast mehr, als ich aushalten konnte, auch, was die Männer betrifft (1/ 2/ 3).

Leben. Mir kommt es manchmal so vor, als ob es aus Bruchstücken besteht: heiter und traurig, schwarz und weiß, positiv und negativ. Diese Fragmente gleichen sich nicht aus, sie sind einfach da, und die Kunst besteht darin, den Widerspruch auszuhalten.
Seit Twitter blogge ich nicht mehr so häufig. Trotzdem bin ich zufrieden mit meinen Fragmenten. Das letzte Jahr ist umfassend und treffend dokumentiert worden, hier in meinem kleinen Archiv. Ich hoffe, das bleibt so. Alles andere darf sich ändern.

Oh, und vielleicht läßt sich jemand erweichen und schenkt mir was über Amazon.

bis einer heult

Was tun, wenn man nicht weinen will? Wie die Contenance bewahren?
„Jetzt bloß nicht heulen!“ zu denken hilft schon mal nicht, macht nur die Nase rot, einen Kloß im Hals.
Rechner runterfahren, Mantel anziehen, ein wenig aus dem Fenster blicken, um Fassung ringen. Zum Parkplatz laufen, das grün und rot und gold der Bäume verschwimmt.
Was tun, wenn man nicht weinen will? Nachgeben, laufen lassen, an der Ampel stehen und sich über die Wangen wischen. Dann endlich: zuhause. Die Hose ausziehen, sich ins Bett legen, gekrümmt.
Als mein Hund starb, habe ich tagelang geweint. Es lief aus mir heraus, ständig, als wäre ich leck geschlagen. Es war ein gutes Weinen, irgendwie, weil der Schmerz durch mich hindurchlief und gemischt war mit Dankbarkeit für das, was mir gegeben wurde. Alles ist sterblich.
Jetzt ist es ein verkrampftes Weinen, mit wenig Tränen, aber einem riesigem Kloß im Hals und sehr viel Bitterkeit. Ich glaube nicht, daß ich je so um einen Mann geweint habe. Vielleicht, weil mir dies hier wichtiger ist: zu schaffen, was ich mir vorgenommen habe. An meinem Scheitern hat kein Mann, kein Gott Anteil, nur ich selbst.

Grenzen

Schlecht geschlafen, ungewöhnlich für mich. Zwei Stunden vor dem Wecker aufgewacht: Existenzängste. Zur Arbeit gegangen und bis abends um acht an einem Text gearbeitet. Text rausgemailt, dann eine stupide, aber dringende Aufgabe angegangen, die körperlichen Einsatz erfordert. Es hat ewig gedauert, ich brauchte immer wieder eine Pause. Gegen elf fertig gewesen und nach Hause gegangen, müde bis auf die Knochen. Direkt ins Bett, liegend noch kurz mit Ruth telefoniert.
Beim Weckerklingeln todmüde gewesen, zweitausend Kilo Blei. Hochgerafft, leicht Kopfschmerzen, ungewöhnlich für mich. Am Kaffee gewürgt, stattdessen Tee gemacht. Zur Arbeit geschleppt, vor mich hingearbeitet, zunehmende Übelkeit. Kantinengang mit Kollegen abgesagt. Mit dem Gedanken gespielt, früher nach Hause zu gehen. Gegen eins ist mir so schlecht, daß ich wirklich gehe. Zuhause ziehe ich mir den Pullover aus, dann erbreche ich mehr als einen Liter ätzende Flüssigkeit. Mein Gesicht ist rot und geschwollen, später werden die geplatzen Äderchen sichtbar sein. Ich wasche mir den Mund aus, lange, putze mir die Zähne. Mein Rachen ist verätzt. Dann gehe ich ins Bett und schlafe sofort ein paar Stunden, völlig erschöpft.

So ist es also, wenn ich an meine Grenzen komme. Gut zu wissen, daß der Körper ab einem gewissen Punkt die Reißleine zieht. Schön, wenn man wieder gesundet und die Kraft zurückkommt. Unbegrenzt ist sie leider nicht.

worrisome heart

Das vielleicht schönste am Orgasmus ist ja, einen Moment lang nichts zu denken. Gedankenlosigkeit im besten Sinn, das geistige Äquivalent zur Schwerelosigkeit. Dann kommt das körperliche Bewußtsein wieder zurück: zittrige Hände, angenehme Erschöpfung, pochendes Herz, Atemlosigkeit. Erster Gedanke: wow, das war echt unglaublich! Zweiter Gedanke: hoffentlich kriege ich nicht irgendwann mal einen Herzinfarkt dabei. Dritter Gedanke: cool, ich habe einen Moment gar nicht an meine Sorgen gedacht. Und schwipp, schwapp sind sie wieder da, wie die immer stärker werdenden Wellen der zurückkehrenden Flut.
Die Gedanken. Immer kreisen sie im Kopf, rundherum. Ich suche nach der Pointe, einem Fluchtpunkt, auf den allles zuläuft, der Rahmen, der einen Sinn gibt. Despite of my rage I am still just a rat in a cage. Ich mache mir Gedanken, ob ich die letzten vier, fünf Jahre meines Lebens verschwendet habe. Ein klassisches Luxusproblem von Leuten, die von sich selbst glauben, sie hätten Potential. Ständig fragt man sich: habe ich es genutzt? Bislang habe ich noch keine Argumente gefunden, die bestätigen, daß ich meine Zeit sinnvoll genutzt habe, oder entkräften, daß ich sie verschwendet habe.
Vielleicht wartet sie in der Zukunft auf mich, meine Pointe, so tröste ich mich. Eine Zeitlang habe ich geglaubt, scheitern mache einen Menschen stärker, scheitern wäre eine wichtige Lebenserfahrung. It builds character. Mittlerweile glaube ich eher, man ist dann eben gescheitert, einfach so, keine Pointe, und alles was man kriegt sind abgestoßene Ecken an der Seele.
Erwartunghaltungen. Das Warten auf Pointen. Irgendwann ist die Zeit um, und dann ist es auch egal.

Gegenprogramm

Dann wieder das Gegenprogramm: zu nichts Lust haben. Irgendwann das Internet leergelesen & alle neuen social network Applikationen durch haben. Erkennen, daß der Tag verloren ist. („Der Druck ist noch nicht groß genug“, sagt Ruth.) Wenigstens noch ein paar private Dinge machen wollen – eine CD brennen, eMailen, über Männer schreiben – und auch hier in der Mitte die Lust verlieren.
Wenigstens diesen Eintrag habe ich zu Ende geschrieben.

Wochenende

Sa. 10.30 aufgestanden (Wecker). Kaffee, langsam wach werden, Abwasch. Meine Armbandage gewaschen (Sehnenscheidenentzündung). Gekocht & 1 Portion gegessen, den Rest getuppert. Geduscht, Haare gewaschen, angezogen. Tupperdose & Weintrauben eingepackt. 14.30 Haus verlassen. In der Apotheke Armbandage II (8 Euro, hautfarben) gekauft. Nebenan beim Bäcker 1 Pflaumenkuchen und Sahne (in einem Pappbecher) gekauft. Zur Bank gefahren und Geld für ein Kaninchenfell (Zuchtkaninchen) überwiesen. Ins Büro gefahren: niemand da. Rechner angeworfen, Zweitrechner mit 8 GB RAM ebenfalls angeworfen. Arm bandagiert. Prokrastiniert & gesurft, Musik gehört. Daten analysiert (Rechner 2). Text geschrieben & gelayoutet. Zwischendurch aus Tupperdose gegessen. Geschrieben. Mit Ruth telefoniert & Weintrauben gegessen. Daten analysiert. Um 21 Uhr beschlossen, jetzt den Pflaumenkuchen zu essen & um 23 Uhr zu gehen.
Um 23 Uhr mitten im Textfluß gewesen. Gegen Mitternacht nochmal Daten bekommen. Um halb eins dennoch nach Hause gegangen. Zuhause Nachricht von meiner Mutter auf dem AB. Ich höre aus ihrer Stimme heraus, daß sie besorgt ist, weil ich nicht zuhause war, aber daß sie nicht will, daß ich denke, sie wäre eine Glucke. Sie ist keine. Ist doch gut, daß jemand mich vermisst.
Noch zu berauscht vom Textfluß gewesen. Heat geguckt, Bandage abgemacht und gegen eins ins Bett gegangen.

Von einem nackten, dunkelhaarigen Mann geträumt, der an mir vorbeigeht. Ich strecke die Hand aus und berühre ihn, seine Haut wie Seide, und er lächelt. Wir gehen zusammen den Gang vor meinem Büro entlang. Dort, wo sonst das Treppenhaus und das Damenklo ist, öffnet sich die Tür zu einer Wiese mit halbwilden Pferden. Der Mann legt einen knöchellangen Ledermantel um mich, der sich wie Geborgenheit anfühlt.

So. 10.00 aufgestanden (Wecker), mit einem Lächeln im Gesicht wegen des Mannes aus meinem Traum. Kaffee getrunken, langsam wach geworden. Meine Eltern angerufen und eine Stunde mit ihnen telefoniert. Gekocht, ein paar Happse gegessen, Rest getuppert, eine Stulle geschmiert & mit einer halben Tafel Schokolade als Proviant eingepackt. Katzenwäsche, angezogen, gegen halb eins das Haus verlassen, kurz vor eins am Schreibtisch. Niemand da, nur ich. Arm bandagiert. Beide Rechner hochgefahren, Musik angemacht, schnell wieder in den Text reingefunden. Emails gelesen, beantwortet, bearbeitet. Wieder Daten analysiert. Zwischendurch ein wenig gesurft & gegessen. Mit Ruth telefoniert, launisch gewesen. Gegen halb elf nach Hause gefahren, im Auto „protection“ von Massive Attack gehört. Müde, Bandage ab, Kleidung aus, Schlafanzug an & direkt ins Bett. In die Dunkelheit gestarrt. Liegen ist gut für meinen Rücken. Eine Stunde später noch wach, aber schon sehr bettschwer gewesen (SMS von Ruth).

Keine nennenswerten Träume.

(Mo. 8.00 aufgestanden (Wecker). Arbeiten gegangen.)