56 Tage. Bin sehr neidisch.
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von R., für K.
Ich trage Trauer nun, das bitte ich mal festzuhalten.
Nun, da es aussieht, als erlebten wir nicht mal den Mai.
Ich wollt doch bei Dir bleiben bis zur Zeit der Megafalten.
Du solltest später meine Schnabeltasse halten.
Und mich dann füttern mit püriertem Schnitzelbrei.
Alil
Der Photomaker liest eine tröstliche Geschichte, mit seiner wunderschönen Stimme. Ich danke dafür.
mehr Disziplin
Du solltest nicht so nah neben mir stehen.
Du solltest mir nicht so nah stehen.
Du solltest nicht so freundlich zu mir sein.
Du solltest nicht so strahlen, wenn du mich anschaust.
Du solltest dich nicht so lange mit mir unterhalten.
Du solltest es nicht so sehr genießen, mit mir zu reden.
Du solltest nicht über meine Witze lachen.
Du solltest nicht meine Gesellschaft suchen.
Ich sollte nicht glauben, daß ich Deine Freundin sein könnte.
Du solltest es mir nicht so schwer machen.
Denn am Ende wird die Frau an Deiner Seite
ein Mädchen sein. Schlank. Jung. Naiv.
Und in allem ganz anders als ich.
Ich mache mir Gedanken. Ob ich mich ändern soll.
Ob ich Zehen und Ferse abschneiden soll
damit der Schuh mir paßt.
(Auch das wäre keine Garantie.)
Am besten, glaubs mir –
gehst Du in die eine Richtung, und ich in die andere.
Wir können keine Freunde sein.
Mir bleibt der Trost von Epikur.
Der Schmerz dauert nicht lange, sagt er.
Berge von Männern, die ich überwunden habe.
Dieser Berg noch vor mir –
und dahinter?
Unter Wasser.
Manchmal ist es schön. Die Kollegen sind anderswo oder schon nach Hause gegangen. Der Himmel über den Waschbetongebäuden ist wie gemalt von Caspar David Friedrich. Ich habe einen Moment Zeit – 1:30 min, während meine Arbeit schüttelt oder kocht, inkubiert oder abzentrifugiert – und schau zum Fenster raus. Große, graue Wolken ziehen über meinem Kopf vorbei wie Buckelwale oder Riesenrochen. Ein Flugzeug fliegt in Gegenrichtung.
Manchmal ist es schön. 1:30 min.
(ohne Titel)
Die Schwester meines Vaters liegt im Krankenhaus; wahrscheinlich ist es Krebs.
Mit meinem Vater über den Tod geredet. Schon lange nicht mehr habe ich mich ihm so nahe gefühlt.
Yo!
Britney vs. Frau Engl.
genügsam
Manchmal genügt es mir
einfach nur neben dir herzugehen.
Nichts zu sagen. Wie gut du riechst.
Wie groß du bist. Wie klein ich sein kann.
Manchmal genügt es mir,
einfach nur deinen Wollpulli anzuschauen.
Ich brauche ihn nicht anzufassen, um zu wissen
wie er sich anfühlt.
Manchmal genügt es, um mich zu berauschen.
man weiß ja nie!
Mein Computer geht wieder.
Frau F.s Gedankengänge und Handlungen, die zur Reparatur des Computers geführt haben:
1. Computer ist kaputt. Mehrfach eingeschaltet, Bildschirm bleibt dunkel, Computer gibt beunruhigende Piepstöne von sich.
2. Frau F. läßt den Computer eine Woche unberührt und organisiert derweil Computerhandbücher.
3. Wochenende. Frau F. denkt: „okay. Dann stelle ich den Computertower mal vom Boden auf den Schreibtisch, damit ich ihn besser hinten aufschrauben kann.“ (Frau F. bückt sich nicht so gerne.)
4. Nicht nur, daß sich Frau F. nicht so gerne bückt, sie haßt es auch noch ganz besonders, schwere Gegenstände in gebückter Haltung von Boden hochzuheben. Und dann noch die ganzen Kabel!
5. Frau F. denkt sich: „schalten wir den Rechner doch einfach mal ein! Chance ist zwar gering, daß sich was tut, aber man weiß ja nie!“
6. Frau F. schaltet den Computer ein. Computer geht wieder.
Im weiteren Verlauf meiner Überlegungen und mit Hilfe des Internets, welches bekanntlich für alle Fragen Antworten parat hat, bin ich zu folgendem Schluß gekommen:
7. 192 MB RAM sind vielleicht ein bisschen wenig, um die Stabilität von XP zu gewährleisten.
8. Bau ich halt mehr RAM ein!
9. Und wo ich grad dabei bin, noch ’ne Soundkarte und ’ne anständige Grafikkarte.
10. Letztens den guten Rat bekommen, nicht so zu zicken, sondern mir einfach einen anständigen Rechner zu kaufen. Aber ich habs ja nicht so mit Ratschlägen.
Stationen
Als man noch Kopfhörer brauchte, damit man nicht hört, was die anderen schlechtes über einen sagen.
Übrigens, Kopfhörer. Scheinen bei der nachwachsenden Generation nicht mehr so angesagt zu sein. Der junge Mann in meinem Rücken hörte Musik aus seinem Handy. Bushido. Unglaublich, wie laut solche kleinen Geräte sein können. Da kommt noch etwas auf uns zu in der Zukunft. Marcus Hammerschmitt hat die Zukunft ja so beschrieben, daß über Nanotechnologie Musik direkt vom Körpernetz auf die Ohren gespielt wird. Das wäre wünschenswert, aber ich fürchte, ich werde stattdessen eine exponential steigende Zahl von Bushidosongs aus Handys zwangsweise mithören müssen.
Die ganze Tram war voll, und niemand hat etwas gesagt. Auch ich nicht. Wer ist schlimmer dran? Ich, mit meinem Rücken, der immer breiter wird? Oder die, die immun gegen soziale Ausgrenzung geworden sind?