Sehr schlechte Tage gehabt, alles schlecht, bis auf das Licht. Am Tiefpunkt ist das Gefühl innendrin so stark, dass es sich als dumpfer Schmerz hinter dem Brustbein manifestiert. Verzweiflung & Überforderung.
Es gibt so bestimmte Fragen, zum Beispiel: bin ich depressiv? Ist das noch normal oder schon eine Suchterkrankung? Ist das ein toxisches Verhalten? Wenn man sich so Fragen stellt, ist die Antwort meistens: ja.
Außer vielleicht bei der Depression, ich glaube, das fühlt sich noch anders an, bei dem, was ich fühle, ist mir zu viel Selbstmitleid dabei, und zu viel, was von außen kommt, unter anderem ein Termin, wo ich etwas machen muss, auf das ich wirklich absolut keinen Bock habe.
Ich reflektiere ein wenig, und mache dann das Münchhausen-Ding mit dem eigenen Schopf. Ich erstelle eine To-do-Liste und einen Wecker, der erste Punkt ist: 15 Minuten liegen. Ich liegen 15 Minuten, ich atme ein, ich atme aus. Ich spüre den Schmerz, ich spüre mich, werde ruhiger, und der Schmerz weniger. Dann fällt mir tatsächlich etwas ein, das ich gerne mache, das mache ich dann, 15 Minuten lang, und dann was, das ich nicht so gerne mache, aber ein Haken auf der To-do-Liste und ein bisschen Serotonin, und so weiter, ein Schritt nach dem anderen.
Ich würde gerne einen Ratgeber schreiben, Hochfunktional durch die Depression, aber ich bin ja nicht depressiv.
Dann der Termin, auf den ich wirklich absolut gar keinen Bock habe. Es ist ein seltsamer Trost, im mittleren Alter zu sein und schon ein paar solcher Scheißtermine absolviert zu haben. Es ist Zeit, und ich performe, volles Abrufen des Leistungspotential, es ist ein Segen, es ist ein Fluch.
Ich fahre nach Hause, Autobahn, Weinberge und Wald im Abendlicht, Rücklichter, leuchtend. Ich bin so hart geworden, ich wundere mich selbst, eine knallharte Businessfrau, und innendrin ganz roh und weich. Hart, weil alles andere alternativlos erscheint, perform or die, dabei wäre der geheimste Wunsch, einmal ganz schwach zu sein, völlig zu versagen, alles fahren zu lassen und gerettet zu werden. Ich kann sie sehr gut verstehen, die Frauen, die sich fesseln lassen und an der Decke schweben. Indes, ich wollte es nie sein, sondern wollte schöne junge Männer vor mir knien und Schmerzen ertragen sehen, sie sollten leiden und ich liebte sie dafür, und so war dann in einer einzigen Szene auf einmal alles, was auch in mir drin ist.
Es war wunderbar, berauschend und groß – und ich konnte, wollte es nicht festhalten. Es krümelte mir so weg – war es mir letztendlich doch zu viel Arbeit? Vielleicht ist es das, mein großes Versagen, aber wenn ich drüber nachdenke, fällt mir sicher noch mehr ein.