an meine Schwester

Wir sind drei, aber eigentlich sind wir vier. Du fehlst, Schwester, und Dein Fehlen füllt den Raum.
In jeder Familie gibt es Dinge, über die nicht geredet wird. In jeder Familie gibt es Dinge, über die immer wieder und nahezu endlos geredet wird, ohne je zu einem Ergebnis zu kommen. Wir reden über Dich, Schwester. Meine Mutter zählt all die Gelegenheiten auf, an denen Du sie enttäuscht hast, mein Vater nickt und ich weiß nicht, zu wem ich halten soll, zu ihnen oder zu Dir, und vergesse darüber einmal mehr, wo eigentlich mein eigener Standpunkt ist.
Wieviel Macht Du hast, Schwester, obwohl oder gerade weil Dir alles egal ist. Selbst auf das Verhältnis zwischen unseren Eltern und mir hast Du Einfluß: manchmal scheren sie uns beide über einen Kamm und ich muß mir die Kritik anhören, die eigentlich für Dich bestimmt ist.
Diesmal bist nur Du das schwarze Schaf, und ich leuchte hell im Vergleich. Auch irgendwie unbefriedigend.

Ich habe von Dir gelernt, Schwester. Mir sind zunehmend Dinge egal, ich bin dem Zirkus müde. In diesem Jahr bist Du deutlich gelassener geworden, sagt Ruth. So könnte man es auch formulieren.
Die drei Kritikpunkte, die unsere Eltern sonst für mich reserviert haben, heißen: zu dick, berufliche Stagnation, Partnerlosigkeit. Also habe ich mir drei Sätze zurechtgelegt, um der Kritik zu begegnen. Ich mag mich, wie ich bin, vielleicht könnte dir das auch gelingen, war einer davon. Bei Konversationen über meinen Beruf spielte ich einen Seemann auf einer langen Schiffsreise, der nicht weiß, wann, aber doch sicher, daß er sein Ziel erreicht. Unsere Mutter hat schon mal Schmuck testamentarisch verteilt. Der Armreif paßt mir nicht, sagte ich, aber ich würde ihn gerne behalten, um ihn weiterzuvererben.
Und so hatten wir ein harmonisches, freudvolles Weihnachten ohne Dich und ohne verbales Einprügeln auf mich. Vielleicht spiegeln mir unsere Eltern nur die Kritik, die ich an mir selbst übe, und meinen es nur gut.
Unser Vater ist alt geworden, Schwester, und wenn ich Dir einen Rat geben kann… ich jedenfalls habe Zeit mit ihm verbracht – bewußt, spannend, genußvoll.

Seit einigen Jahren haben unsere Eltern und ich ein kleines Ritual: wir sitzen an einem der Weihnachtsfeiertage in einem Restaurant und kommen in unserem Gespräch an einen Punkt, der mich zum heulen bringt. Normalerweise handelt es sich dabei um Kritik an mir, aber wie gesagt, 2007 ist das Jahr, in dem ich mich nicht mehr so ernst nehme, in dem mir mehr Dinge egal sind, also wars dieses Jahr was anderes, daß mich zum heulen gebracht hat.
In jeder Familie gibt es Dinge, über die nicht geredet wird. In unserer Familie ist das eine Geschichte, die man in sehr wenigen oder in sehr vielen Sätzen erzählen könnte und die die meisten Menschen wahrscheinlich nicht nachvollziehen können… ich machs jetzt mal kurz: wir hatten ein Pferd, dessen Mutter kurz nach seiner Geburt gestorben war und das wir mit der Flasche aufgezogen haben. Als das Pferd vier war, als ich siebzehn war und Du, Schwester, vierundzwanzig, hat sich das Pferd in Deinem und in meinem Beisein das Genick gebrochen.
Jedenfalls, unsere Eltern und ich sitzen da in der Gaststätte Krone, das Essen ist gerade gekommen und ich löffle Spätzle auf meinen Teller, da sagt unsere Mutter plötzlich, daß ihr nach all den Jahren die Sache mit I., dem Pferd, doch immer noch nahe geht, daß sie manchmal nachts im Bett liegt und es brennt in ihr.
Und ich bin völlig perplex, weil wir darüber sonst wirklich nicht reden, und meine Nase wird rot und ich habe Mühe, die Tränen zurückzuhalten. Ich mag nicht in der Öffentlichkeit heulen.
Jedenfalls führt unsere Mutter in allen qualvollen Details, die ich echt erfolgreich verdrängt habe, aus, wie das damals war, und einer ihrer Halbsätze lautete, daß Du, Schwester, an jedem Nachmittag entgegen alle Abmachungen gehandelt hättest.
Ich habe zu viel vergessen von diesen Nachmittag, und letztendlich war es ganz einfach ein Unglücksfall, aber manchmal denke ich, daß nicht nur der Wirbel gebrochen ist, der dieses Pferd im Leben gehalten hat, sondern auch etwas zwischen Dir und mir und Dir und uns dreien.
Und natürlich etwas in mir, weil ich verloren habe, was ich geliebt habe – wohl zum ersten, sicher nicht zum letzten Mal in meinem Leben. Ich will mich nicht beklagen, ich weiß, das geht allen so, das Leben ist eben ein dynamischer Prozeß. Loslassen nennen das die Psychologen und Esoteriker, dabei wird eigentlich etwas aus einem herausgerissen. Ich beneide Dich, Schwester, weil die Sensibilität nicht gleichmäßig zwischen uns verteilt wurde: Du hast eine dicke Haut, ich eine dünne. Du hast es besser.

(ohne Titel)

Nachdem ich mich gestern beim Universum über den Mangel an erotischen Träumen im Hause Fragmente beschwert habe, wurde mir folgender Traum geschickt:

The Cure haben ihre Fans eingeladen, vorab das Veranstaltungsgelände des Promokonzertes für ihr neues Album zu besuchen. Ich wandere an der Bühne vorbei durch verschiedene Räume, alles ist in jenes blaue und violette Licht getaucht, daß The Cure auch in der Realität bei ihren Bühnenshows benutzen. Schließlich gelange ich backstage. Ich dürfte eigentlich nicht hier sein, mich hat aber auch niemand aufgehalten.
Und wie ich da so stehe, läuft Robert Smith an mir vorbei. Ich bin aufgeregt, fasse mir aber ein Herz und spreche ihn an. Nach ein bisschen small talk fragt er, wie mir der Veranstaltungsort, das neue Album und das Konzept gefallen würde. Er selbst findet es super, so gut wie Sex, sagt er.

Und ich sage: no, not like Sex. It’s like falling in love…

(ohne Titel)

„Entschuldigung“, sagt der junge Mann in der Fußgängerzone und läuft auf mich zu. „Können Sie mir helfen?“. Ich bleibe nicht stehen, aber ich lächle. „Haben Sie den Wal vorbeischwimmen sehen?“, fragt er.

Der Scherz bleibt mir verborgen.

***

„Ich hoffe, das ist jetzt nicht zu creepy…“, sagt sie.
„Du könntest niemals creepy sein“, sage ich.

Nein, ich habe keinen Wal gesehen. Aber ich habe eine Perle gefunden.

what’s in a name

Ich habe neulich einen pissigen Brief an meinen Energielieferanten geschrieben. Ich schreibe ungern pissige Briefe. Pissige Briefe sind was für Menschen, die nicht ausgelastet sind, und ich bin voll ausgelastet mit meinem Job und meiner komplizierten Psyche. Ein bisschen wie ein Pentium III mit 256 MB RAM, dessen CPU zu 100% ausgelastet ist und der dennoch nach gewisser Wartezeit und eifrigen Rattern grafiklastige Websites öffnet. Pissige Briefe zu schreiben sind meine grafiklastigen Websites – man geht dort nicht hin, wenn es nicht wirklich dringend ist. Strompreiserhöhungen nehme ich also klaglos hin, falsche Heizkostenabrechnungen nicht. Mein Energielieferant und ich hatten Streit, weil auf meinen Heizkostenverteilern (=Dinger am Heizkörper, wußte ich vorher auch nicht) was anderes stand als auf der Rechnung. Das war dieses Jahr so, das war letztes Jahr so, das wird auch nächstes Jahr so sein. Ich schreibe dann immer einen höflichen Brief an meine Hausverwaltung mit dem Wort Einspruch darin, und dann ruft mich Herr Scholek vom Energielieferant an. Auf dem Mobiltelefon. Wäre mein Leben Firefox auf einem Pentium III, dann wären Anrufe auf dem Mobiltelefon wie ein Browserabsturz („sofort beenden“. Nachts um drei geweckt werden wäre dann wie ein Systemabsturz, um mal in der Metapher zu bleiben.)
Herr Scholek terrorisiert mich also auf dem Mobiltelefon. Wir machen einen Termin aus, er kommt frühmorgens vorbei, meistens schaffe ich es nicht, mir einen Büstenhalter anzuziehen. Für den armen Herrn Scholek bin ich vermutlich genauso sehr eine Strafe wie er für mich. Dann wollte er noch einen Termin und noch einen Termin und ich blicke da nicht mehr durch und hätte dann doch gerne mal was schrifliches, weil ich Akademikerin bin. Wir lieben Papier, wir stehen auf Buchstaben.
Also habe ich einen pissigen Brief geschrieben, es fiel mir nicht leicht. (Die Vermutung, Herr Scholek könnte eventuell Legastheniker sein, habe ich außen vor gelassen, darüber macht man keine Witze.) Auf meinen pissigen Brief habe ich etwa vier Wochen keine Antwort erhalten, also habe ich vorgestern einen pissigen Brief geschrieben, in dem stand, daß ich einen Brief geschrieben hätte und nun doch gerne Antwort hätte. Den Brief habe ich gefaxt! Es scheint ein Naturgesetz zu sein, daß Faxe viel schneller beantwortet werden als eMails oder Briefe. Heute hatte ich Post von meinem Energielieferant. Wenn Sie bis jetzt mitgelesen haben und sich fragen, was die Frau Fragmente eigentlich sagen will – hier kommt die Pointe: der Brief war von einer Frau Inspektorek .
Ich stand etwa fünf Minuten im Treppenhaus, starrte auf den Brief und fragte mich, ob die mich verarschen wollen. Ob Herr Scholek sich einen Spitznamen für mich ausgedacht hat, Frau Inspektor vielleicht, weil ich immer so viel nachfrage, und dann sein eigenes -ek angehängt hat. (Wenn ich so drüber nachdenke, nervtötende Schwabbelsau wäre vielleicht der Spitzname gewesen, den ich mir gegeben hätte, wäre ich Herr Scholek).
Dann glitten meine Augen tiefer, auf die Mailadresse von Frau Inspektorek. Ihren wirklichen Vornamen kann ich nicht posten, sie steht im Telefonbuch, aber so ungefähr sah die Mailadresse aus:

gracia.inspektorek@energielieferant.de

Ich wäre nicht Frau Fragmente, wenn ich der Sache nicht weiter nachgegangen wäre:

Absolute geographische Verteilung des Namens „Inspektorek.“

Ich hoffe, die Dame googelt sich nie selbst, und wenn, daß sie mir diesen Eintrag nicht übel nimmt. Ist ja eigentlich kindisch, diese Faszination von einem Nachnamen, aber: made my day.

nachts um drei, wenn der Geist schutzlos und nackt ist.

Um drei klingelt es. Es ist nicht der Wecker.
Drei Uhr tut weh, körperlich und real, nicht im übertragenen Sinn. Meine Brust zieht sich zusammen, mein Herz klopft wie wild.
Es klingelt, es ist nicht der Wecker, aber was ist es? Ich spinge auf, laufe durch die dunkle Wohnung. Das Klingeln hört auf, natürlich, wie könnte es auch anders sein. Ich lege mich wieder hin, der Nacken verkrampft, einen sauren Geschmack im Mund, mein Magen knurrt.
Ich gehe in meinem Geist anderswohin, wo ich den Schlaf vermute, und finde nur dunkle Gedanken. Dann klingelt es wieder. Ich stehe auf, was ist es? Rauchmelder?
Es ist das Telefon. Ich gehe ran und höre nur ein Freizeichen mit Rauschen und Knistern. Ich lege auf, es klingelt wieder, ich gehe dran, Freizeichen. Dieses Spiel spielen wir schlaftrunken eineViertelstunde lang. Dann ziehe ich den Stecker und suche eine Erklärung. Ich vermute, daß die Störung mit dem Haustelefon der Frau im ersten Stock zusammenhängt. Sie telefoniert gerne intern mit ihrer gebrechlichen Mutter im Erdgeschoß. Mein schnurloses Telefon scheint auf einer ähnlichen Frequenz zu arbeiten, denn kürzlich konnte ich ihr Gespräch auf meinem Telefon mithören.
Wieder im Bett, mein Geist schutzlos und nackt, grüble ich: ist meinem Vater etwas passiert? Oder Ruth? Fran würde sicherlich ihren Freund anrufen, wenn irgendetwas wäre, meine Mutter meine Mobilnummer.
Ich finde lange keinen Schlaf, die Muskeln in meinem Nacken ganz verspannt, weil sie einen so schweren Kopf tragen müssen.

Lektionen in Demut.

Ich war bei der Bank, ich habe mein Auto reparieren lassen, ich habe die Novembermusik verschickt. Ich habe die Daten aus der Maschine ausgewertet und meine Wohnung geputzt. Ich habe die Mutter meines Nachhilfeschülers besucht und ausreichend geschlafen.
Und jetzt, wo die Welle an Aufgaben über mich hinweggerauscht ist, ich endlich wieder in ruhigere Gewässer komme und auch mal wieder Zeit habe, ein Buch zu lesen – jetzt kommt die Depression.
Ganz sicher geht das wieder vorbei, ich habe da ja Erfahrung, vielleicht schon nächsten Mittwoch, wenn das Sturmtief über Deutschland hinweggezogen ist und ich nicht mehr im Bett liege und mich allein fühle, während draußen die Regentropfen gegen die Scheibe trommeln und die Fensterläden im Wind klappern.
Was mich bedrückt, das ist hier zu sein, in diesem Projekt festzustecken, in dieser Wohnung festzuhängen, in dieser Stadt festzukleben wie eine Fliege in Klebstoff: ich ziehe und ziehe und ziehe und komme nicht weg. Das macht mich müde.

Vielleicht ist es genau andersherum, und ich bin die ganze Zeit unterwegs, wie ein Schiffsjunge auf einem Segelschiff und warte darauf, anzukommen. Aber ich bin nicht der Kapitän, ich bestimme nicht den Kurs und kann nur jeden Morgen hoffen, endlich Land zu sehen.

Ich habs ja nicht so mit Ratschlägen. Für 110 Euro habe ich aber einen wirklich guten bekommen: ich solle folgenden Satz in meinem Herzen tragen (aber nicht auf meinen Lippen) –
Meine Zeit wird kommen.

Bis dahin heißt es Lektionen in Demut und trotzdem den Mut nicht verlieren, sondern ein fleißiger Schiffsjunge sein. Es sind wertvolle Lektionen, die mir später sicherlich nützlich sein werden, ich sollte dankbar sein. Aber manchmal liege ich im Bett, der Wind tobt draußen und ich bin traurig.

und.

Ich würde hier gerne mal was reinschreiben

über die schöne Unbekannte
über Jose Gonzalez und Konzerte an Montagen
über das, was meine Mutter neulich gesagt hat
und über meinen Nachbarn, der mich letzte Nacht um eins und dann wieder um fünf geweckt hat und den Soundtrack des letzen Einhorns hört und ja, er ist schwul und er nennt mich Schätzeken und er macht die Musik trotzdem nicht leiser und wahrscheinlich hat er ein Drogenproblem, das letzte Einhorn auf Speed, die Augenringe unter seinen Augen sind violett, meine Augenringe sind eher lila.

Ich würde hier gerne mal wieder was reinschreiben,
aber ich brauche meinen Schlaf, jetzt ist es 23:40 am Sonntag und ich bin auf der Arbeit und gehe gleich rüber zu dieser Maschine und werte Daten aus und dann gehe ich nach Hause und dann habe ich hmw und Jings immer noch keine Novembermusik geschickt, weil ich ein paar Zeilen dazu schreiben wollte aber ich kann nicht schreiben weil ich habe immer was zu tun und wenn nicht, dann muß ich schlafen. Morgen ist Montag und ich lasse mich zum ersten Mal in meinem Leben über Geldanlagen und Fonds beraten, von Fonds verstehe ich nichts, aber meine Eltern haben gesagt, ich muß mich beraten lassen und mich hineindenken, weil Geldanlagen gehören zum Erwachsenwerden. Es ist übrigens nicht mein Geld sondern ein vorgezogenes Erbe, damit ich Dinge regeln kann, wenn man Vater beim Bäume ausschneiden von der Leiter fällt.
Mein Vater wird irgendwann mal sterben und das irgendwann ist schon viel näher als mir lieb ist. Irgendwann schreib ich vielleicht mal was darüber, wie er älter wird und ich manchmal denke, ich kenne ihn gar nicht mehr, und ich mache mir Sorgen und denke, irgendwas in ihm erlischt langsam, aber ich glaube, ich schreibe da nie drüber, weil es geht mir zu nahe und ich trage es lieber bei mir.

23.45, ich gehe rüber zur Maschine und dann nach Hause und dann ins Bett, weil ich muß ja auch mal schlafen, und wenn der Nachbar wieder laut ist, dann drehe ich durch, und dann zur Bankberatung und dann arbeiten und dann Novembermusik und am Dienstag einen Termin mit dem Chef und nachmittags eine Besprechung und am Mittwoch arbeite ich, was mir mein Chef gesagt hat und abends gehe ich mit der Kollegin ins Kino und am Donnerstag bringe ich das Auto zur Reparatur (unbedingt vorher waschen), es braucht neue Bremsen, 150 bis 200 Euro, und nochmal 200 Euro für die Heizkostennachzahlung, das wars dann mit Weihnachtsgeld, und dann ist schon wieder Wochenende.

23.48, ich lese das jetzt nicht mehr durch, sondern drücke einfach auf veröffentlichen .

games people play

Bizarre Ereignisse hier im Hause Fragmente: ein Mann, den ich sehr anziehend finde (wir berichteten: 1/ 2/ 3 ) hat sich mit mir verabredet. Er möchte ein Brettspiel mit mir spielen. Brettspiel.
B-R-E-T-T-S-P-I-E-L.
Das erinnert mich an einen jungen Russen, den ich super fand und der mich gefragt hat, ob ich mal mit ihm in die Sauna gehen würde. Ich mußte leider ablehnen.
Die Gelegenheit, mit einem charmanten und testosteronverströmendem Kerl ein Brettspiel zu spielen (Mensch ärgere dich nicht?), werde ich mir allerdings nicht entgehen lassen. Ich bin mir übrigens zu fast 100% sicher, daß Brettspiel nicht das neue Codewort für schmutzigen Sex ist. Ich kenne den besagten Mann nämlich schon mindestens ein Jahr, und er steht einfach nicht auf mich. Er mag mich, wir verstehen uns gut, er legt Wert auf meine Meinung, aber er steht nicht auf mich. Ich habe damit einigermaßen meinen Frieden geschlossen. Ich habe kurz gelitten, so wie ich immer leide, und ich habe ihn überwunden, so wie ich immer überwinden muß, was ich nicht haben kann. Was bleibt, ist seine starke körperliche Anziehungskraft, die ich immer im Radius von 10 Metern um ihn herum spüre. In seiner Nähe wird mein genetische Programm eingeschaltet, Hormone werden ausgeschüttet, ich spüre, daß ich eine Frau bin. Es fühlt sich gut an, lebendig, süß und immer auch ein wenig bitter.
Am Sonntag nachmittag werde ich mit einem echt sexy Typen ein Brettspiel spielen. Ich werde einen Kuchen backen, ich werde Lippenstift tragen, ich werde mich sündigen Gedanken hingeben, während ich meine Figur über das Spielbrett wandern lasse. Ich werde sein wie immer.

(ohne Titel)

Die Blüten, aufgestickt auf meinen Büstenhalter, sind verwaschen.
Ausgewaschen hat sich auch das Rot meiner Haare.
Fast schon brünett, meint meine Mutter, ihr gefällts.

Mir nicht. Ich fühle mich zerschlissen.
Bald macht man Fetzen aus mir,
die man dann als Putzlappen verwendet.

Fällt mir keine andere Metapher ein?
Vielleicht ein Stein in einem Flußbett.
Körnchen für Körnchen- ich schaffs noch ins Meer!

Novembermusik

Ich möchte mich gerne bei allen, die mir etwas zum Geburtstag geschenkt haben, mit einer Mix-CD bedanken, die ich in den nächsten Tagen rausschicken werde. Wer das nicht will, weil zum Beispiel jemand den Briefkasten leert, dem man das nur schlecht erklären kann, der möge sich bitte per Kommentar oder Mail (frau_fragmente ad yahoo.de) melden.
Letztes Jahr habe ich eine kleine Broschüre gemacht mit ein paar Texten aus diesem Weblog. Wer daran Interesse hat, möge sich bitte ebenfalls melden. Also:

nichts tun = Mix-CD zugeschickt bekommen
mailen = was auch immer in der Mail drinsteht, also gar nix oder Mix-CD plus Broschüre.

Mir hat die viele Zuwendung von den Lesern und Leserinnen dieses Weblogs sehr gut getan und viel Freude gemacht. Daher: danke!