Papiernes

Gibt so ein paar Sachen, über die man zur Zeit schlecht Witze machen kann, Spritpreise zum Beispiel (abgenudelt), Weltfrieden (zu emotional) oder den dritten Weltkrieg (too soon).

Es ist brüchiger geworden alles, durchscheinend wie japanisches Papier. “Lohnt sich das jetzt noch?” ist so eine Frage, die unter der Oberfläche von fast allem ruht. Keller aufräumen? Ja, denn die Illusion, Ordnung zu schaffen, tut mir gut. Dekovorhänge fürs Schlafzimmer? Ja, Nestbau. Bewusster essen für bessere Blutzuckerwerte oder Schokolade für die Seele? Schwierig.

Ich mache, was ich immer mache, ich gehe ins Büro, ich komme heim, ich räume die Spülmaschine aus- und wieder ein. Ich tanke und ich kaufe Klopapier und Nudeln, ich spreche mit Frau N. über Bargeldreserven und mit Lieblingstwitter über Kurbelradios. Es fühlt sich alltäglich an, ich lade Powerbanks auf und teste Batterien als Teil meiner Routine, so wie ich das Waschbecken putze und Handtücher wechsle.

Frau N. fragt mich, wie oft ich tanken muss. Ich erzähle, dass ich jetzt öfter tanke. “Wegen Flucht”, fragt sie, und ich denke, sie macht sich lustig, und vielleicht tut sie es auch, aber dann sagt sie: “es beruhigt mich zu wissen, dass du gut nach Hause kommst”.

Seufz.

Meinen Streit mit dem Empfangsdienst habe ich eskaliert, auch wenn Frau N. meint, dass es eigentlich nicht mein Niveau ist, und nichts zu gewinnen ist. Mir scheint es aber irgendwie sehr wichtig zu sein, ich habe nämlich Recht und ich möchte, dass das anerkannt wird, auch wenn ich vermute, dass es der anderen Seite an der Fähigkeit mangelt, dies grundsätzlich einzusehen. Vielleicht zeigt die Zeit, was mich da reitet, gerade.

Meinen eigener Aufstieg innerhalb der Organisation mag ich gerade nicht so richtig vorantreiben. Auch interessant.

Zerbrechliche Zeiten. Als ich noch jung war, und rome von Rounders etc, da fand ich Charles Bukowski toll, und mich selbst so richtig edgy, wenn ich ihn gelesen habe. Each man must realize that it can all disappear very quickly, an diese Zeile habe ich mich heute morgen erinnert. All our foundations – including love – rest on foundations of sand.

Was die Liebe angeht, stimme ich nicht mit ihm überein. Für mich schafft die Liebe eine Verbindung, die nicht schwindet, auch nicht, wenn die Lebenswege auseinander gehen. Auch nicht durch den Tod

Auch meine Liebe zur Welt hat Bestand.

hoch, runter

Ich sitze in der Küche von Novemberregen und blogge. Hatte heute sowohl meinen Geldbeutel (andere Tasche) als auch mein iPad (mit Tastatur), über das ich normalerweise blogge, wenn ich bei Frau N. bin, zuhause vergessen. Zum Glück hat sie mich zu einem Mezze-Teller und Schawarma eingeladen, und jetzt darf ich auf dem Endgerät eines Haushaltsmitglieds bloggen.

Ich werde selten so verwöhnt wie bei Frau N. Ich war seit Oktober nicht mehr bei ihr zuhause, wir haben uns nur draußen oder per Video gesehen.

Bisschen über meinen Streit mit einem Empfangsmitarbeiter gesprochen. Es stellt sich heraus, dass mein Ärger ganz berechtigt ist, und auch nicht. Es ist schlechte Dienstleistung, wirklich sehr schlechte Dienstleistung. Ich fühle mich darüber hinaus auch gemaßregelt, vorgeführt, geschulmeistert. Ich kann die mangelnde Dienstleistung addressieren, aber nicht meine Gefühle, die muss ich wegatmen, wieder mal, ganz professionell.

Frau N. lacht, nicht über mich, nicht mit mir. Über die Situation, über das absurde, über das Theaterstück, das andere aufführen und in dem man unvermittelt eine Rolle zu spielen hat, die man nicht wollte.

Ich will, dass einmal irgendetwas einfach einfach ist.

Vor ein paar Jahren habe ich Frau N. gefragt, was sie noch für Ziele hat. Ich hatte das Gefühl, selbst alles erreicht zu haben – wobei alles hier ein großes Wort ist – zumindest: einen Sättigungszustand erreicht zu haben: Job war gut, Freundschaften gut, Wohnung war gut, Geld war gut, jede Menge Reisen, ich war mit mir ganz zufrieden, und doch unzufrieden, denn: was nun? Was als nächstes? Frau N. hat damals zu mir gesagt, sie wünscht sich einfach, dass alles so bleibt wie es ist.

Dann kam die Pandemie, und jetzt der Krieg, und wir sind dabei, mehr zu verlieren, als wir uns je hätten vorstellen können.

Stellen Sie sich vor, was mir heute Abend passiert ist: ich gehe aus dem Büro raus, rufe den Aufzug, die Aufzugtür geht auf und ein junger Mann mit Maske ist gerade dabei sich den Pullover über das Hemd zu ziehen. Ich glaube, er hat kurz gequietscht, als die Tür aufgegangen ist, und mir einen Blick zugeworfen wie ein Reh im Scheinwerferlicht. Ich habe dann höflich gefragt, ob ich zusteigen darf, wir haben beide ein bisschen gelacht, ich meinte, dass ich hoffe, dass er noch bekleidet ist, wenn wir unten ankommen, haha. Es war aber auch ein bisschen süß, ich habe mich beim Aussteigen bedankt, dass er mir ein Lächeln aufs Gesicht gezaubert hat.

Überhaupt, Aufzüge. Ich könnte lange über Aufzüge sprechen oder schreiben. Ist Ihnen schon einmal aufgefallen, dass zwischen der Aufzugtür und dem Boden ein schmaler Schlitz ist, der tückischerweise genau breit genug ist für ein Mobiltelefon oder eine Broschüre oder ein kleiner Dokumentenpack? Unter den Aufzügen gibt es eine Art von Käfig, in dem alles gesammelt wird, was da so unterfällt – oder zumindest die Splitter davon. Wer mal The time traveler’s wife gelesen hat, weiß, wovon ich spreche.

Ich denke da gelegentlich dran: einen Ort, an dem alles gesammelt wird, was wir je verloren haben, während wir hoch fahren oder runter, mitfahren oder aussteigen, aufbrechen oder ankommen.

Das klingt jetzt schon wieder so melancholisch, dabei geht es mir eigentlich ganz gut.

Scrabble

Seit Weihnachten spiele ich wieder Scrabble. in einer Online-Version, die anders heißt. Weil ich über die Feiertage viel und schnell spielen wollte, habe ich per “random opponent”-Spiele gestartet, oft mehrere parallel. Mit manchen Gegnern habe ich nur ein Spiel lang gespielt, mit anderen mehrere hintereinander, über Tage oder Wochen.

Es gibt Gegner, die unglaublich gut sind und Worte legen, die reine Scrabble-Worte sind, die man nie in der wirklichen Sprache verwenden würde, sondern nur bei dreifachem Wortwert. Es gibt Gegner, die – bewusst oder unbewusst – ziemlich gemein sind, die ihre Worte so legen, dass man nicht anlegen kann, oder der doppelte Wortwert unzugänglich gemacht wird, die ihren Ruhm auf fremden Federn aufbauen und lieber ein R für 14 Punkte anlegen als ein neues Wort für 12 Punkte zu legen.

Und es gibt Jennifer. Ich weiß nichts über Jennifer. Ihr Profilbild zeigt ein Naturfoto. Auf die eine oder andere Nachricht per Chat-Funktion hat sie nicht reagiert. Die Zahlen in ihrem Username könnten alles mögliche bedeuten. Es ist ein Name, wie man ihn den Kindern in der DDR gegeben hat, dann wäre sie jetzt Mitte 40, Anfang 50. Es könnte auch ein Name für ein Kind aus gutem Hause sein, wie Emil oder Charlotte oder Claus, ein wenig antik und jetzt wieder in Mode, in gewissen Kreisen.

Seit drei Monaten verbringe ich jeden Tag ein paar Minuten, manchmal auch deutlich mehr, in einem Spiel mit Jennifer. Ich habe neunzehn Mal gegen Jennifer gewonnen, und sie kein einziges Mal gegen mich.

Es ist mir erst spät aufgefallen. Ich wusste gar nicht, dass es da eine Funktion gibt, wo man das nachschauen kann. Ich habe dann angefangen, mir ein bisschen Gedanken um Jennifer zu machen. Hat sie vielleicht eine Einschränkung? Ist sie sehr jung, oder sehr alt? Hat sie viel Stress? Legt sie einfach keinen Wert auf Punkte? Hat sie ein kleines Kind, das nicht schläft, und dann spielt sie Scrabble mit einer Hand, die andere hält das Kind? Lernt sie gerade Deutsch – nein, so schlecht ist sie nun auch nicht.

Ich beschloss, Jennifer gewinnen zu lassen.

Es war gar nicht so einfach. Es war eine Herausforderung der anderen Art. Es hat ein bisschen Training gebraucht, eine innere Stimme, die sagt: erinnere dich, du wolltest doch gar nicht auf Maximum gehen, leg doch mal “MUS” für 4 Punkte. Leg “EIN” und lass sie “KEINER” drauß machen, doppelter Wortwert. Bau ihr Brücken zu den guten Feldern, öffne das Spielfeld.

Es hat mir gut getan, das Spielfeld zu öffnen. Ich habe selbst wieder mehr Spaß am Spiel gefunden, ein Spiel, in dem ich viele Optionen habe, in denen die Kreativität kribbelt, ich lange und ausdrucksstarke Worte legen kann. JAHRE, HÜNEN, NIXE.

Es hat dann leider noch ein bisschen gedauert, bis ich das erste Mal verloren habe. Heute war es soweit. Ich habe mich sehr gefreut.

Jennifer auch, vielleicht. Wenn es ihr überhaupt etwas bedeutet.

Tonight the sky

Frau Novemberregen tippt und tippt, es hört sich an wie ein Maschinengewehr, oder eine Strickmaschine. Aber mir fällt nichts ein, oder zumindest nichts, was es mir wert erscheint, festzuhalten.

Angefangen, etwas über Geld zu schreiben, aber es ist mir zu trivial. Nicht, dass es bedeutungslos wäre, nein, auch nicht direkt langweilig. Aber es ist ein schreiben ohne Pointe.

Vor ein paar Tagen mal in einem anderen als den beiden von mir bevorzugten Supermärkten einkaufen gewesen. Der Supermarkt gehörte zu einem Ensemble von verschiedenen Märkten am Stadtrand. Weiß da jemand ein Wort dafür? “Einkaufs-Areal” sagt Frau N.

Jedenfalls, der Supermarkt hat mir nicht gefallen, aber der Parkplatz. Das lag zum einen am Sonnenuntergang, zum anderen an meiner stillen Liebe für Nicht-Orte, ich schrieb hier schon einmal darüber. Ich ging über den Parkplatz, der Wind wehte mir durch den Mantel. Ich war unterwegs, aber ich musste nirgendwo hin, nirgendwo sein. Irgendwo sang eine Amsel, und von Hähnchengrill wehte ein Bratgeruch herbei. Der Mann vom Hähnchengrill sprach in einer seltsamen Sprache, es hätte georgisch sein können oder tunesisch. Ich spürte kurz einen Geschmack in meinem Mund, eine Lust auf das Leben, was man alles damit machen könnte, ich hatte Ideen und Pläne. Lebendigkeit.

Die Tage werden länger, und es wird heller.

in Wellen

Bloggen mit Novemberregen, aber der Videocall geht nicht. Und das in Pandemiemonat 23! Ich rufe sie schließlich ganz oldschool an.

Es geht ihr nicht so gut. Wir suchen nach positiven und rutschen doch immer wieder ab ins fatalistische, resignierte, freudlose. Belangloses, Histörchen und Beliebigkeiten.

Mir ging es im Sommer schlechter als jetzt, ich war ein paar Wochen wirklich durchgehend schlecht gelaunt. Seit Mitte Dezember habe ich mich damit abgefunden, dass passieren wird, was gerade passiert. Ich hasse die Art, wie ich mich abfinden kann mit Dingen. Es ist keine gute Eigenschaft. Aber in diesem seltsamen Egalsein entfaltet sich bei mir eine Gemütlichkeit, ein für sich sein: auf dem Sofa sitzen, ein gutes Buch lesen, Schokolade dazu, aus dem Fenster gucken, TikTok.

Ich will Party machen und auf Konzerte gehen, sagt Novemberregen.

Ich bin nicht traurig darüber, dass es keinen großen Knall gab, kein Zusammebrechen der kritischen Infrastruktur, leere Supermärkte, fehlender Nahverkehr, keine Müllabfuhr – zu den Krankenhäusern will ich lieber nichts formulieren. Ich bin darüber nicht traurig, aber vielleicht hätte eine solche Eskalation wirklich dazu geführt, dass ich etwas ändert. Das viel beschworene Umdenken.

Stattdessen geht alles einfach immer so weiter, und die Leute positiv zur Arbeit, oder sie wissen es nicht, weil sie glauben, man dürfe sich nicht mehr PCR-testen. Hier und da schließt ein Kindergarten, ob in der Schule noch viel Unterricht stattfindet, scheint mir zweifelhaft. Wenig Berufsverkehr zur Zeit, ich komme gut durch.

Ob es jemals endet.

milder Verlauf

Ich konnte es bislang vermeiden, COVID zu bekommen, sagt der Kollege aus dem Königreich zu mir. Die Marker wandeln sich. Wir haben gar kein Wort für sie, die Nicht-Infizierten, die Noch-nicht-Infizierten. Sie sind bald in der Minderheit.

Ab März muss der Kollege wieder ins Büro, dreimal die Woche mindestens, die Abteilung teilt sich einen Raum. Es sind fünf oder sechs oder sieben. Am 27.01. wurden alle Schutzmaßnahmen landesweit fallen gelassen. Homeoffice wird nicht mehr verlangt, und Masken nur noch freundlich empfohlen, vielleicht in der Tube oder so.

Er geht davon aus, meint der Kollege, dass er sich dann in den nächsten Monaten anstecken wird. Vielleicht wird’s ja ein milder Verlauf.

Boris Johnson hat heute sorry gesagt, für die Parties während des Lockdowns. Die Supermarktregale wären aber wieder voller, erzählt der Kollege, trotz 19 Stunden Wartezeit in Dover für die Lastwagen.

Deutschland zählt die COVID-19-Infektionen noch weniger genau als bisher und testet weniger, berichte ich. Der Kollege meint, bei ihnen werden keine Reinfektionen mehr gezählt, sondern nur noch die erste Infektion. Auch eine Art, die Zahlen zu schönen.

Ich versuche zu recherchieren, wie oft man COVID bekommen kann. Es gibt einige, die Wildtyp oder Delta hatten, und jetzt Omicron trotz Impfung. Kann man mehrfach Omicron bekommen? Omicron und dann diese neue Subvariante, B.2?

Es ist zu deprimierend, darüber nachzudenken. Ich halte mich daran fest, dass es besser wird, wenn wir erst durch die Wand von Omicron durch sind, wenn es wieder wärmer wird, wenn sich der Virus totgelaufen hat, wenn der Omicron-Impfstoff da ist, oder wenn ich zum vierten Mal geimpft bin.

Ich habe eine andere Zeit im meinem Leben schon einmal mit solchen Durchhalteparolen durchgehalten. Es war keine gute Zeit, es hat mich viel gekostet, und es hat mich beschädigt.

Manchmal wundere ich mich ein bisschen, dass wir alle noch morgens aufstehen, uns anziehen, und Büro spielen. Es ist das oder durchdrehen, wahrscheinlich.

Absurd, das alles.

2021

Wasn Jahr.

Die meiste Zeit schlecht gelaunt gewesen. Das bedeutet nicht, dass es nicht auch gute Tage, schönes und sogar Glücksmomente gegeben hätte. Aber die Baseline war doch recht weit unten. Das liegt natürlich an der COVID-19-Pandemie und am zunehmenden von mir als schlecht empfundenen Management durch beide Bundesregierungen.

Die Pandemie ist die größte Krise seit dem 2. Weltkrieg und hat eine große disruptive Kraft. Und der Scheiß hört einfach nicht auf, sondern wird in Q1/2022 noch einmal so richtig schlimm. Da kann man schon einmal sehr schlecht gelaunt sein.

So richtig rumjammern kann ich leider nicht, denn es geht mir im Vergleich zu anderen sensationell gut. Ich habe Arbeit, muss mich im Büro nur selten mit Impfgegenern auseinandersetzen, bin dreifach geimpft, genieße finanzielle Sicherheit, kann remote arbeiten, wenn es sein muss, und habe keine chronische Krankheit. Aber so hatte ich mir mein Leben nun auch nicht vorgestellt, mit diesem sich durchhangeln irgendwie, und der ständigen Risikoabwägung. Mein Leben vor der Pandemie war geprägt von kurzen und langen Reisen, Konzertbesuchen, Treffen mit Freunden, Karaoke und nice little restaurants where they know your name. Ich weiß, andere haben so viel mehr verloren. Aber trotzdem.

Was war sonst noch? Ich habe 2021 sehr viele Impftermine organisert. Das hat mir gut getan und mir die Illusion von Kontrolle gegeben. Vielleicht habe ich dadurch auch tatsächlich hier und da eine Infektionskette unterbrochen. Schöner Gedanke.

Die Branche, in der ich arbeite, zählt zur kritischen Infrasturktur, obwohl wir etwas wirklich ganz anderes machen als Feuerwehr und medizinische Versorgung. In Erinnerung bleiben wird mir eine Veranstaltung des Arbeitgeberverbands, in dem darüber gesprochen wurde, ob man Bescheinigungen zur bevorzugten Impfpriorisierung nur bestimmten Personen im Betrieb oder allen ausstellen sollte. Der Sprecher hat berichtet, dass er vor zwei Wochen dafür plädiert hätte, dies nur für bestimmte Personen zu tun, dass aber mittlerweile große Organisationen dies für alle ausstellen. Daraufhin habe ich für alle in meinem Büro ein solches Schreiben ausgegeben. Etwa drei Wochen später ist die Impfpriorisierung insgesamt gefallen, was mein Gewissen etwas erleichtert hat.

Was war schön in 2021? Ich habe mir ein neues Auto gekauft, das mir überraschend viel Freude bereitet. Im Wellental habe ich zwei schöne Urlaubsreisen gemacht, jeweils Ferienhaus mit Pool. Das erste Mal Außengastronomie war wirklich sehr schön. Ich habe einen Tomaten-Burrata-Salat mit gebratenem Pfirsich entdeckt und zuhause viele Male nachgekocht. Perseiden waren toll dieses Jahr. Immerhin einmal Karaoke allein mit Frau N. Viel schöne Zeit mit Francine, insbesondere der eine Abend, als ich einfach so vorbeigekommen bin, und wir sind spazieren gegangen.

Ich habe für eine Person aus einem Kriegsgebiet ein Schengen-Visum erwirkt. Und dann noch eine COVID-19-Impfung, obwohl keine Krankenversicherung und keine Meldeadresse in Deutschland.

Im Büro zum ersten Mal direkt Game of Thrones-Style attackiert worden. Am Ende das Schreibtischelement des anderen ausgeräumt und seine Visitenkarten weggeworfen. Hätte ich drauf verzichten können. Vor Misserfolgen nicht gefeit gewesen, aber auch viele Momente der schönen Zusammenarbeit und der Wertschätzung. Aus dem Urlaub wieder ins Büro gekommen und der ganze Schreibtisch war voll mit kleinen Geschenken, zum Beispiel. Schon wieder eine Beförderung angeboten bekommen, weiß nie, wie ersthaft das ist. Weils in einer anderem Geografie wäre, und für einen Teil der Organisation, der gerade langsam untergeht, werde ich freundlich ablehnen.

Das negative: fünfmal Wasser im Keller wegen Kanalproblemen. Ziemliche Belastung durch Immobilienverkauf und (gescheiterten) Immobilienankauf meiner Mutter, sie war da sehr emotional. Einmal so gestritten, dass ich geheut habe.

Unbekannte Virusinfektion im Oktober (hier beschrieben: steril). Doch nicht in den Emiraten gewesen. Das ganze Jahr kein einziges Mal Motorboot gefahren.

Müde gewesen.

Zwei gute Bucher dieses Jahr: einen Erotikroman (“morning glory milking farm“) mit Minotauren und sowas wie Sexarbeit, aber vielleicht doch eher Physiotherapie, und dann wird es überraschend romantisch und optimistisch und wärmt das Herz.

Das andere ist The Empress of Salt and Fortune über eine Kaiserin wider Willen, die aus dem Exil heraus einen Coup organisiert. Die Geschichte wird ganz indirekt erzählt, in einer wunderbaren Sprache, sehr tragisch, aber auch sehr kraftvoll, und mir queeren Elementen, die man nicht erwartet hätte.

Bester Film Your Name, wenn auch schon etwas älter.

Bester Eintrag in diesem Blog: die Sache mit dem Marder.

Es gab auch zwei schöne neue Platten dieses Jahr: einmal Californian Soil von London Grammar, und dann noch Seventeen going under von Sam Fender. Im Titelsong heißt es:

I was far too scared to hit him/ but I would hit him in a heartbeat now/ that’s the thing with anger/ it bets to stick around…

Ja, 2021 war Anger eine vorherrschende Emotion. Nehme ich sie mit ins neue Jahr?

David Bowie

Auf dem Heimweg ein paar Tränen in den Augen gehabt. So ein Tag war das heute. Die Autobahn schwarz, die Rücklichter rot, die Spurstreifen weiß, ein Rauschen durch die Nacht, ein leichtes Nieseln. Weggewischt, automatisch.

Wenn die Organisation, für die ich arbeite, ein Mensch wäre, dann vielleicht so jemand wie David Bowie. Ganz besonders, ganz eigen. Unendlich interessant. Zu ganz großer Kunst fähig. Manchmal sehr kompliziert, sehr launisch, streng und hart zu sich und anderen. Mit großer Vision. Verrückt, und manchmal auf Drogen. Alles kann sehr umständlich sein oder sehr einfach. Und man weiß nie genau, ob man ihn gerade ansprechen kann oder nicht.

Fast alle in seinem Team wären spannende Leute, von den Musikern über das Management bis hin zu den Roadies. Ich mache vielleicht sowas wie Tourmanagement, halte die kleinen und die großen Räder am Laufen, verhandele mit Veranstaltern und dem Brandschutz und fische die gelben M&Ms im Dressing Room aus seiner Schale, die mag er nicht so gerne.

Hin und wieder passiert es mir, dass Menschen auf mich sauer sind, aber eigentlich David Bowie meinen. Sie schreiben mir lange Emails mit Vorwürfen, in denen ich mich nicht erkenne, und kopieren den Geschäftsführer der Plattenfirma mit ein. Es ist einfacher, mich anzugreifen als David Bowie, ich bin verfügbarer, ich bin erreichbarer, und ich bin risikoärmer. Wer will schon was zu David Bowie sagen, das man dann nicht mehr zurücknehmen kann?

Mich trifft das, ich fahre im Auto und fühle mich heuli. Weil’s ungerecht ist. Weil’s gemein ist, und die, mit denen ich heute morgen noch glaubte, hervorragend zusammenzuarbeiten: sie wissen genau, wie sie mich treffen können. Weil ich nicht gesehen werde, als ich.. wenn es doch wenigsten wirklich um mich ginge. Weil ich es aufräumen muss, wieder in Ordnung bringen muss, ein klärendes Gespräch, Verständnis zeigen, einfülsam sein, die eigene Verletzbarkeit zurückstellen.

Ob es unvermeidlich ist, diese Übertragung, eben Teil meiner Rolle?

Es gibt da eine kleine Stimme in mir, die mir sagt, ich solle weniger machen. Mich ein bisschen zurücknehmen. Mich vor allem raushalten aus anderer Leute Angelegenheiten, ihnen weniger helfen, weniger Feedback geben.

Ich würde David Bowie auch mit weniger weiterhin helfen können, seine Kunst zu machen. Seine Shows wären hinten vielleicht etwas mehr durch Klebeband und Schnur zusammengehalten, würden vorne aber genauso glitzern. Und er würde mich sicherlich weiterhin gelegentlich anlächeln, nach der Show, ein Glas in der Hand und sowas sagen wie: “it was quite good tonight, don’t you think?

Was hindert mich daran, der kleinen Stimme nachzugeben? Warum muss es immer so viel sein, als wäre ich die Künstlerin, besessen und brennend, bis nichts mehr da ist?

steril

“Das Jahr ist vorbei”, pflegte mein ehemaliger Europachef ungefähr ab September stets zu sagen. Er bezog sich dabei auf die Bankenwelt, in der ab September/Oktober meist keine neuen Projekte – zumindest solche, die für ihn Ertrag brachten – gestartet wurden. Im Juli und August ist ganz Frankfurt im Sommerurlaub, die restlich verbliebenen tragen Business Casual und vertreten dauernd mindestens drei Kolleg:innen. Entscheidungsfähig ist man erst wieder frühestens im September, und dann haben alle nur noch das Erreichen der KPIs, der Jahresziele und das Beenden von Angefangenem im Sinn.

Das Jahr ist also vorbei, und es war bisher für mich ein ziemlich merkwürdiges Jahr. Die erste Hälfte war geprägt von der Jagd nach Impfterminen und der großen Erleichterung, als endlich alle Nahestehenden versorgt waren. Anfang Juli ein ganz kurzer Sommerurlaub, und dann eine lange Phase der Vertretung anderer.

Mit dem Sommer bin ich sehr unzufrieden. Beruflich musste ich in der Vertretungsfalle dauernd spaßbefreite Sachen machen. Es war eine dauernde Überbelastung bei gleichzeitig sehr unterdurchschnittlichem Erfolg und Weiterkommen, ein Gefühl wie festgeleimt. Das Wetter war eine Enttäuschung, ich hätte ein paar heiße Tage gebraucht, um in der Sonne zu liegen und mich einmal bis auf die Knochen durchwärmen zu lassen. Ich war kein einziges Mal am Badesee, zu kalt, und habe viel zu selten keine Socken getragen. Ich habe die Ziele, die ich mir selbst gesetzt hatte, fast alle verfehlt: ich war nicht bootsfahren, habe keine Unternehmung mit K1 von Francine gemacht, war nicht in Berlin und habe auch keinen der geplanten Ausflüge in die Umgebung realisiert. Lediglich Perseiden gucken und Steak essen mit Novemberregen hat geklappt. Beim Karaoke war ich auch. Über allem hat sich innerlich ein Schwermut gelegt, ich war getrübt und betrübt, hatte noch weniger Lust, etwas zu machen, und noch mehr Frust, weil ich nichts gemacht habe. Eine abwärts gerichtete Spirale.

Im Frühherbst dann ein schöner Urlaub über meinen Geburtstag, warm und mit Pool, und eine ganze Reihe schöner Mittagessen mit Freund:innen und Kolleg:innen, draußen sitzend und Delikatessen verspeisend.

Bis ich krank geworden bin, zehn Tage lang, fünf davon absolut bettlägrig. Fieber, Schüttelfrost, Kopf- und Gliederschmerzen. Fast keine Erkältungssymptome. Kein COVID-19, wohl auch keine echte Grippe, aber eine “unbekannte Virusinfektion”. Das hört man ja gerne. In der Woche, bevor ich krank geworden bin, war ich zweimal im Restaurant, in Innenräumen, weil es draußen zu kalt und nass war. Sehr ungewohnt, mit so vielen unmaskierten Menschen auf kleinen Raum zu sitzen – im Büro wird fast ausschließlich Maske getragen – und ich kann nicht anders als zu denken, dass ich mich im Restaurant angesteckt habe. Eine Gewißheit gibt es natürlich nicht, und ich erkenne an, dass meine Wahrnehmung durch mein subjektives Gefühl der Verunsicherung geprägt ist. Aber der Gedanke bleibt.

Da ich weiß, wie schlampig die COVID-19-Zertifikate in den Restaurants geprüft werden, sind die steigenden COVID-19-Zahlen für mich also keine Überraschung. Ich hab das ganze auch schon Ende Juni prophezeit, ich kleine Kassandra:

Es stimmt nicht ganz, dass ich nicht überrascht bin: ich bin überrascht, wie hoch die Zahlen sind, mit Inzidenzen über 250 in Deutschland und über 1.000 in manchen Landkreisen, bis zu 50.000 Neuinfektionen pro Tag. Die Zahlen sind höher als jemals zuvor, obwohl es 70% Geimpfte gibt und – vielleicht – auch gar nicht mehr so viel getestet wird. Exponentielles Wachstum ist trotz der vielen Erklärungen von Frau Dr. Merkel eben doch etwas, dass wir Menschen nicht in unserem Zahlengefühl haben.

Wir hätten alle Mittel, um die Pandemie zu besiegen, aber sie werden nicht genutzt.

Ich bin darüber maximalst frustriert und deprimiert, mütend und resigniert. In meinem Tweet habe ich einen Lockdown prognostiziert. Ich antizipiere bereits den Kommentar, der erläutert, dass es in Deutschland nie einen echten Lockdown gegeben hat (meint z.B. man darf das Haus nur in Ausnahmefällen und zum nächstgelegenen Supermarkt verlassen). Ich meine mit “Lockdown”: Kontaktbeschränkungen, Einzelhandel und Restaurants geschlossen, Homeoffice-Pflicht, Distanzlernen, Veranstaltungsverbot. Ich denke, eine Mischung aus den genannten Lockdown-Maßnahmen liegt in der Luft, aber die Würfel sind noch nicht gefallen.

Es ist auch egal. Es wird für mich einen individuellen Lockdown geben. Definitiv keine Restaurantbesuche in Innenräumen mehr. Keine Dienstreisen. Keine Hotels. Kein Wellness, kein Schwimmbad, keine Massagen. Mehr Homeoffice. Keine Veranstaltungen. Kein Weihnachtsmarkt. Eher kein Einzelhandel.

Ich werde eine Art Selfcare-Liste anlegen mit allem, was noch geht. Karaoke im Einzelraum mit Francine (geimpft) würde vielleicht gehen. Kaffee draußen mit Novemberregen geht. Die zauberhafte Sarah zuhause besuchen geht. Sich die Martinsgans fertig zubereitet liefern lassen geht. Ich werde wieder mehr spazierengehen. Vielleicht kaufe ich mir eine Wildkamera mit W-LAN-Funktion, um den Marder bequem vom Sofa aus zu beobachten. Netflix bringt die zweite Staffel von The Witcher. Ich werde Dune streamen, auch wenn es im Kino schöner gewesen wäre. Ich habe ein Blumenabo. Wir werden wieder mehr Videokonferenzen unter Freunden machen.

Nächste Woche bekomme ich meine dritte Impfung. Ich überlege, im Dezember in die Emirate zu fliegen. Ganz schön paradox, oder? Die Rechtfertigung ist, dass bei 30 Grad das Leben eher draußen stattfindet, und die Emirate ein ziemlich regeltreues Land sind. Ungeimpfte müssen fünf Tage in Quarantäne, was das Land als Urlaubsziel für Coronaleugner nicht attraktiv macht. Bei Einreise müssen alle, auch die Geimpften, einen PCR-Test machen. Die 7-Tages-Inzidenz liegt bei 5 (in Worten: fünf). Risiko bleibt der sechsstündige Flug und die Zeit am Flughafen.

Man kann kein steriles Leben leben, sagte der Arzt zu mir, als ich beklagt habe, dass ausgerechnet ich mich angesteckt habe mit jenem unbekannten Virus. Alles hat seinen Preis, und ich atme auch sehr gerne. Ich muss mich entscheiden, und wünschte mir, ich müsste es nicht.

die Sache mit dem Marder

Der Garten meiner Mutter ist sehr schön. Sie wohnt hier seit ein paar Jahren, aber der Garten isz viel älter. Es gibt Weinreben, einen Pfirsichbaum, Himbeeren, und jeder Menge Sträucher und Stauden. Kein Rasen, sondern ein mediterraner Bauerngarten (Zucchini!), den vor ihr jemand mit großer Liebe angelegt hat, und den sie mit ebensolcher Liebe wieder freigelegt hat. Dazu gehört auch ein Nebengebäude, es könnte einmal eine große Garage gewesen sein oder eine kleine Werkstatt, vielleicht auch ein Stall für Geflügel oder Hasen. Als meine Mutter eingezogen ist, hat sie so einige Renovierungsarbeiten durch einen etwas schrulligen polnischen Handwerker machen lassen. Dabei wurde auch das Nebengebäude neu gefliest, gestrichen und unter den Dachbalken eine Rigipsdecke eingezogen.

Eines Tages entdeckte sie an der Rigipsdecke einen gelben Fleck. Es sah verdächtig nach Urin aus. Meine Mutter dachte gleich an einen Marder, mir kam das sehr exotisch vor. Dass es ein Marder sein könnte, machte meine Mutter an den Kackwürstchen fest, die sie regelmäßig vor ihrer Haustür oder vor ihrem Auto fand. Wir begannen eine mehrere Wochen andauernde Kackwürstchendiskussion, in die dann auch noch die Nachbarn reingezogen wurden. Katze oder Marder? Es wurden Kackwürstchenbilder per WhatsApp ausgetauscht, und gerätselt.

Dann die erste Mardersichtung. Meine Mutter sah ihn quer durch den Garten flitzen und im Dach des Nebengebäudes verschwinden. Ein paar Tage später begegnete mir draußen auf der Straße etwas, das irgendwie nicht wie eine Katze aussah, und im Vorgarten quer gegenüber verschwandt.

Es begann eine große Diskussion, wie der Marder vertrieben werden könnte. „Der Marder muss weg!“, sagte meine Mutter, und ich kaufte einen Anti-Marder-Duftstein bei Amazon. „Der Marder muss weg!“, sagte meine Mutter, und ich kaufte ein Marderspray bei Amazon. „Der Marder muss weg!“, sagte meine Mutter, und ich kaufte eine Marderfalle (lebend!) bei Amazon. Abends befüllten wir die Marderfalle mit rohem Ei, Honig, Trockenfrüchten, Joghurt, und Marder-Lockstoffen. Am ersten Morgen befreite ich einen sehr indigniert guckenden Igel. Danach nichts mehr. Wir versuchten es mit Katzenfutter, fingen aber weder einen Marder noch eine Katze.

Ich stellte eine Wildkamera auf, obwohl es dafür eigentlich keinen Grund gab, wir hatten ja beide den Marder gesehen. Ich redete mir ein, dass Wildbeobachtungen im Garten meiner Mutter ein gutes Lockdown-Hobby sein könnte. Im Grunde brauchte ich wahrscheinlich einen wissenschaftlichen Beweis, dass es wirklich ein Marder ist.

Jedenfalls, hier ein leicht verschwommenes Bild des Kackwurstproduzenten:

Lebendfalle (schmaler Kasten an der linken Seite) wurde leider weiterhin ignoriert.

„Der Marder muss weg!“, sagte meine Mutter und kaufte auf Amazon ein Ultraschallabschreckgerät. Der Marder blieb.

Ich führte derweil viele Gespräche über den Marder, nicht nur mit meiner Mutter, auch mit anderen ehemals oder aktuell Marderbetroffenen. „Immerhin ist es euer Marder“, sagte AF Friedenau, „wer weiß, was danach kommt?“. Die richtigen Probleme entstehen ja eigentlich erst, wenn ein neuer Marder kommt, der sich von den Duftresten des alten Marders gestört fühlt, und dann überall hinpinkelt und die Kabel im Auto durchbeißt.

Es ist jetzt einiges an Zeit verstrichen, meine Mutter hat sich anderen Themen zugewandt. Ich habe das To-do „Marder“ noch auf meinem Whiteboard stehen. Vielleicht wische ich es weg, lasse das Problem aus dem Vordergrund in den Hintergrund verschwinden. Wo es einmal einen Marder gibt, wird es immer wieder einen Marder geben. Es sei denn, meine Mutter asphaltiert ihren Garten und reisst das Nebengebäude ab.

Irgendwie gefällt mir ja auch der Gedanke, dass der Marder sich an dem Garten erfreut, die Beeren schnabuliert, den Spatzen Eier aus dem Nest klaut, und sich mit den Katzen kloppt, während die Nachbarschaft am späten Abend vor dem Fernseher oder den digitalen Endgeräten sitzt. Ich will jetzt nicht sagen, „wir müssen lernen, mit dem Marder zu leben“. Das klingt zu sehr nach Pandemie, und ich glaube, dass COVID-19 eine gesamtgesellschaftliche Herausforderung ist, der wir uns stellen müssen.

Aber im kleinen, im Alltag und im Leben, da gibt es – meine ich – Probleme, die bleiben. Manchmal lösen sie sich von selbst, manchmal verschwinden sie in den Hintergrund unserer Wahrnehmung. Die Gefahr, die von ihnen ausgeht, ist manchmal kleiner und manchmal größer als wir glaubten.

Wir wissen es nicht. Wir können manchmal nichts sinnvolles dagegen tun.

Das ist die Lektion des Marders.