Sehr geehrter Herr Heinen,

heinen

vielen Dank, daß Sie mich in der Netzeitung erwähnen. Die Unterstreichung von Erotik und Sexualität bringt mir viel Traffic. Leider ist Quantität nicht gleich Qualität, und so bin ich mir noch unschlüssig, ob Sie es gut mit mir meinen oder heimlich Rache an mir üben wollen, indem Sie mir die ganzen Perversen vorbeischicken. (Hätten Sie Melancholie und Depression unterstrichen, wäre es womöglich schlimmer gekommen.)

Mein Vorschlag an alle, die Erotik und Sexualität suchen:
hier, hier und hier lesen, eventuell onanieren, dann bitte gehen und nicht mehr wiederkommen.

for the records

Heute zweimal von der Mutter meines Nachhilfeschülers umarmt worden (Begrüßung & Abschied). Der Nachhilfeschüler ist endlich & knapp durchs Abitur. Ohne Sie hätte er nicht geschafft sagt seine Mutter mantrahaft. Ich halte das für überhöht, bin aber trotzdem dankbar, daß ich wenigstens diese mir zu gewiesene Aufgabe, nämlich einen jungen Menschen ein Stück seines Lebens zu begleiten, einigermaßen zufriedenstellend erfüllen konnte.
Wir machen zwei Stunden small talk. Wie es mir geht, fragt niemand, aber seine Mutter kocht mir was zu essen. Auch so ein Muster, daß sich durch mein Leben zieht.

(ohne Titel)

Ich muß unbedingt Kleenex kaufen und mir wieder eine Packung neben das Bett stellen. Nachts kommen die Tränen, nicht wie Regentropfen, sondern Wasserfälle. Das ist mir nicht so peinlich wie mein Durst nach Umarmungen. Ich erschleiche sie mir, lege hier und da einen Arm um eine Kollegin. Gehe extra bei Christina vorbei, die umarmt mich immer. Stehe dichter neben dem großen, breiten Kollegen, als es schicklich ist. Unsere Köpfe berühren sich fast, als er mir etwas am Monitor zeigt. Wenn er neben mir geht, streicht sein Ellbogen manchmal über meinen Oberarm, wo mein T-Shirt-Ärmel zu kurz ist.
Ich bin so durstig. Ich schäme mich. Ich bin wie jemand, der aus der Tasse eines Kollegen trinkt.

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Ob Angelika schon da gewesen sei, frage ich. Nein, sagt sie, und dann: weißt du, das kann eben nicht jeder… einen Sterbenskranken besuchen. Sie sagt es mit einer Milde, die ich von ihr, der sonst so bissigen, nicht kenne. Sie sagt es mit einer Klarheit, auch über ihren eigenen Zustand, die mich überrascht.
Sie sagt: reib mir mal über den Buckel, und lehnt sich vor. Meine Hände streichen über Wirbel wie Bauklötzchen, wie Zaunstäbe, so dünn ist sie geworden. Sie, die früher so dick war wie ich. Ihr müßt es so machen wie bei Joschi, sagt sie, Abschied nehmen und dann den Deckel zu. Die Leute aus dem Dorf sollen nicht sehen, wie faltig sie geworden ist. Aber die Haut ihrer Hände, sonst so rauh, ist glatt und zart geworden. Ich halte sie, ich streichle sie, und lasse sie nicht los. Als ich es doch tue, ist es schwer, ein kleiner Abschied vor dem großen. Wir wissen beide, wir werden uns nicht wiedersehen. Zumindest nicht auf Erden.

den Wellen zuhören.

Eine Woche Urlaub. Gleicher Ort wie letztes Mal.

Die Schwierigkeiten mit meiner Arbeit sind so groß geworden, daß ich mich entschlossen habe, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Nach meinem Urlaub habe ich einen Termin.

Jetzt werde ich erst einmal den Wellen zuhören.

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mit welchem Recht?

Warum gibt uns Gott Aufgaben,
die zu groß für uns sind?
Warum geben wir uns selbst Aufgaben,
die zu groß für uns sind.

Die Jury von DSDS,
die Jury von next Topmodel,
die Jury von you can dance.

Abbilder der Jurys des Alltags,
die über uns richten.
Schonungslos, ohne Gnade, ungerecht.

In den Augen der Kandidaten
sehe ich meine Furcht.
Und selbst wenn ein anderer über die Planke geht,
bleibt diese Furcht.
Aus Menschen werden Mäuschen, zitternd.

Es ist nicht gut, von Furcht regiert zu werden.