Ticker

Gestern schlapp gefühlt, früh ins Bett, und aus Alpträumen aufgewacht: Halsschmerzen, beginnende Seitenstrang-Angina.
Ich lese am Samstag, egal wie es mir geht, notfalls stelle ich die Texte pantomimisch dar.

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So’n bisschen Schiß vor der Lesung habe ich ja schon. (Meinem Unterbewußtsein werden aber auch so miese Tricks wie jetzt mit ’ner Seitenstrangangina anzukommen, nichts helfen. Ich lese.)
Wie immer nehme ich alles sehr wichtig und sehr ernst, das kann ich nunmal nicht ändern. Persönlichkeit. Es würde mich also treffen, wenn die Lesung in die Hose geht, und ich mache mir ein wenig Sorgen, weil ich nicht weiß, ob McWinkel und ich das gleiche Zielpublikum haben.
Andererseits bin ich von den drei Texten, die ich lesen werde, überzeugt. Das sind gute Texte, gute Geschichten.

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Die Zeit ist ein wenig knapp. Mein Nachbar Ali hat mal wieder für eine Geschichte gesorgt. Außerdem gibt es jetzt schon Familienstreß wegen Weihnachten. Dabei war das doch gerade eben erst.

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Sie wollen mal wieder was gutes lesen?
Ein Schildkrötenleben. [via Frau Klugscheisser.]

Offener Brief an Jings.

Früher, als ich noch jung war und als es noch keine Mobiltelefone gab, habe ich manchmal Botschaften mit Kreide auf den Asphalt geschrieben.

Verena – hatte schon nach der 4. Schluß und bin heim.

zum Beispiel. Oder:

Lieber Peter, wir sind schon vorgegangen ins Café Neumann. Kommst du nach?

Ich habe ein wenig Schwierigkeiten, jemand zu erreichen, der hier oft kommentiert: Jings. Jings verweigert mir leider bislang seine eMail-Adresse. Ich würde ihm auch ganz altmodisch einen Brief per Post schreiben, weiß aber nicht, ob ihn das nicht vielleicht in Verlegenheit bringt. Deshalb:

Jings! eMail oder Post?
Grüße, fragmente.

Robert Smith vs. Roger O’Donnell

Vorabinfo: erstgenannter ist essentielles Mitglied von The Cure, zweitgenannter nicht, so daß Mr. Smith Mr. O’Donnell (zusammen mit Perry Bamonte) Anfang diesen Jahres aus der Band entfernt hat.

Robert Smith hat mehr Charisma.
ABER
Roger O’Donnell versteht das Internet.

Insgesamt stehen die Dinge für Roger nicht schlecht. Er ist zwar nicht mehr in The Cure, macht dafür jetzt aber selbst Musik, und zwar – wie ich finde – gelungen:
Roger O’Donnell plays to the cows
und for the truth in you. (beides youtube)
Außerdem hat Robert Smith den Rausschmiss nicht gerade elegant bewerkstelligt, so daß Roger O’Donnell sozusagen als moralischer Sieger aus dem ganzen hervorgeht.
Dafür hat Robert Smith, wie gesagt, unschlagbares Charisma.

mechanisch

Was dir an dieser Stellung so gefällt, frage ich dich.
Es ist was mechanisches, sagst du und drehst dich um.

Ich stehe auf, gehe ins Bad, und erhasche einen Blick auf mich im Spiegel.
Ich bin schön wie nie. Mein Gesicht leuchtet, meine Lippen glänzen, die Haare rot und wild.
Mit meinem Daumen fahre ich mir übers Brustbein. Dahinter tickt und klickt es. Wenn ich mich öffnen könnte mit einem Knopf oder einem Türchen, dann würde man lauter Zahnräder sehen, wie in einer Uhr, die sich unablässig bewegen.
Ich denke an die Androiden bei Asimov oder Star Trek. Immer sind sie voller Sehnsucht.
Ich kann sie verstehen.

cog

Körpergedächtnis

Beim Aufräumen fällt mir ein Buch in die Hand; ich blättere darin, lese mich fest. Setze mich aufs Bett, lege ich mich schließlich hin und merke nach ein paar Seiten, daß ich genauso liege wie Du – nein, wie wir – das gerne mochten. Plötzlich bist Du da, durchscheinend zwar, aber so real in meiner Vorstellung, daß ich fast glaube, Dich zu spüren.
Die Sehnsucht, die sich nicht wegargumentieren läßt. Ich kann mir zwar verbieten, an Dich zu denken, aber mein Körper erinnert sich. Ich könnte Dich anrufen, jetzt sofort, mich vielleicht sogar mit Dir verabreden, aber Du bist nicht wie in meiner Vorstellung, das weiß ich. Du, wie ich glaube, daß Du bist, und Du, wie Du wirklich bist, das sind zwei verschiedene Sachen, und weil ich von Deinem realen Selbst verlange, was nur mein Bild von Dir kann, enttäuscht Du mich und machst mich unglücklich. Ich grolle Dir dafür, und weiß doch: es ist nicht Deine Schuld. Niemand hat Schuld, und wenn doch, dann am ehesten ich, oder zumindest sind meine Fehler die einzigen, die ich ändern kann. Ich kann aufhören mit Dir, und irgendwann wird meine Sehnsucht nicht mehr Dein Gesicht tragen, sondern ein anderes, ein unbekanntes, hoffentlich.

Neulich habe ich geträumt, ich stände im Garten meiner Eltern. Es ist Herbst, aber die Bäume tragen noch Laub, und an den Büschen glänzen rote Beeren. Früher Morgen, das Gras trägt Reif, es knirscht unter meinen Schuhen. Es scheint so friedlich, und doch habe ich große Angst, weil ich weiß, daß dies der Anfang eines langen Winters ist. Wie soll ich das durchstehen…

Als ob es der erste wäre. Schritt für Schritt, Stunde für Stunde, einen Fuß vor den anderen.

von Eseln.

Mein Nachhilfeschüler kommt rein, knallt die Tasche auf den Tisch, fläzt sich auf den Stuhl. Seine ganze Körperhaltung drückt Ablehnung aus. Er tut, was ich sage, er tut es leidenschaftslos, ungern, leidend. Er zieht eine Flunsch. Passive aggressive. Und ich werde zunehmend sauer, das ist ja, als ob man einen Esel den Berg hochschieben muß, so gut bezahlt werde ich nun auch nicht. Mühsam, und ich weiß mir mit nichts zu helfen außer mit Routine: wir machen eine Aufgabe, lesen aus den Buch, schreiben etwas auf, machen noch eine Aufgabe.
Als ich nach Hause fahre, die Straßen leer in der Dämmerung, schießt es mir durch den Kopf: mein Nachhilfeschüler war heute sehr verletzlich. Und ich erinnere mich plötzlich wieder, wie das ist – Pubertät, das Chaos der Hormone: an manchen Tagen die Haut so dünn, die Seele wie ein rohes Ei. Grundlos geweint habe ich, und ich bin mir sicher, ich war oft ebenso pampig wie er.
Manchmal, sinniere ich weiter, geht es mir auch heute noch so. Ich reagiere schnippisch, wenn ich eigentlich verletzlich bin und dünnhäutig. Und manchmal bin ich im Unrecht. Aber was würde es nützen, das zuzugeben?