im Pausenraum

„Na wenn du eh nichts mit mir redest, dann geh‘ ich eben,“ sage ich und will dich necken.

Du überrascht mich, wo ich nur mit einem Schulterzucken gerechnet habe. Du drehst dich auf deinem Bürodrehstuhl, schaust mich an, lächelst mich an, strahlst mich an. Dein Charme, sonst nur der Schatten eines Möbelstückes in einer nächtlichen Wohnung, sprüht Funken. Du lachst dein tiefes, männliches Lachen, das mich so mädchenhaft macht.

„Dann frag mich doch was!“, sagst du. Ich lehne mich gegen die Tür, stehe so aufrecht, wie ich nur kann. Eine Lady, eine Königin.

Und so fangen wir an zu reden.

curious

Stöckchen bekommen: von hier und hier.
Dabei fürchte ich, alle Merkwürdigkeiten bereits in mein kleines Internettagebuch geschrieben zu haben…

1. In meiner Jugend war ich eine recht gute Dressurreiterin.

2. Ich hatte ein Pferd. Das Pferd brach sich das Genick. Seitdem weiß ich, wie es ist, mit dem Tod in einem Raum zu sein.

3. Wenn ich mich in jemanden verliebe, werden diese Gefühle in der Regel nicht erwidert.

4. Sehr meoldramatisch, das alles. Merkwürdigkeit Nummer 5: ich erzähle oft traurige Dinge, behalte die erfreulichen Ereignisse aber für mich.

5. Nun gut. Ich mach‘ ne Ausnahme. Ein paar gute Sachen aus meinem Leben: ich habe eine gute Ausbildung. Ich habe Arbeit. Ich verdiene Geld. Ich habe eine eigene Wohnung (mit Internetanschluß). Ich spreche gut Englisch. Ich kann mich an Literatur und Musik erfreuen. Ich habe ein paar wirklich gute Freunde. Meine Eltern sind mir im großen und ganzen gute Eltern gewesen. Ich hatte eine passable Kindheit. Ich habe in meinen frühen Zwanzigern ein paar Dinge getan, die mir zu wunderbaren Erinnerungen verholfen haben, ich bin z.B. The Cure auf Tour hinterhergereist.

6. Manchmal wach‘ ich morgens auf und bin froh. Einfach so.

zwei Uhr

Am Freitag gekotzt. Danach 18 Stunden geschlafen.
Wie sich dann Tag und Nacht wandeln… der Morgen beginnt am Nachmittag, und wenn es Abend wird, kommt keine Müdigkeit. Mit wachem Auge und fidelem Geist beobachte ich die Nacht. Ein Zauber liegt über allem – den Lichtern der Stadt, dem obskuren Fernsehprogramm. Alle schlafen, ich koche mir eine Suppe.
Als ich mich schließlich hinlege, bleiben meine Augen offen. Mir kommt alles so hell vor, als wäre Vollmond. Draußen, die Rastlosen, in ihren BMWs vor dem Internetcafé. Wie Dunst steigt die Musik aus den Autoradios hoch zu mir in den vierten Stock. Manchmal röhrt ein Motor. Die Männer gehen Nachtgeschäften nach. Verborgen im Hinterhof ein Anbau, es brennt rotes Licht. Die Stimme der Nachbarin, ein Husten: Sex, Gewalt? Oder die Magen-Darm-Grippe?
Bis Mittags träume ich in Bildern und in Szenen, herausgerissen aus Filmen, deren Ende ich nie erfahre.

So könnte es weitergehen. So könnte ich leben, mit diesem Zauber über mir.

Dann kommt der Montag.