Wo bin ich?

Ich bin hier.

250 Tage, das ist nicht unbedingt ein guter Grund für eine Rückschau, aber ein günstiger Anlaß, denn Positionsbestimmungen tun mir immer gut. Gleichzeitig ist es gar nicht so einfach, diese Position zu bestimmen; zu vieles ist ständig im Fluß und läßt sich nur unzureichend beurteilen.
Auf zwei Themen möchte ich mich konzentrieren: auf den Sex und auf den Schwermut.
Sex ist ja nun etwas, das in meinem Leben eher nicht passiert. Nun ergab es sich kürzlich aber, daß ich eine Antwort auf die Frage erhielt, wie es sich zu zweit in meinem Bett liegt: es liegt sich gut. Wir haben viel gelacht, es war sehr einfach. Es hat wenig verändert, zu dem wenigen zählt jedoch, daß ich mir meiner guten Seiten wieder sicherer bin. Es braucht jemand, der sie zum Vorschein bringt, aber sie sind da.
Ich möchte gerne mehr davon, mehr hedonistischen Sex. Hedonistische Arrangements tun nicht weh. Es tut weh, sich zu verknallen, und man weiß vorher nicht, ob das passieren wird, es überkommt einen ja tatsächlich wie ein Knall. Ich sehe da eine gewisse Schwierigkeit, dieselbe Schwierigkeit, die mich auch im Umgang mit dem zweiten Thema belastet. Ich möchte vermeiden, schwermütig zu sein, genauso wie ich vermeiden möchte, mich zu verknallen. Beides sind Gefühle, unkontrollierbar und irrational. Sie zu vermeiden ist nur möglich, wenn man sich dem Leben verschließt.
Ich möchte leben, jetzt, hier, in vollen Zügen. Ich möchte nicht mehr warten, es nicht mehr auf eine Zukunft verschieben, die dann so doch nicht eintritt. Es wird zerbrechliche, papierene Tage geben, und starke, schöne, intensive. „Paß auf Dich auf!“, rate ich mir selbst und denke gleichzeitig: „ach, bitte keine Ratschläge.“

[keine Kommentare]

wo ist Linda?

Die Berliner Woche schreibt:

Schnell fand er [Andreas Göx] heraus, daß es sich bei Linda um keine reale Person handelt. Entstanden in den Köpfen ihrer beiden Protagonisten namens „Lindas Ex“ und „Dr. Robot“. Die wollten mit dieser Aktion die Resonanz auf eine vermeintliche öffentliche Suche austesten und auf diese Weise andere zu Meinungsäußerungen und künstlerischer Aktivität animieren.

Ich bin ein wenig traurig. Und fühle mich ein wenig… für dumm verkauft.
Ich konnte Robot so gut verstehen, wir waren beide manchmal wütend, meistens kläglich, und hin und wieder entstand etwas schönes daraus. Und immer waren wir auf der Suche nach etwas, das es gar nicht gibt.

Trotzdem hier der Hinweis auf die Abschlußausstellung:

Tracing Linda. Museum für Kommunikation, Leipziger Straße 16, Berlin.
mehr über Tracing Linda: Fleshpoint

Veränderungen (2)

Paßfotovergleich: Führerschein (1996), alter Paß (1999), neuer Paß (2004).

1996, noch mit schwarz gefärbten, kurzen Haaren. Mein Gott, denke ich bei Fotos aus meiner Schulzeit immer, ich war hübsch und habe es nicht gewußt.
Ein sehr offener Blick, ein klares Gesicht.

1999, ich sehe aus wie betrunken, wie unter Drogen. Verwirrt. Ein hartes, verwirrendes Jahr, in dem ich nach Berlin gezogen bin, wo es zunächst auch nicht besser war.

2004, ganz glatte, passende Haare. Schöner als 1999, weil ich aussehe wie jemand, der weiß, wer er ist. Gleichzeitig: keine Unschuld mehr, ein ironischer Zug um den Mund, ein Blick mit Schalk in den Augenwinkeln. Man spürt meine kritische Distanz, von der ich manchmal sogar mehr gebrauchen könnte.

Der neue Paß ist gültig bis 2014. Kaum vorstellbar, wo ich 2014 sein werde. Vermutlich mit zwei Buchstaben vor meinem Namen, eher unwahrscheinlich: mit einem anderen Nachnamen und dann wohl auch mit einem Eintrag unter „Kinder“. Wahrscheinlich mit einigen Stempeln im Paß, Arbeitsvisum für die USA?
Die Haare sicherlich kürzer und vielleicht endlich in meiner Naturhaarfarbe. Mehr Fältchen unter den Augen, der Blick? Warm und herzlich? Hart und unsicher? Ablehnend und verlebt?
Wer weiß.

Veränderungen (1)

„Sie haben da was versehentlich fallen lassen!“ rief mir die Frau mit Kinderwagen von der gegenüberliegenden Straßenseite zu. Was sie eigentlich meinte, war: „ich habe gesehen, daß Sie den Zettel unter ihrer Windschutzscheibe einfach auf die Straße geworfen haben. Ich finde das nicht in Ordnung! Heben Sie das auf!“.

Ich habs nicht aufgehoben, ich habe nichts gesagt, nur kurz ironisch die Augenbraue hochgezogen.

Wir waren alle bessere Menschen, bevor wir nach Berlin gezogen sind.

kommentierte Links IV

Aufgrund äußerer Zwänge werde ich frühestens am Sonntag wieder bloggen können. Derweil können Sie:

– sich an den äußerst empfehlenswerten Weblogs aus meiner Blogroll erfreuen.

– mir per eMail Feedback geben oder mich um ein Date

– ihre Aufmerksamkeit folgenden Links schenken:

der Kolumne von Frau Engel.„Schwer ist das Leben, das Weiterleben, für uns, die Lebenden.“

den Fotos von F.antville. The Frank war an vielen Orten, an denen ich auch war. Etwa zwei oder drei Dinge haben sowohl er als auch ich unabhängig voneinander fotografiert und in unser jeweiliges Weblog gestellt. Wenn ich mir seine Fotos anschaue und mit meiner Erinnerung abgleiche, dann wird mir klar, daß es ihm weniger um die Abbildung von Objekten, sondern vielmehr um die Vermittlung seines Blickes geht (und es gelingt).
Auch schön: an den vordergründigen Motiven vorbei das Design seiner Wohnung studieren zu können.

dem Weblog Instant Nirvana. Mit der Einsätzigkeit von Instant Nirvana tat ich mich bislang schwer, jetzt gibt es dort auch längere Texte.
Sein Buch „Wind“ habe ich übrigens vor etwa 5 Jahren mal gelesen, als ich noch jemand anderes war. Voller guter Ideen, ich erinnere mich noch. Leben in einer Windkraftanlage auf dem Meer; Kommunen, die eigene Stadtstaaten bilden.
Man munkelt übrigens, daß MH im November in Berlin liest. Lesung!! Gin Tonic!! Taxis!! Rock ’n Roll!!

dem lesenswerten Artikel über die Eineurojobs von Sören Jansen. Mir gefällt der Tonfall des Artikels und der Gedanke, daß im Grunde niemand gezwungen werden kann – es gibt immer subtile Mechanismen, um sich zu entziehen. Herr Jansen geht recht weit und fordert die glücklichen Arbeitslosen.

den Geschichten von der Pornovideothek. Gibt es einmal etwas harmloser (true porn clerk stories) und, natürlich aus Las Vegas, etwas heftiger mit Videokabinen (Diaries of a porn store clerk).

Asia Carrera Weblog (oder sowas ähnliches). „Mit Weblogs und Internet-Pornografie kann man kein Geld machen, es gibt einfach zu vieles umsonst im Netz“, schwirrt als These durch den Raum. Asia Carrera jedenfalls hat genug Geld verdient, um sich zur Ruhe zu setzten, sage ich, und Fry sagt, hey, er kennt Asia. Und ich gucke ihn an und grinse: er kennt sie, aber wohl nicht über ihr Weblog.

Teilen Sie es sich gut ein. Bis Sonntag.

kommentierte Links III

Aufgrund äußerer Zwänge werde ich frühestens am Sonntag wieder bloggen können. Derweil können Sie:

– sich an den äußerst empfehlenswerten Weblogs aus meiner Blogroll erfreuen.

– mir per eMail Feedback geben (oder mich um ein Date bitten…*kleinerwitz*)

– ihre Aufmerksamkeit folgenden Links schenken:

der Kolumne von Frau Engel.„Schwer ist das Leben, das Weiterleben, für uns, die Lebenden.“

den Fotos von F.antville. The Frank war an vielen Orten, an denen ich auch war. Etwa zwei oder drei Dinge haben sowohl er als auch ich unabhängig voneinander fotografiert und in unser jeweiliges Weblog gestellt. Wenn ich mir seine Fotos anschaue und mit meiner Erinnerung abgleiche, dann wird mir klar, daß es ihm weniger um die Abbildung von Objekten, sondern vielmehr um die Vermittlung seines Blickes geht (und es gelingt).
Auch schön: an den vordergründigen Motiven vorbei das Design seiner Wohnung studieren zu können.

dem Weblog Instant Nirvana. Mit der Einsätzigkeit von Instant Nirvana tat ich mich bislang schwer, jetzt gibt es dort auch längere Texte.
Sein Buch „Wind“ habe ich übrigens vor etwa 5 Jahren mal gelesen, als ich noch jemand anderes war. Voller guter Ideen, ich erinnere mich noch. Leben in einer Windkraftanlage auf dem Meer; Kommunen, die eigene Stadtstaaten bilden.
Man munkelt übrigens, daß MH im November in Berlin liest. Lesung!! Gin Tonic!! Taxis!! Rock ’n Roll!!

dem lesenswerten Artikel über die Eineurojobs von Sören Jansen. Mir gefällt mir der Tonfall des Artikels und der Gedanke, daß im Grunde niemand gezwungen werden kann – es gibt immer subtile Mechanismen, um sich zu entziehen. Herr Jansen geht recht weit und fordert die glücklichen Arbeitslosen.

den Geschichten von der Pornovideothek. Gibt es einmal etwas harmloser (true porn clerk stories) und, natürlich aus Las Vegas, etwas heftiger mit Videokabinen (Diaries of a porn store clerk.

Aisa Carrera Weblog (oder sowas ähnliches). „Mit Weblogs und Internet-Pornografie kann man kein Geld machen, es gibt einfach zu vieles umsonst im Netz“, schwirrt als These durch den Raum. Asia Carrera jedenfalls hat genug Geld verdient, um sich zur Ruhe zu setzten, sage ich, und Fry
sagt, hey, er kennt Asia. Und ich gucke ihn an und weiß: er kennt sie, aber nicht über ihr Weblog.

Teilen Sie es sich gut ein. Bis Sonntag.

ein stumpfer Fleck

Schlechte Tage. Ein stumpfer Fleck auf einer glatten Fläche: meine Zerbrechlichkeit. Ich wische drüber, immer wieder. Es geht nicht weg.

Wenn ich auf einer Brücke stehe, dann habe ich Angst, daß ein Windstoß mir unter den Mantel fährt und mich zerlegt in Metallstäbe, Schrauben, Röhren, Eisenstangen, Zahnräder.

Das kann doch so nicht weitergehen. So kann ich nicht alt werden. Dies sind keine angemessenen Reaktionen.

Ich muß härter werden.

kein Ersatz

Justyna und ich laufen durch den Regen. Ich sage: „Pornokino. Strapse, High Heels, Rock, schwarzer Chiffon, Korsett, Kit Kat. Pornokino!“.

Und Justyna sagt: „ach, eigentlich willst du doch jemand, der mit dir durch die Straßen von Paris flaniert, dir Bücher für einen Euro auf dem Flohmarkt kauft und mit dir direkt nach dem Aufwachen schläft.“

Ja, aber. Ja, aber. Ja, aber.

„Es sieht ja nun nicht danach aus, als ob ich eine Partnerschaft gebacken bekomme. Dann könnte ich doch wenigstens dreckigen Sex haben!“

Justyna guckt skeptisch, sehr skeptisch. Mein Übermut ist verflogen, ein kleiner Rest an Trotz ist noch da, aber sie hat natürlich Recht, nüchtern betrachtet.